Brückentechnologie im Fahrbericht: Leapmotor C10 mit Range Extender

Das Mittelklasse-SUV Leapmotor C10 war bisher als Elektroauto erhältlich. Das neue Modell mit Range Extender konnten wir kurz fahren.

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Leapmotor C10 REEV

Brückentechnologie Range Extender: Braucht es die wirklich noch?

(Bild: Stellantis)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Stefan Grundhoff
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die chinesische Marke Leapmotor geht im Stellantis-Konzern gerade in eine Produktoffensive. Das Mittelklasse-SUV Leapmotor C10 wird von Stellantis als Elektroauto mit der Option auf Allradantrieb angeboten. Jetzt kommt das Modell auch als serieller Hybrid mit Range Extender.

Der Leapmotor C10 ist ein Mittelklasse-Crossover, mit 4,74 Metern etwa so lang wie ein Tesla Model Y (Test), und bietet 435 bis 1410 Liter Laderaum. Damit liegt er im Fokus des Beuteschemas der meisten Elektroautokunden. Seine neue Antriebsoption ist hierzulande allerdings exotisch und wird es aller Voraussicht nach auch bleiben. Eine erste Probefahrt zeigt Stärken und Schwächen.

Wie sinnvoll ein Range Extender im Vergleich mit einem modernen batterieelektrischen Auto heute noch sein kann, sei dahingestellt. Vielleicht findet der eine oder andere Kunde Anwendungsfälle in Randbereichen. Range Extender waren hier schon vor rund einem Jahrzehnt nicht grundlos rar. Heute muss sich die Technik an einer deutlich gewachsenen Reichweite und stark verkürzten Ladezeiten batterieelektrischer Autos messen lassen – und das bei einem nennenswerten Zuwachs an Ladesäulen.

Stellantis kann ein Auto mit Range Extender in Europa anbieten, weil es für den Massenmarkt in China ohnehin produziert wird. Dort stößt sie aufgrund anderer Randbedingungen als in Europa auf großes Kundeninteresse. Leapmotor-Chef Tianshu Xin hält den C10 auch außerhalb seines Heimatmarkts für eine „optimale Lösung für Vielfahrer, die gleichzeitig auch elektrisch unterwegs sein möchten“. Xin geht davon aus, „dass jeder zweite in Europa verkaufte C10 einer mit Reichweitenverlängerer sein wird.“ Das tönt ausgesprochen optimistisch für eine Brückentechnologie, von der man nicht mehr sagen kann, was sie hierzulande noch überbrücken soll. Der Vorteil gegenüber Hybridantrieben mit der Möglichkeit zu direkter Kraftübertragung besteht in seiner technischen Einfachheit. Das macht die Produktion deutlich und den Endpreis potenziell günstiger.

Leapmotor C10 REEV Teil 1 (3 Bilder)

Der C10 fährt mit Range Extender so, wie man es von seiner BEV-Version gewohnt ist. Nur, dass irgendwann sein Stromaggregat losläuft. (Bild:

Stellantis

)

Für 37.600 Euro bekommt man auch beim C10 REEV ein gutes Platzangebot und ordentliche Serienausstattung. Das stärkste Argument für den Doppelantrieb liefert Leapmotor ironischerweise selbst: Die Ladeleistung des etwa gleich teuren elektrischen C10 (Fahrbericht) mit 69,9 kWh, einer Reichweite von 420 Kilometern im WLTP und 400-Volt-Technik, liegt mit maximal 84 kW an Gleichstrom und 6,6 kW an Wechselstrom deutlich unter den meisten Produkten der Konkurrenz. Das schneller ladende Modell mit 800-Volt-Spannungsebene und Allradantrieb ist zwar noch deutlich teurer, es ist aber absehbar, dass auch der Einstiegs-C10 unter dem Druck der Konkurrenz früher oder später in den Genuss der entsprechenden Technik kommen wird.

Für den C10 mit Range Extender gibt Leapmotor mit voller Batterie und gefülltem 50-Liter-Tank eine Reichweite von mehr als 970 Kilometern an. Allerdings liegt die Ladeleistung für die 28,4 kWh mit bestenfalls 65 kW noch niedriger als bei der batterieelektrischen Ausführung. Laut Norm beträgt die DC-Ladezeit von 30 (!) auf 80 Prozent bei 18 Minuten. Der C10 REEV erreicht eine an anderen Plug-in-Hybridmodellen gemessen große elektrische Reichweite von bis zu 145 Kilometern.

Im Normalbetrieb treibt der 158 kW leistende Elektromotor mit 320 Nm Drehmoment die Hinterräder an. Auch auf längeren Strecken kam auf unserer Probefahrt nie ein dringender Wunsch nach Mehrleistung auf. Das 1960 kg wiegende Auto erreicht 100 km/h nach 8,5 Sekunden, 170 km/h Spitzentempo ist möglich. Normalerweise bringt sich der Generator ab 20 Prozent Akkustand ins Spiel. Im Modus „EV+“ springt er spätestens bei neun Prozent automatisch an. Der 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner versorgt dann den Antriebsmotor direkt mit elektrischer Energie.

Leapmotor C10 REEV Teil 2 (5 Bilder)

Der Fahrerplatz ist mit möglichst wenig Bedienelementen ausgestattet, ... (Bild:

Stellantis

)

Wer „Leistung +“ wählt, fährt mit dauernd laufendem Generator. Der Wechsel vollzieht sich ruckfrei und weitgehend geräuschlos, der gut gekapselte Verbrenner ist während der Fahrt kaum hörbar. Allerdings sinken damit spürbar die Fahrleistungen, denn der Verbrenner leistet nur 50 kW. Der Normverbrauch laut WLTP ist mit 0,4 Liter Super auf 100 Kilometern minimal – der CO₂-Ausstoß mit 10 g auf dem Papier winzig. Bei entladener Batterie liegt der Normverbrauch bei 6,4 l/100 km. Wie bei jedem Hybrid liegen solche Werte immer in Händen des Fahrers, auf dessen Verantwortungsbewusstsein man nur hoffen kann. Beim C10 REEV dürften schon die besseren elektrischen Fahrleistungen zu regelmäßiger Ladung motivieren.

Die indirekte Lenkung vermittelt wenig Gefühl für die Fahrbahn. Der Fahrwerksabstimmung fehlt etwas die Detailliebe, denn gerade bei langen Bodenwellen schwingt die Karosserie nach, während Bodenunebenheiten wie Straßenbahnschienen oder schlechte Fahrbahnen sich stärker bemerkbar machen als nötig.

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Das Interieur des Leapmotor C10 REEV entspricht dem der batterieelektrischen Ausführungen. Er bietet ein angenehm großzügiges Raumgefühl, solide Verarbeitung und leider auch eine vorwiegende Touchscreen-Bedienung. Nach Tesla-Vorbild ist das Cockpit stark reduziert, nahezu alle Funktionen sind ausschließlich über den zentralen 15-Zoll-Bildschirm zu erreichen. Das macht es nicht immer einfach, die richtigen Schaltflächen zu treffen und sich in den Untermenüs zurechtzufinden, um Warntöne abzustellen oder Einstellungen zu ändern.

Das Konzept ist nicht entfernt so alltagstauglich wie eines mit physischen Knöpfen und Schaltern. Zudem ist das Navigationssystem bisweilen zu langsam. Der Sitzkomfort der Kunstlederstühle auf längeren Strecken ist der andere große Kritikpunkt. Warum trotz der reichhaltigen Ausstattung ein Head-up-Display ebenso fehlt wie abblendbare Spiegel, dürfte ein Geheimnis bleiben.

(fpi)