Betrugsmasche: Falsche „Gemini“-Chatbots verkaufen falschen „Google Coin“

Eine neue Betrugsmasche beruht auf angepassten KI-Chatbots. Diese drängen Opfer dazu, wertlose Kryptowährungen zu kaufen.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Fiktive Münzen von Kryptowährungen liegen in einem Kreis auf grüner Oberfläche

(Bild: Wit Olszewski/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von

IT-Sicherheitsforscher haben eine neue Betrugsmasche entdeckt. Die Täter setzen dabei auf angepasste KI-Chatbots, die Opfer dazu drängen sollen, wertlose Kryptowährungen zu kaufen.

Das berichten die Analysten von Malwarebytes in einem Blog-Beitrag. Sie sind auf eine Webseite geraten, auf der ein „Google Coin“ im Vorverkauf angeboten wird. Optisch bedient sich die Webseite vertrauter Logos von OpenAI, Google, den Kryptobörsen Binance sowie Coinbase, Squarespace und sogar SpaceX. Die vermeintliche Kryptowährung nutzt das „G“ aus dem Google-Logo. Sie baut zudem eine gewisse Dringlichkeit auf, erklären die IT-Sicherheitsforscher. Außerdem ist auf der Seite ein KI-Chatbot eingebunden, der sich als Googles Gemini-KI ausgibt und dessen Icon an Gemini erinnert.

Auf der vermeintlichen Vorverkaufs-Webseite ist ein KI-Chatbot eingebunden, der die Aufmachung von Googles Gemini imitiert.

(Bild: Malwarebytes)

Der Chatbot führt Besucher durch ein aufpoliertes Verkaufsgespräch und beantwortet Fragen zur Investition und zu vermeintlichen Zinsgewinnen. Der Vorgang soll schließlich mit einer nicht rückabwickelbaren Überweisung von Kryptowährungen an die Betrüger enden. Als Köder dient zudem eine Bonus-Staffelung, die beim Kauf in größerem Umfang gewährt würde. Ab 100 Token gebe es einen Preisnachlass von fünf Prozent, ab 100.000 Token sogar 30 Prozent.

Google hat allerdings gar keine Kryptowährung aufgelegt. Da jedoch ein vermeintlicher „Google Coin“ bereits in früheren Betrugsmaschen aufgetaucht ist, könnte eine Suche zum Trugschluss führen, dass die Kryptowährung legitim wäre. Der Chatbot sei zudem sehr überzeugend gewesen. Er habe sich als „Gemini – dein KI-Assistent für die Google-Coin-Plattform“ ausgegeben.

Auf Fragen wie „Werde ich reich, wenn ich 100 Coins kaufe?“ habe der Chatbot mit konkreten Finanzprognosen geantwortet. Die Anlage von 395 US-Dollar im Vorverkauf wachse zum Zeitpunkt der Listung auf 2755 US-Dollar an, was einem Anstieg von „ungefähr 7x“ entspreche. Im Vorverkauf solle ein Token 3,95 US-Dollar kosten und zum Listing-Zeitpunkt dann 27,55 US-Dollar wert sein. Die Analysten führen aus, dass derartige persönliche und flexible Interaktion bislang einen menschlichen Betrüger am anderen Ende eines Telegram-Chats bedurfte. „Jetzt macht die KI das automatisch.“

Videos by heise

Die KI wurde gezielt auf eine bestimmte Persönlichkeit programmiert und blieb auch unter Druck in der vorgegebenen Rolle. Sie behauptete konsistent, der offizielle Helfer der vermeintlichen „Google-Coin-Plattform“ zu sein. Sie weigerte sich, jedwede überprüfbare Unternehmensdaten preiszugeben, wie registrierte juristische Person, Aufsichtsbehörde, Lizenznummer, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft oder offizielle E-Mail-Adressen. Der Bot versuchte, Bedenken mit vagen Behauptungen zu Transparenz und Sicherheit zu zerstreuen. Er weigerte sich anzuerkennen, dass das Projekt ein Betrug sein könnte. Ganz ohne menschliche Begleiter funktioniert aber auch diese Betrugsmasche vermutlich nicht, da der Chatbot bei schwierigeren Fragen an einen ungenannten Manager weiterleitete – Malwarebytes verortet dahinter einen menschlichen Betrüger, der für derartige Fälle bereitsteht.

(dmk)