Mobilfunk von Google: KI lauscht mit und verbessert den Ton

Unter dem Namen Fi Wireless bietet Google in den USA Mobilfunk an. Neuerdings laufen Telefonate über Google-Server, wo KI eingreift, um Geräusche zu filtern.

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Ein Mann mit Bart undf kurzärmeligem Hemd telefoniert mit einem Handy

(Bild: fizkes/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Google routet Telefonate seines US-Mobilfunkdienstes Fi Wireless über eigene Server. Dort manipuliert eine Künstliche Intelligenz den Ton. Ziel ist, Hintergrundgeräusche zu unterdrücken und gesprochenes Wort zu verstärken. Das hat Google laut Rundschreiben vom 22. Dezember 2025 für alle Fi-Kunden mit iPhone oder Android-Handy (ab Android R) aktiviert. Viele Fragen sind offen.

Zwar können Fi-Kunden die Funktion in der Fi-App ausschalten, und Android-Handys blenden während des Telefonats einen Hinweis ein. Jedoch ist nicht klar, ob die Gespräche dann weiterhin über die KI-Server laufen, ohne hörbar beeinflusst zu werden, oder nicht. Ebenso ist unklar, was passiert, wenn ein Gesprächsteilnehmer die Funktion deaktiviert hat, ein anderer aber nicht. Googles Privacy Policy enthält keine sachdienlichen Angaben zu dem neuen Dienstmerkmal, sondern hält nur allgemein fest, dass Google „Sprach- und Tondaten“ sammeln und für zahlreiche Zwecke verwerten darf.

heise online hat Google dreimal um Auskunft gebeten, aber keine Antwort erhalten. Damit ist offen, ob auch internationale Verbindungen bearbeitet werden, wie lange die Daten gespeichert bleiben und was Google sonst damit macht.

Nicht ausgeschlossen ist, dass die KI versucht, durch Stimmerkennung die Identität der Teilnehmer festzustellen. Denkbar ist, dass die KI nach Gesprächsinhalten lauscht. Solche Erkenntnisse könnten für den Zuschnitt von Reklame oder, bei Hinweisen auf eine Notlage oder mögliche Straftat, Informationen an Behörden genutzt werden. Hinweise auf solche Maßnahmen liegen der Redaktion nicht vor.

Die Speicherdauer ist nicht nur praktisch relevant, weil sie Behörden faktisch nachträgliches Abhören ermöglichen könnte, sondern auch juristisch, da US-Behörden auf Daten, die länger als 180 Tage gespeichert werden, wesentlich leichter zugreifen können. Selbst ohne Speicherung ist die Rechtslage unklar: Gilt die Bearbeitung durch KI als Abhören? Wenn ja, hängt es vom US-Bundesstaat ab, ob die Zustimmung eines Gesprächsteilnehmers reicht oder ob alle zugestimmt haben müssen. Und da Google die KI-Bearbeitung automatisch aktiviert und nur Opt-out anbietet, könnte das Unternehmen dann in juristische Schwierigkeiten geraten.

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Hinzu tritt, dass US-Datenschutz generell auf die Erwartungen der Betroffenen hinsichtlich Datenschutz abstellt. Der Schutz des vierten Zusatzartikels der US-Verfassung gegen staatliche Überwachung greift nach herrschender Lehre nicht, wenn der Betroffene seine Daten freiwillig einem Dritten eröffnet hat. Hier ist Google zwar ein Telekommunikationsanbieter, für dessen Kernaufgaben spezielle Auflagen gelten, doch werden die Gespräche jetzt auch über Systeme geroutet, die für die Gesprächsverbindung nicht erforderlich sind.

Das sieht nach einer Datenschutz-Zeitbombe aus, die sich mehr verdient hätte, als das in einer App versteckte Opt-out mit unklarer Wirkung. Die Google-Rechtsabteilung hat sich dazu sicherlich Gedanken gemacht; allein, der Datenkonzern schweigt.

Google betreibt Fi Wireless (vormals Google Fi, ehemals Project Fi) seit bald elf Jahren. Der Konzern tritt dabei als virtueller Mobilfunker (MVNO) auf. Der Dienst nutzt mehrere US-Mobilfunknetze, die ansonsten konkurrieren, fĂĽr bessere Netzabdeckung.

Die Abrechnung ist flexibel, da der Dienst jederzeit pausiert werden kann, was die Verrechnung der monatlichen Gebühren stoppt, ohne, dass die Telefonnummer gleich verloren geht. Apropos Verrechnung: Die Fi-Mobilfunkrechnungen sind neuerdings noch eine Seite länger, weil jetzt eine KI-erstellte Zusammenfassung der Rechnung dabei ist.

(ds)