Schwarz-Gruppe sichert sich mehr Macht bei Aleph Alpha

Die Schwarz-Gruppe weitet ihren Einfluss auf Deutschlands einstige KI-Hoffnung Aleph Alpha aus und kauft Bosch die Anteile ab.

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Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis auf einer Konferenzbühne

Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis bleibt zwar größter Anteilseigner, hat aber keinen Posten mehr in dem deutschen KI-Startup.

(Bild: TEDAI Vienna)

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Die Schwarz-Gruppe möchte ihre Anteile am deutschen KI-Startup Aleph Alpha weiter ausbauen. Dafür will man die bisher vom Wagniskapitalgeber Bosch Ventures gehaltenen Anteile übernehmen, teilte die Unternehmensgruppe mit. Finanzielle Details zu dem Deal nannte die hinter den Discountern Lidl und Kaufland stehende Schwarz-Gruppe nicht. Die Erweiterung der Beteiligung stehe noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Mit dem Investment wolle man seine Position als langfristiger, verlässlicher Ankerinvestor weiter ausbauen, heißt es in der Pressemitteilung. Die Schwarz-Gruppe und Bosch Ventures waren Ende 2023 bei einer Serie-B-Finanzierungsrunde eingestiegen, bei der Aleph Alpha eine halbe Milliarde US-Dollar einsammeln konnte.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche hielt die Schwarz-Gruppe Mitte Januar knapp 14 Prozent, Bosch gehörten rund sechs Prozent. Mit dem Zukauf sichert sich der Handelskonzern weitere Stimmrechte und stärkt seinen Einfluss auf Aleph Alpha. Beide Firmen hatten laut Wirtschaftswoche bei ihrem Einstieg Sonderrechte erhalten, die ihnen ein Vetorecht bei bestimmten Themen geben. Dass die Schwarz-Gruppe ihre Machtposition bei Aleph Alpha weiter ausbaut, erwarten Brancheninsider bereits seit Längerem.

Aleph Alpha war als große deutsche KI-Hoffnung angetreten, konnte die Erwartungen angesichts übermächtiger US-Konkurrenz aber nicht erfüllen und hat sich inzwischen vor allem als KI-Dienstleister für die öffentliche Hand positioniert. Gründer Jonas Andrulis trat im Oktober als Geschäftsführer ab und wird übereinstimmenden Berichten auch nicht den ihm zugedachten Vorsitzposten im sogenannten Advisory Board antreten. „Es tut weh, die Firma hinter mir zu lassen, nachdem ich sechs Jahre lang so intensiv mit ihr verwachsen war“, sagte Andrulis der Neuen Zürcher Zeitung. Er hatte das Unternehmen 2019 mit der Mission gegründet, Europa in der KI-Entwicklung unabhängig zu machen. Mit 28 Prozent bleibt er aber größter Anteilseigner.

Aleph Alpha wird inzwischen von einer Doppelspitze geführt. Die besteht aus dem früheren Schwarz-Manager Reto Spörri und dem ehemaligen Accenture-Mann Ilhan Scheer. Die neue Spitze hat einem Bericht des Handelsblatts zufolge auch bereits mit einer Umstrukturierung begonnen – und will Stellen abbauen. Etwa 50 Arbeitsplätze sollen betroffen sein. Insider sprachen gegenüber dem Handelsblatt von einem radikalen Umbau, der Aleph Alpha stärker auf bestimmte Kernbereiche fokussieren solle.

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„Wir brauchen starke deutsche KI-Player, sonst riskieren wir unsere wirtschaftliche Kraft und damit unseren Wohlstand“, sagte Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, der Digitalsparte der Schwarz-Gruppe. „Deshalb müssen wir vielversprechende Unternehmen mit Aufträgen und Investitionen unterstützen.“ Die Unternehmen der Schwarz-Gruppe setzen die Aleph-Alpha-Technologie eigenen Angaben nach etwa bei der Vertragserstellung, beim Screening von Gesetzestexten und zum Vergleich von Vertragsunterlagen ein. Außerdem arbeiteten sie daran, Arbeitsabläufe durch KI-Agenten zu automatisieren.

(axk)