Elektroauto Changan Nevo A06: Anlauf zur Natriumbatterie in Großserie

Die erste Natrium-Ionen-Batterie in einem E-Auto soll der chinesische Autohersteller Changan in die Großserie überführen. Zulieferer ist der Akkuproduzent CATL.

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CATL Naxtra

CATL Naxtra – die Batterie, die aus der Kälte kam.

(Bild: Catl)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der chinesische Autohersteller Changan Automobile soll erstmals eine Natrium-Ionen-Batterie in einem batterieelektrischen Auto in Großserie einsetzen. Zulieferer für diese Akkus ist einer der größten Hersteller von Traktionsbatterien, CATL (Contemporary Amperex Technology Co., Limited), ebenfalls China, mit weltweiten Kunden in der Autoindustrie, darunter Tesla und Toyota. CATL wird Natrium-Ionen-Akkus als „zweite Säule“ neben der Lithium-Ionen-Technik weiterentwickeln, wie die Firma Ende 2025 verkündet hat, und will damit auch die eigene Abhängigkeit von der Volatilität des Lithiumpreises verringern.

Natrium kann in der Zellchemie den kritischen Rohstoff Lithium ersetzen. Weil Natrium zudem weltweit im Überfluss vorhanden und einfach gewinnbar ist, hat es das Potenzial, den Preis der Akkus langfristig deutlich zu senken. Die Idee ist nicht neu und wurde als Geschäftsmodell schon 2021 von CATL vorgestellt. Nach erneuten Achterbahnfahrten beim Preis für Lithiumcarbonat und den regulatorischen Eingriffen durch die Regierung Chinas ist sie heute wieder attraktiv. Ein Nachteil der Natrium-Ionen-Akkus ist ihre geringere Leistungsdichte, weshalb sie bislang als mögliche Lösung für stationäre Speicher oder allenfalls Nutzfahrzeuge mit mehr Platz für einen größeren Akku galten.

Dennoch erscheint die erste Natrium-Ionen-Batterie für die erste erhoffte Großserie in mobiler Anwendung jetzt in einem Pkw. In einem Changan Nevo A06 stellte sie der Autohersteller auf dem „Changan SDA Intelligence Milestone Release & Sodium-Ion Battery Global Strategy Launch“ vor. Die Limousine mit 4,88 m Länge und 2,92 m Radstand soll ab Mitte des Jahres mit einer 45 kWh fassenden Natrium-Ionen-Batterie verkauft werden, zunächst auf dem Heimatmarkt.

Bei CATL läuft diese Batterie-Linie unter dem Namen „Naxtra“ und soll im Changan A06 eine Reichweite von mehr als 400 km im chinesischen CLTC-Standard bieten, nach WLTP wären das etwa 328 km. Derzeit bietet der im November 2025 vorgestellte Changan Nevo A06 mit zwei verschiedenen Lithium-Batterien eine Reichweite von 510 und 630 km Reichweite im CLTC.

CATL verspricht dank Cell-to-Pack-Systemintegration mit einer Zellenergiedichte von bis zu 175 Wh/kg das Niveau aktueller Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Der Vorteil gegenüber der LFP-Zellchemie allerdings soll in einer Ladbarkeit bis minus 30 °C und einer bis zu dreifach höheren Kapazität bei Kälte liegen. Ob die Zellen dafür beheizt werden müssen, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.

Changan zufolge sollen eigene Wintertests diese Vorteile bestätigt haben. So soll bei minus 30 °C die Kapazität des Akkus fast dreimal so hoch liegen wie die von vergleichbaren Lithium-Eisenphosphat-Speichern. Die Batterie soll bei minus 40 °C noch 90 Prozent ihrer Kapazität bieten und bis zu minus 50 °C nutzbar bleiben. Um diese Kälteresistenz als Vorteil zu demonstrieren, richtete Changan die Präsentation bei bitterer Kälte aus.

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Als weitere Vorteile gelten die hohe Lebensdauer mit über 10.000 Ladezyklen und Produktionskosten rund 30 Prozent unter denen für LFP-Zellen. CATL nennt für die Naxtra-Akkus eine Schnellladerate von bis zu 5C, was die Ladung von 10 auf 80 Prozent auf 15 bis 20 Minuten verkürzen kann. CATL verspricht zudem für seine Naxtra-Batterie eine hohe Betriebs- und Unfallsicherheit. So soll es in Tests selbst bei „extremem Missbrauch“, einschließlich mechanischer Zerstörung einer Strom abgebenden, vollständig geladenen Batterie weder zu Rauch noch Feuer und erst recht keiner Explosion gekommen sein. Naxtra erfüllt damit als erste die strenge chinesische Sicherheitsvorschrift für entsprechende Stromspeicher, wie CATL schreibt. Nach der ersten Serienanwendung will der Batteriehersteller demnächst Versionen mit einer elektrischen Reichweite von bis zu 600 km auf den Markt bringen. Changan Automobile will die Technik bald in seine anderen Marken Avatr, Deepal, Nevo und Uni übernehmen. Changan ist mit Deepal in zwei Versionen auf dem deutschen Markt vertreten.

(fpi)