Elektroauto BYD Atto 3: Facelift bringt Umstellung auf 800 Volt

Beim BYD Atto 3 soll nicht nur die Ladeleistung kräftig steigen. Der Antrieb erstarkt ebenfalls deutlich und wird um die Option auf Allrad erweitert.

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BYD Atto 3

(Bild: BYD)

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Der chinesische Großserien-Elektroautohersteller BYD unterzieht sein SUV-Modell Atto 3 einer großen technischen Überarbeitung. Der größte Kundennutzen dürfte von der Verbesserung der vergleichsweise schwachen Ladeleistung durch eine Verdopplung der Spannung zu erwarten sein. Angesichts der bisher nicht herausragenden DC-Ladeleistung von maximal 85 kW darf man BYD zugutehalten, dass der Konzern mit dem Atto 3 einer der Pioniere der Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Zellchemie war. Künftig wird das Elektroauto zudem mit Hinterrad- oder Allradantrieb erhältlich sein. Im Zuge der Modellpflege wird außerdem die Vierlenker-Hinterradaufhängung durch ein Fünflenker-System für „verbesserte Fahrdynamik“ ersetzt, wie BYD schreibt.

BYD Atto 3 evo Teil eins (5 Bilder)

Der BYD Atto 3 evo bekommt die Option auf Allradantrieb und an zwei Stellen eine deutlich höhere Leistung: bei Antrieb und Laden. (Bild:

BYD

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Beide Versionen des Atto 3, neue Zusatzbezeichnung „evo“, bekommen eine größere LFP-Batterie mit 74,8 statt bisher 60 kWh, ebenfalls in der bewährten, platz- und gewichtssparenden Cell-to-Pack-Bauweise, die BYD „Blade-Battery“ nennt. Die Reichweite im WLTP erhöht sich damit von 430 auf 510, respektive 470 km beim Allradmodell. Ihre 800-Volt-Architektur soll Gleichstromladen mit bis zu 220 kW Leistung ermöglichen und damit unter besten Bedingungen die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent auf 25 Minuten verkürzen. Zum Vergleich: Tesla schafft unter ähnlichen Bedingungen mit 20 Minuten eine vergleichbare Ladeleistung mit einer 400-Volt-LFP-Batterie im Model Y. Für die 60-kW-Batterie im aktuellen Atto 3 gibt BYD eine Ladedauer von 44 Minuten an. An einer dreiphasig angeschlossenen Wallbox kann mit maximal 11 kW geladen werden. Dann liegt die von BYD genannte Dauer von 0 auf 100 Prozent bei acht Stunden. Als Goodie bietet BYD Vehicle-to-Load, mit dem externe Geräte mit bis zu 3 kW Strom versorgt werden können.

Der Atto 3 mit Hinterradantrieb hat 230 kW wie im BYD Sealion und ein Drehmoment von 380 Nm statt bisher 150 kW und 310 Nm. Ein relativ großer Sprung, der wahrscheinlich auch damit zusammenhängt, dass die heraufgesetzte Ladeleistung eine höhere Rekuperation ermöglicht. Damit kann beim Abbremsen mehr Strom zurückgespeichert werden, was die Effizienz verbessern helfen kann. Der Heckmotor ist immer eine permanenterregte Elektromaschine. Der optionale vordere Antrieb ist ein Asynchronmotor, der beim stromlosen Mitlaufen weniger Widerstand erzeugt. Das ist eine übliche Maßnahme zur Steigerung der Effizienz bei Allrad-Elektroautos, wie sie beispielsweise auch bei Volkswagen eingesetzt wird.

BYD Atto 3 evo Teil zwei (5 Bilder)

Der Akku gehört zur tragenden Struktur eines BYD Atto 3. (Bild:

BYD

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Derart gekräftigt soll das Auto mit Heckmotor in 5,5 Sekunden 100 km/h aus dem Stand erreichen. Mit Allradantrieb beläuft sich die Gesamtleistung auf 330 kW, das maximale Drehmoment auf 560 Nm, was laut Hersteller die Sprintdauer auf 3,9 Sekunden verkürzt. Beide Antriebsversionen bieten eine Anhängelast von 1500 kg. BYD vermeldet außer den Änderungen an Antrieb und Fahrwerk Verbesserungen bei der Nutzbarkeit. So vergrößert BYD bei gleichbleibendem Radstand von 2720 Millimetern das Kofferraumvolumen des Atto 3 evo um 50 auf 490 bzw. 1360 Liter. Neu sei auch ein Frunk mit 101 Litern Fassungsvermögen.

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BYD gewährt eine sechsjährige Herstellergarantie für das Fahrzeug und eine achtjährige oder 250.000 km umfassende Garantie auf mindestens 70 Prozent SOH für die Batterie. Der BYD Atto 3 evo ist ab sofort ab 44.990 Euro in Grundausstattung und 50.990 Euro für die Allrad-Version Excellence bestellbar. Erste Auslieferungen erwartet BYD „für das Frühjahr“.

(fpi)