4K-Heimkinotest: One Battle After Another mit technischen Schwächen
Mit 13 Nominierungen ist der beißende Polit-Thriller ein Favorit für die kommende Oscar-Verleihung. Der Film kämpft jedoch mit technischen Problemen.
(Bild: Warner)
- Timo Wolters
1971 stellte der Musiker Gil Scott-Heron in seinem Song „The Revolution will not be televised“ fest, dass ein politischer Umsturz nicht im Farbfernsehen übertragen werde. 55 Jahre später sind es vielmehr die Kanäle auf Facebook und YouTube, die Bilder aus Minneapolis Tag für Tag aufs Smartphone spielen.
Auch Hollywood greift die Zuspitzungen auf. Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ geht mit stolzen 13 Nominierungen als einer der Favoriten für die Oscar-Verleihungen am 16. März 2026 ins Rennen. Doch hinter der glänzenden Fassade des Kritikerlieblings verbergen sich Ecken und Kanten, die das Publikum spalten und die Frage aufwerfen, ob Anderson hier ein Meisterwerk oder ein überambitioniertes Konstrukt geschaffen hat.
In Deutschland ist der Film seit Kurzem im Heimkino neben der Streaming-Fassung auch auf Blu-ray Disc und Ultra HD Blu-ray (UHD) erhältlich. Auf den folgenden Seiten beleuchten wir die Besonderheiten des Films und seine politische Wirkung sowie die technische Umsetzung von Bild und Ton. Spoiler: Warner hat leider bei der deutschen Tonspur gepatzt.
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Ein fragmentarischer Rausch
Vom einstigen Wunderkind, das mit Boogie Nights und Magnolia das Erbe eines Robert Altman antrat, hat sich Paul Thomas Anderson zu einem der eigenwilligsten Architekten des modernen US-Kinos entwickelt. Basierend auf Thomas Pynchons komplexem Roman Vineland liefert er eine Tour de Force ab, die zwischen politischer Gegenwartsbeschreibung und absurder Groteske schwankt. Dazu übernimmt er den körperlichen Stress, die Erschöpfung und den Kontrollverlust der Romanvorlage aus den 1990ern und transplantiert sie in die Gegenwart. So legt er den Blick auf die damals wie heute wirksamen Machtachsen und Abhängigkeiten der politischen Lager frei.
Bei der Entfaltung seiner 162 Minuten langen Vision lässt sich Anderson jedoch Zeit und fordert seinem Publikum bereits in der ersten halben Stunde alles ab. Über diese Zeit rollt er die Geschichte in fragmentarischen Rückblicken auf, die den Zuschauer direkt in das Zentrum eines ideologischen Minenfelds werfen. Sie erfahren von den militanten Aktionen einer Aktivistengruppe und folgen der komplizierten Beziehung zwischen Ben (Leonardo DiCaprio) und Perfidia (Teyana Taylor), die immer wieder mit dem rassistischen Colonel Lockjaw (Sean Penn) kollidiert.
(Bild: Warner)
Der Einstieg ist atemlos und verweigert sich jeder konventionellen Erzählstruktur. Es erfordert höchste Aufmerksamkeit, den zeitlichen Sprüngen und teils unzusammenhängenden Informationsfetzen zu folgen, die das Drehbuch den Zuschauern vor die Füße wirft. Diese Nervosität und Unvorhersehbarkeit durchziehen den ganzen Film. Das Skript lässt einzelne Abschnitte nicht langsam ausklingen, sondern kippt die Handlung ohne lange Erklärungen in eine neue Konstellation. Diese Instabilität versetzt den Zuschauer permanent in Unruhe und zwingt ihn zur aktiven Rezeption.
(Bild: Warner)
Die chaotische Flucht, die Anderson nach etwas über einer Stunde als hypnotische Verfolgung fast als Oneshot inszeniert, gehört zu den besten Sequenzen, die das Kino im vergangenen Jahr zu bieten hatte. Regie, Schnitt und Schauspiel erzeugen zusammen mit dem Score eine unwiderstehliche Spannung. Jonny Greenwood von Radiohead untermalt die Hatz, indem er 25 Minuten (!) zu nervösen Jazz-Drums immer wieder auf dieselbe Klaviertaste hämmert, während DiCaprio verzweifelt versucht, zum geheimen Treffpunkt zu kommen. Das Geklimper mag moderne Kunst sein, ging zumindest mir jedoch unfassbar auf die Nerven.
Die Kameraarbeit von Michael Bauman, der auf das VistaVision-Verfahren setzte (mehr dazu später), verleiht dem Film eine visuelle Erhabenheit, die im krassen Gegensatz zum inhaltlichen Abgrund steht. Er fängt die weiten Landschaften Kaliforniens in Bildern ein, die eine enorme räumliche Tiefe besitzen.
(Bild: Warner)
Die finale Verfolgungsjagd dreier Autos über einen wellig verlaufenden Highway ist ein Musterbeispiel kinetischer Energie und visuellem Ideenreichtum. Anderson beweist in solchen Abschnitten, dass er ein Meister der Inszenierung ist; einer, der keine digitalen Tricks benötigt, um den Zuschauer in den Sitz zu drücken.