Xfwl4: Xfce soll eigenen Wayland-Compositor bekommen
Das Xfce-Team will eingesammelte Spendengelder in die Entwicklung des Wayland-Compositors xfwl4 stecken.
(Bild: Screenshot / David Wolski)
Der schlanke Xfce-Desktop hat bereits zaghaft die Fühler Richtung Wayland ausgestreckt, allerdings bislang nur experimentell und eingeschränkt. Jetzt soll Xfce jedoch mit Anlauf zügig bessere Wayland-Unterstützung durch einen eigenen Compositor – xfwl4 – bekommen.
Das hat das Xfce-Team jetzt in einem Blog-Beitrag angekündigt. Offenbar konnte das Projekt nennenswerte Spenden aus der Community einsammeln und hat sich entschieden, daraus den bereits seit langer Zeit als Xfce-Kernentwickler aktiven Brian Tarricone zu finanzieren. Tarricone soll xfwl4 erstellen, „einen brandneuen Wayland-Compositor für Xfce“. Dafür werde ein signifikanter Teil der Projektspenden draufgehen, jedoch glaubt das Xfce-Team, dass das eine wichtige Investition in die Zukunft der Xfce-Desktop-Umgebung ist.
Xfce: Ziele für Wayland-Compositor
Xfwl4 soll dieselben Funktionen und Verhaltensweise wie xfwm4 liefern – so weit wie möglich, in Anbetracht der Unterschiede von X11 und Wayland. Als Ziel setzen sich die Entwickler, dass sich das Benutzen von xfwl4 genauso anfühlt wie xfwm4 unter X11. „Wir planen sogar, bestehende xfwm4-Konfigurationsdialoge und xfconf-Einstellungen wiederzuverwenden, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten“, schreiben die Entwickler. Xfwl4 soll nicht auf bestehendem xfwm4-Code aufsetzen, sondern von Grund auf neu in Rust programmiert werden. Die Entwickler haben sich entschieden, den Compositor auf Basis der Bausteine von smithay zu programmieren.
Der erste Versuch, einen Wayland-Compositor für Xfce durch Anpassungen im vorhandenen xfwm4-Code umzusetzen, was in gleichzeitiger Unterstützung für X11 und Wayland münden würde, erwies sich als der falsche Weg. Der Aufbau von xfwm4 mache es schwierig, Window-Management-Verhalten in generische Schnittstellen zu gießen, die keine X11-Spezifikationen enthalten. Die Refaktorierung des Codes sei riskant, da dadurch neue Fehler in X11 einschleichen können – mit zwei parallelen Code-Basen zu arbeiten, erlaube schnellere Entwicklung und Experimentieren mit dem Wayland-Compositor, ohne Risiko, dabei xfwm4 kaputtzumachen. Außerdem würde die bestehende Codebasis die Entwickler dazu nötigen, C und wlroots zu nutzen, wo es doch bessere Alternativen gibt.
Brian Tarricone hat wlroots und smithay evaluiert und sich für letzteres als Basis für xfwl4 entschieden, da es den Großteil der offiziellen Wayland-Protokollerweiterungen sowie das wlroots- und einige KDE-Protokolle unterstützt. Außerdem bevorzugt Tarricone Rust vor C, das vereinfacht zudem, speicherbasierte Fehler zu vermeiden und damit die Wahrscheinlichkeit etwa für Abstürze zu verringern.
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Weitere Aufgaben fällig
Es fallen einige Aufgaben an. Zunächst muss xfwl4 erst einmal funktional zu xfwm4 aufrücken. Dazu sind größere Änderungen am Session-Start-up nötig, da der Wayland-Compositor die Wurzel einer Session ist, anstatt xfce4-Session. Auch soll Unterstützung für das xdg-Session-Management kommen, zudem steht auch Support für XWayland auf der Roadmap. Ferner muss das Build-System dafür angepasst und aktualisiert werden. Tarricone hat bereits mit dem Projekt losgelegt. Erste Entwicklungs-Releases könnten bereits in der Jahresmitte erscheinen, hofft das Xfce-Team.
(dmk)