Milliardenklage gegen Meta: Patentstreit um Smart Glasses

Der Smart-Glasses-Hersteller Solos verklagt Meta, EssilorLuxottica und Oakley wegen angeblicher Patentverletzung und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe.

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Bild der Ray-Ban Meta-Brille mit Ladeetui.

Meta ist MarktfĂĽhrer bei Smart Glasses.

(Bild: Meta)

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Das Start-up Solos hat vor einem Bundesgericht in Massachusetts eine Klage gegen den Smart-Glasses-Marktführer Meta eingereicht. Solos wirft Meta eine vorsätzliche Verletzung mehrerer Patente vor, die „Kerntechnologien im Bereich smarter Brillen“ abdecken, berichtet Bloomberg.

Die Klage ist auch gegen den Brillenhersteller EssilorLuxottica und dessen Tochterunternehmen Oakley gerichtet, die mit Meta zusammen ein stetig wachsendes Smart-Glasses-Portfolio vertreiben. Solos fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe sowie eine gerichtliche Verfügung, die den Verkauf von Ray-Ban Meta empfindlich stören könnte.

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Laut der Klageschrift, aus der Bloomberg zitiert, hatten Oakley-Angestellte bereits 2015 Einblick in Solos’ Smart-Glasses-Technologie. EssilorLuxottica soll sich darüber hinaus im Laufe des Jahres 2017 mehrfach mit Solos-Personal getroffen und dabei Kenntnisse über die Konzepte und die Roadmap des Unternehmens erlangt haben. „Als Meta um das Jahr 2021 gemeinsam mit EssilorLuxottica Smart-Glasses-Produkte auf den Markt brachte, hatten beide Seiten bereits über Jahre hinweg direktes, detailliertes Wissen auf Führungsebene über Solos’ Technologie angesammelt“, heißt es in der Klageschrift.

Solos startete vor einem Jahrzehnt als interne Abteilung des Mikrodisplay-Herstellers Kopin und wurde 2019 ausgegründet. Die aktuellen Smart-Glasses-Modelle haben ähnlich wie Ray-Ban Meta Lautsprecher verbaut und sind auf Alltagstauglichkeit und KI-Funktionen ausgelegt, verzichten jedoch weitgehend auf eine Kamera. Das Sortiment umfasst Korrekturbrillen, Sonnenbrillen und Sportbrillen, die ChatGPT für Sprachabfragen nutzen und Live-Übersetzungen bieten. Eine Besonderheit neuerer Modelle ist, dass die Technik vollständig in den Bügeln verbaut ist, sodass sich die Frontfassungen je nach Bedarf austauschen lassen.

Während Smart Glasses von Solos noch ein Nischendasein fristen, ist Meta innerhalb weniger Jahre zum Marktführer avanciert. Dabei verlief der Start holprig: Das erste Gemeinschaftsprojekt von Meta und EssilorLuxottica, die Ray-Ban Stories, floppte am Markt. Erst die 2023 veröffentlichten Ray-Ban Meta Smart Glasses brachten den kommerziellen Durchbruch für die Wearables-Kategorie.

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Nachdem bis Anfang 2025 rund zwei Millionen Einheiten der Ray-Ban Meta-Brillen verkauft worden waren, korrigierte EssilorLuxottica seine ursprünglichen Produktionsziele deutlich nach oben. Inzwischen ist das Geschäft mit Smart Glasses für den Brillen-Giganten zu einem Wachstumsmotor gereift: Im dritten Quartal 2025 machten Wearables bereits mehr als ein Drittel des gesamten Umsatzwachstums aus. Und laut aktuellen Berichten von Bloomberg erwägen Meta und EssilorLuxottica sogar eine Verdopplung des Produktionsziels auf 20 Millionen Einheiten pro Jahr.

Angesichts rasant steigender Absätze verwundert es kaum, dass der Ton in der Branche rauer wird. Auch im Segment der Display-Brillen tobt bereits ein erbitterter Streit: Der Hersteller Xreal verklagte kürzlich Viture wegen angeblicher Patentverletzung. Hier wie dort geht es um die Frage, wer die technologische Basis für Smart Glasses für sich beanspruchen darf.

(tobe)