DLR-Satellit BIROS verglüht – das Aus für die Feuerwache im All
Fast 10 Jahre lieferte der Kleinsatellit BIROS Daten über Waldbrände und Vulkanausbrüche aus dem All. Nun endete die Mission des Berliner Feuervogels planmäßig.
Künstlerische Darstellung von Biros im All.
(Bild: DLR (CC BY-NC-ND 3.0))
In der Welt der Satellitentechnik gelten zehn Jahre als halbe Ewigkeit. Das gilt besonders für kompakte, kleine künstliche Erdtrabanten, die in der harschen Umgebung eines niedrigen Orbits operieren. Die Ära des Satelliten BIROS endete am 22. Januar 2026. Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte „Feuerspäher“ trat nach dessen Angaben an diesem Tag in die dichteren Schichten der Erdatmosphäre ein und verglühte vollständig. Damit habe eine Mission ihren Abschluss gefunden, die technologisch Maßstäbe gesetzt und einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis thermischer Prozesse auf unserem Planeten geleistet habe. Der Satellit wurde Mitte 2016 in Indien gestartet, in einer Gemeinschaftsmission mit 19 anderen Trabanten.
BIROS – der Name steht für Bispectral InfraRed Optical System – bildete dem DLR zufolge zusammen mit seinem fast baugleichen Zwilling TET-1 das Rückgrat der FireBIRD-Mission. Das Ziel war ambitioniert: Hochtemperaturereignisse auf der Erdoberfläche mit einer Präzision zu erfassen, die herkömmliche Wettersatelliten oft nicht leisten können. Herzstück des Systems war das hochsensible Infrarot-Kamerasystem HSRS. Es arbeitete mit zwei verschiedenen Spektralbändern im mittleren und thermalen Infrarotbereich, was dem Orbiter eine Art thermischen Röntgenblick verlieh.
Die Besonderheit dieser Technologie habe in ihrer enormen Dynamik gelegen, erläutert das DLR. Während gewöhnliche Sensoren bei extremen Hitzequellen oft „blind“ würden oder übersteuerten, habe BIROS seine Messbereiche automatisch anpassen können. Das System deckte eine Temperaturspanne von 300 bis 1300 Grad Celsius ab. In der Praxis bedeutete dies, dass der Satellit in ein und derselben Aufnahme sowohl ein kleines, nur zehn Quadratmeter großes Feuer im Unterholz als auch massive Lavaströme eines aktiven Vulkans detailgetreu abbilden konnte. Diese Fähigkeit, kleinste Hotspots neben gewaltigen Brandherden ohne Signalverluste zu dokumentieren, machte BIROS für das DLR zu einem weltweit „einzigartigen“ Werkzeug der Fernerkundung.
Globale Brandmeldezentrale
Dabei beschränkte sich der Einsatzbereich nicht auf die Waldbrandfrüherkennung. Die Forscher nutzten BIROS’ Daten, um eine Vielzahl menschlicher und natürlicher Hitzequellen zu analysieren. Dazu gehörten brennende Schiffe auf den Weltmeeren ebenso wie industrielle Gasfackeln, chemische Hitzeentwicklungen oder oft schwer zu lokalisierende, unterirdisch schwelende Kohleflözfeuer. Die „Feuerlupe“ fungierte so als eine Art globale Brandmeldezentrale. Sie lieferte Daten, die sowohl für den Katastrophenschutz als auch für die Klimaforschung von hohem Wert waren.
Hinter dem Erfolg von BIROS stand eine komplexe Allianz aus Forschungsinstituten und mittelständischer Industrie. Das Projekt wurde maßgeblich im Berliner DLR-Institut für Optische Sensorsysteme in Adlershof vorangetrieben. Dabei sei die räumliche Nähe zu spezialisierten Unternehmen wie der ebenfalls in Adlershof angesiedelten Firma Astro- und Feinwerktechnik ein entscheidender Standortvorteil gewesen, heißt es beim Forschungszentrum.
Potenzielle Weiterentwicklungen
Das DLR hat in diesem Verbund die systemtechnische Vorlaufforschung übernommen. Die Industrie lieferte parallel etwa standardisierte Komponenten für den Satellitenbus. Diese enge Verzahnung zwischen Expertise der Uni Würzburg, verschiedenen weiteren DLR-Instituten in Braunschweig, Göttingen Oberpfaffenhofen und Weilheim, spezialisierten Raumfahrtfirmen sowie der Bodenstation des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) in Neustrelitz hat laut den Verantwortlichen gezeigt: Deutschland sei in der Lage, komplexe Raumfahrtmissionen über den gesamten Lebenszyklus hinweg eigenständig zu realisieren.
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Auch wenn die Hardware von BIROS nun nicht mehr existiert, bleibt sein technologisches Erbe bestehen. Die während der Mission gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt in die Entwicklung der nächsten Generation von Kleinsatelliten einfließen. Künftige Missionen könnten die Erde in den Wellenlängenbereichen von vier und zehn Mikrometern dann noch detailreicher erfassen. Die Ära der spezialisierten Infrarot-Erdtrabanten dürfte durch den „Feuervogel“ so erst richtig an Fahrt gewinnen. Ferner werden die Datenarchive der Mission Wissenschaftlern noch über Jahre hinweg Aufschluss darüber geben, wie sich thermische Hotspots weltweit verändern. Dieses Know-how erscheint angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wichtiger denn je.
(nie)