Bahn beginnt fĂĽnfmonatige Vollsperrung auf zwei wichtigen Korridoren
Die Deutsche Bahn hat am 6. Februar zwei Generalsanierungen gestartet. Bis Juli sind die Korridore Hagen–Köln und Nürnberg–Regensburg gesperrt.
Wie hier in Bayern wurde am Freitag auch in Nordrhein-Westfalen mit der Generalsanierung weiterer Bahnstrecken begonnen.
(Bild: Deutsche Bahn AG / Thomas Kiewning)
Die Deutsche Bahn hat am 6. Februar 2026 zwei umfangreiche Sanierungsprojekte gleichzeitig begonnen. Sowohl der Korridor Hagen–Wuppertal–Köln in Nordrhein-Westfalen als auch die Strecke Nürnberg–Regensburg in Bayern sind bis zum 10. Juli komplett gesperrt. Wie DB InfraGO mitteilt, werden in den kommenden fünf Monaten Gleise, Weichen, Oberleitungen und Bahnhöfe grundlegend erneuert.
In Nordrhein-Westfalen erneuert die Bahn auf der rund 65 Kilometer langen Strecke insgesamt 81 Kilometer Gleise, 50 Weichen und 29 Kilometer Oberleitung. Hinzu kommen vier Kilometer neue Schallschutzwände. Zwölf Bahnhöfe werden modernisiert und barrierefrei umgebaut, darunter Wuppertal Hauptbahnhof, Solingen Hauptbahnhof sowie die Stationen in Leichlingen, Haan-Gruiten und Ennepetal. Die Arbeiten an den Bahnhöfen dauern teilweise bis Ende 2027 an. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 800 Millionen Euro.
Parallel dazu läuft die erste bayerische Korridorsanierung zwischen Nürnberg und Regensburg. Auf dieser 88 Kilometer langen Strecke, die täglich mehr als 350 Züge befahren, erneuert DB InfraGO 96 Kilometer Gleise, 74 Weichen und 81 Kilometer Oberleitung. Zusätzlich werden zwei neue Überleitstellen geschaffen, Bahndämme saniert und eine Brücke bei Burgthann modernisiert. Die Leit- und Sicherungstechnik wird auf den neuesten Stand gebracht, wobei schon Vorbereitungen für die spätere Erweiterung des European Train Control Systems (ETCS) erfolgen. Alle 20 Bahnhöfe zwischen Feucht und Regensburg-Prüfening erhalten eine Modernisierung mit Fokus auf Barrierefreiheit.
Massive Auswirkungen auf den Fernverkehr
Die Vollsperrungen haben erhebliche Konsequenzen für Reisende. Zwischen Köln und Dortmund müssen ICE-Züge über Düsseldorf, Essen und das Ruhrgebiet umgeleitet werden, was die Fahrzeit um 20 bis 30 Minuten verlängert. Die Bahnhöfe Wuppertal, Solingen und Hagen fallen komplett aus dem Fernverkehrsnetz. Regionalzüge wie RE7, RE49, RB48 sowie mehrere S-Bahn-Linien werden in verschiedenen Phasen eingestellt.
Auf der bayerischen Strecke verkehren Fernzüge bis zum 13. Juni über Ingolstadt und die Donaustrecke, was zu einer Fahrzeitverlängerung von etwa einer Stunde führt. Danach werden die Umleitungen reduziert. Den Regionalverkehr will die Bahn durch verstärkte Züge auf alternativen Routen über Schwandorf sowie die Linien RB17 und RE3 auffangen.
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Hunderte Ersatzbusse im Einsatz
Um die ausgefallenen Zugverbindungen zu kompensieren, setzt die Bahn massiven Ersatzverkehr ein. In Nordrhein-Westfalen kommen bis zu 200 barrierefreie Busse mit WLAN zum Einsatz. In Bayern fahren zu Spitzenzeiten über 90 Busse auf acht verschiedenen Linien, die zusammen täglich rund 45.000 Kilometer zurücklegen. Auch der Güterverkehr muss auf beiden Strecken umgeleitet werden.
Die beiden aktuellen Projekte sind Teil des bundesweiten Korridorsanierungsprogramms, das ursprünglich 43 Streckenabschnitte umfasste und mittlerweile auf 40 reduziert wurde. Bis 2027 sollen insgesamt 1500 Kilometer Schienennetz grunderneuert werden. Der Korridor Hagen–Wuppertal–Köln ist die zweite von zehn geplanten Sanierungen in Nordrhein-Westfalen, während Nürnberg–Regensburg die erste von sieben bayerischen Korridorsanierungen darstellt.
Die Deutsche Bahn investiert 2026 nach eigenen Angaben mehr als 23 Milliarden Euro in das Schienennetz – ein deutlicher Anstieg gegenüber 19 Milliarden Euro im Vorjahr. Wie die bereits abgeschlossene Sanierung der Riedbahn gezeigt hat, können solche Generalsanierungen die Pünktlichkeit im Nahverkehr um bis zu 20 Prozent verbessern und Verspätungen um rund ein Drittel reduzieren.
Kritiker bemängeln allerdings, dass die Sanierungen zwar die Infrastruktur stabilisieren, aber keine zusätzlichen Kapazitäten schaffen. Die grundlegenden Probleme des überlasteten Schienennetzes lösen die reinen Erneuerungsmaßnahmen nicht. Immerhin liegt die Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin im Zeitplan, was Hoffnung macht, dass die Bahn ihre ambitionierten Baupläne umsetzen kann.
(mki)