Trotz Flaute: Solar- und Windenergie EU-weit erstmals vor fossilen Brennstoffen

In mehr als der Hälfte der EU-Staaten tragen erneuerbare Energiequellen inzwischen mehr zum Strommix bei als fossile Brennstoffe. Vor allem Solarenergie wächst.

vorlesen Druckansicht 70 Kommentare lesen
Windkraftanlagen hinter Solarpaneelen in der Landschaft

(Bild: west cowboy/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In der Europäischen Union wurde im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom aus Wind- und Solarenergie erzeugt als aus allen fossilen Brennstoffen zusammen. Das hat der britische Think-Tank Ember ermittelt und die Bilanz jetzt vorgestellt. Demnach hat vor allem das „erstaunliche“ Wachstum bei Solaranlagen dafür gesorgt, dass die beiden erneuerbaren Energiequellen 30 Prozent zu dem in der EU generierten Strom beigetragen haben. Fossile Brennstoffe kamen demnach auf 29 Prozent. Rund 24 Prozent des erzeugten Stroms entfielen auf Kernenergie, der Rest kam ebenfalls aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft und Biogas. Insgesamt kamen die Erneuerbaren demnach in der EU auf 47,9 Prozent des erzeugten Stroms, das waren aber nur 0,2 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor.

Laut den Zahlen der Denkfabrik haben erneuerbare Energien 2025 in 14 der 27 EU-Staaten mehr zum erzeugten Strom beigetragen als fossile Brennstoffe. Erstmals war das demnach jetzt in Kroatien und den Niederlanden der Fall, in Österreich (2023) und Deutschland (2024) wurde dieser Meilenstein bereits erreicht. Am weitesten sind demnach noch die beiden Inselstaaten Zypern und Malta davon entfernt, davor landen Polen und Tschechien. Lediglich in der Slowakei wächst der Anteil der Erneuerbaren am Strommix demnach überhaupt nicht. Ember schreibt auch noch, dass der Anteil der Kohle an den Energiequellen in jedem Land gesunken ist, Gas habe nur einen Teil davon ersetzt.

Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird demnach inzwischen primär von Solaranlagen getragen. Zum vierten Mal infolge ist die damit erzeugte Strommenge in der EU um gut 20 Prozent gestiegen, auf zuletzt 369 TWh. Bei der Windkraft ist die Strommenge dagegen sogar um 2,5 Prozent auf 473 TWh zurückgegangen, daran dürften unter anderem ungünstige Witterungsverhältnisse Anfang des vergangenen Jahres ihren Anteil gehabt haben. In einer eigenen Grafik hat der Think-Tank zudem noch verschiedene nationale Rekorde zusammengetragen, bei Deutschland wird darauf verwiesen, dass Solarenergie Gas als Stromquelle überholt hat.

Videos by heise

Insgesamt habe die Europäische Union im vergangenen Jahr einen „enormen“ Schritt hin zu einem sauberen Strommix gemacht, meint man bei Ember. Kohle habe ihre zentrale Rolle bereits weitgehend verloren, aber bei Erdgas bestehe noch eine signifikante Abhängigkeit. Damit erneuerbare Energiequellen vor allem in den Abendstunden mehr des Strombedarfs decken können, sei zudem ein weiterer Ausbau der Akkukapazität nötig. Hier habe man im vergangenen Jahr eine deutliche Beschleunigung gesehen. Damit könnte man einerseits eine Stabilisierung der Preise erreichen und sich gleichzeitig bei Energieimporten weniger erpressbar machen.

(mho)