Nach 3G-Abschaltung: In Bern lief es bei Leihrädern zeitweise nicht mehr rund
In der Schweiz wird seit dem Jahreswechsel das 3G-Netz der Swisscom abgeschaltet. Ein Leihfahrrad-Anbieter hoffte vergeblich darauf, dass sich dies hinzieht.
Die Abschaltung des 3G-Netzes der Swisscom hat Teile der Flotte eines Leihfahrrad-Anbieters in der Hauptstadt Bern lahmgelegt. Die Swisscom schaltet das Netz deshalb nochmal ein.
(Bild: Publibike)
In der Schweizer Hauptstadt Bern wurde ein Anbieter von Leihfahrrädern von der Abschaltung des 3G-Mobilfunknetzes der Swisscom kalt erwischt. Zeitweise war ein Teil der Flotte der Firma Publibike nicht mehr ausleihbar, berichtet die „Berner Zeitung“. Für zusätzliche Verwirrung sorgte, dass Kunden für modernere Räder, die trotz 3G-Abschaltung noch verfügbar waren, eine neue App benötigen. Die Swisscom hat das Netz aber inzwischen vorerst wieder eingeschaltet. Publibike ist ohnehin gerade dabei, seine Fahrradflotte auszutauschen. Die bisherigen Räder stammten aus den 2010er-Jahren.
Durch das Entgegenkommen der Swisscom konnte das Problem rasch entschärft werden: „Zwei Unternehmen haben partnerschaftlich zusammengearbeitet. Das ist Schweiz. Kein Drama und keine Krise“, sagte Publibike-CEO Markus Bacher auf Nachfrage von heise online. „Unser ursprünglicher Rolloutplan sah vor, dass wir per Ende Januar mehr Fahrräder der neuen Flotte in der Region Bern haben. Wir sind im Moment 15 Tage hinter dem Rolloutplan. Kann passieren. Die Abschaltung von 3G wurde von der Swisscom rechtzeitig kommuniziert. Jetzt hat sich dies halt dummerweise überkreuzt. Unternehmerisches Risiko“, zeigt er sich gelassen.
Die damalige Eignerin der Firma entschied sich laut des amtierenden Geschäftsführers für ein System, bei dem die Fahrräder via Bluetooth mit der Ausleihstation kommunizieren. Die Ausleihstation übermittelt die Daten dann über ein UMTS-Modul an das Backend-System von Publibike. Beim neuen System, das mittlerweile schweizweit eingeführt ist, kommuniziert das Fahrrad direkt über das LoRa-WAN-Netz der Swisscom mit dem Backend-System, erklärt Bacher. „Die Station kommuniziert nicht mehr.“
Neue App und nur wenige Räder
Nutzer werden von Publibike angehalten, auf die neue App „Publibike Velospot (Zone 1)“ umzusteigen. Die neueren Räder mit runden Schlössern waren aber diese Woche teilweise noch in der Unterzahl, schreibt die „Berner Zeitung“. So hätten etwa am Bahnhof Bern als zentraler Verkehrsknotenpunkt nur drei nutzbare Räder zur Verfügung gestanden. Dutzende funktionierten nicht mehr. „Der 3G-Cluster, in welchem unsere Stationen kommunizieren, wurde bereits am Dienstag abgestellt und wir hatten weniger neue Fahrräder im Netz als geplant. Um unseren Kunden die größtmögliche Verfügbarkeit von Fahrrädern gewährleisten zu können, haben wir unseren Partner Swisscom angefragt, ob sie den betroffenen 3G-Cluster wieder aufschalten und etwas später im Q1/26 abschalten. Das hat die Swisscom für uns gemacht“, zeigt sich Bacher dankbar.
Die Swisscom hatte die Abschaltung des 3G-Netzes bereits im März 2022 angekündigt. Bis Ende des Jahres 2025 wurde der Betrieb noch garantiert. Seit Anfang 2026 läuft schrittweise die Abschaltung. Der Mobilfunknetzbetreiber möchte die frei werdenden Frequenzen und die Antennenkapazität künftig für 4G und 5G einsetzen. Zudem sorgte der Weiterbetrieb des kaum noch genutzten Mobilfunkstandards für zusätzliche Stromkosten, die künftig entfallen.
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1,9 Millionen Fahrten im Jahr
Zum Jahresbeginn trat erst ein neuer Vertrag mit der Stadt Bern in Kraft, der sogar einen Ausbau des Angebots an Leihrädern vorsieht. Das Verleihsystem in Bern ist laut Geschäftsführer das meistgenutzte der Schweiz mit 1,9 Millionen Fahrten pro Jahr.
Eine Stellungnahme von Publibike und weitere Details wurden ergänzt.
(mki)