Meinung: E-Auto-Förderung hilft dem Klimaziel so wenig wie das Verbrenner-Aus
Vertrauen in nötige Änderungen ist ein besonders zartes Pflänzchen. E-Auto-Förderung hier und Verbrenner-Aus dort hilft daher weder Käufern noch Industrie.
Erschwingliches Elektroauto Fiat Grande Panda E
(Bild: Florian Pillau / heise Medien)
Nun ist endlich bekannt, wie die Bundesregierung die „geilen“ Elektroautos fördern möchte. So nannte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) die Autos aus nationaler und EU-Produktion. Immerhin gibt es für die Neuauflage der Elektroauto-Subvention für Privatleute eine stärker gewichtete soziale Komponente als in der vorzeitig von der damaligen Koalition beendeten Vorgängerversion. Statt einer weiteren Förderung hätte indes eine von Anfang an durchgehend klare Linie der E-Mobilität wohl besser geholfen. Denn um die EU-weit vereinbarte CO₂-Reduktion im Verkehrssektor durch eine steigende Zahl von Elektroautos zu erreichen, ist schon seit Jahren der Flottenverbrauchsmechanismus in Kraft. Er kann und wird die Hersteller dazu bringen, selbst Wege zu finden, wie man günstige Elektroautos baut und in ausreichend großer Zahl unters Volk bringt. Auch daran hat Schneider auf der heutigen Pressekonferenz ganz richtig erinnert.
Nicht sonderlich zielgerichtet
Die Fähigkeiten dazu hat sich die Autoindustrie bereits in den vergangenen zehn Jahren angeeignet und wurde dabei auch, aber nicht vor allem durch die erste Kaufprämie für Elektroautos unterstützt. Sie hat vorwiegend jenen genutzt, die ohnehin genügend Geld gehabt hätten. Der Beweis nach dem Auslaufen der Förderung: Die Hersteller senkten ihre Preise, was sie dank des Aufschlags in Höhe ihres „Anteils“ an der Förderung kostenneutral tun konnten. Das Geld war also vorwiegend in Richtung Industrie geflossen, was angesichts deren Schwierigkeiten sicher hilfreich, jedoch nicht sonderlich zielgerichtet war.
Berechtigterweise wurde daher gefragt, ob nicht eine Förderung der Ladeinfrastruktur nachhaltiger gewesen wäre, genau wie es ganz aktuell die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erneut tut. Mit solchen Fragen begibt man sich allerdings in eine Henne-Ei-Diskussion. Das Versprechen, die Ladeinfrastruktur entsprechend dem Aufwuchs der Abnehmer zu ertüchtigen, ist allerdings ein ziemlich glaubwürdiges Versprechen der Politik. Die DUH hat damit keinen Punkt.
Die Chinesen kommen, möglicherweise
Ebenfalls berechtigt ist der seit Jahren fast inflationär zu hörende Verweis auf die Marktmacht der chinesischen Hersteller, die dank staatlicher Unterstützung auf allen Ebenen so günstig produzieren können, dass sie den Markt aufrollen, wenn wir hier nicht handeln. Die Zahlen sprechen indes eine so überzeugende Sprache, dass Minister Schneider sie in der Pressekonferenz zur Ankündigung der Förderbedingungen geradezu genussvoll zitierte. In Deutschland dominieren demnach die deutschen und mit ein paar Prozent auch europäische Marken zu 80 Prozent den Elektroautomarkt. Den Rest teilen sich Chinesen, Koreaner und eine US-Marke. Die Gründe sind vielfältig. Einer ist, dass die Chinesen keinen Sinn in Dumping sehen, ein noch gewichtigerer die Reife der Produkte im Sinne deutscher und europäischer Kunden. Später kann und wird die Bundesregierung Entscheidungen neu ausrichten.
Innerhalb der drei Jahre jedoch, in denen die neue Subvention gelten soll, wird man aber wohl gelassen bleiben können. Idealerweise auch danach, denn dazu kommt über diesen Zeitraum eine Elektroautooffensive, wie sie ihresgleichen sucht. Nicht aus China, sondern aus dem Herzen der deutschen Autoindustrie, von Volkswagen. Aber auch andere Hersteller zeigen, dass sie nicht nur willens, sondern auch in der Lage sind, wettbewerbsfähige Elektroautos anzubieten.
Mitnahmeeffekte
Die Delle im Verkauf hat sich die Bundesregierung selbst zuzuschreiben. Ohne Förderung wären die Zahlen anfangs etwas weniger steil gestiegen, dafür hätte es danach keinen Einbruch gegeben. Leider hat dieser zwei Ursachen. Erstens warteten potenzielle E-Auto-Käufer auf die neue Förderung. Mit solchen Mitnahmegewinnlern muss man rechnen und kann mit ihnen leben. Kein größeres Problem. Zweitens jedoch – schlimmer, weil nachhaltiger – haben schon die Diskussionen während der ersten Subventionsphase und die zahlreichen Basteleien daran und nun erst recht das Gezerre über eine erneute Förderung dazu beigetragen, das zarte Pflänzchen Vertrauen in die E-Mobilität zu schädigen. Die neue Subvention erweckt nach dieser Vorgeschichte ganz entschieden den Eindruck, E-Autos verkauften sich nur, wenn man den Käufern noch Geld hinterherwirft.
Davor allerdings haben bereits verantwortungslose Politiker einer zukunftsverzagten Klientel nach dem Mund geredet, die ein für alle Mal das Heimchen an den Herd und den Sprit in den Tank zurückwünscht. Für Wählerstimmen haben diese Politiker den Ausstieg vom Ausstieg aus der Verbrenner-Produktion ausgerufen und verkaufen die Entscheidung der EU auch noch als Durchbruch. Verständlich, dass so eine durchsichtige Strategie viel zu viele Wähler extremen Parteien zugetrieben hat, statt sie zu halten.
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Erklärungsbedarf für verunsicherte Kunden
Die durch das Verbrenner-Aus-Aus und überflüssige öffentliche Subventionen zweifach in ihrer Glaubwürdigkeit erschütterte Autoindustrie muss nun einigen verunsicherten Kunden mehr erklären, warum Elektroautos mittlerweile für die meisten von ihnen tatsächlich besser sind. Zudem wird sie für eine längere Übergangszeit Verbrenner bauen, um eine unnötige Nachfrage einzufangen, statt sich auf Entwicklung und Bau von E-Autos konzentrieren zu können. Obwohl ihre Zeit gekommen ist. Das ganze Hin-und-Her hätte die Politik der Dekarbonisierung des Verkehrssektors besser erspart. Auch durch den Verzicht auf eine individuelle Elektroautoförderung.
(fpi)