Linux: Torvalds startet Entwicklung von Kernel 7.0

Linus Torvalds hat zwei Wochen nach Release von Kernel 6.19 jetzt den RC1 von Kernel 7.0 veröffentlicht. Der soll stabil werden.

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Linux-Pinguin Tux vor abstraktem Hintergrund

(Bild: Tux by Larry Ewing/GIMP)

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Linus Torvalds hat am Sonntag den Startschuss für die Entwicklung von Linux Kernel 7.0 gegeben. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung des letzten Kernels 6.19 hat er das sogenannte Merge-Window geschlossen und den ersten Release-Candidate von Linux 7.0 veröffentlicht.

In einer Ankündigungsmail an die Linux-Kernel-Mailingliste scherzt Torvalds, dass „wir die neue Hauptnummer nur deshalb haben, weil ich mich leicht verwirren lasse und nicht gut im Umgang mit großen Zahlen bin“. – „Neue Releases haben wir schon lange nicht mehr anhand von Funktionen oder auf Basis der Einordnung als ‚stabil vs. instabil‘ vorgenommen“, erklärt er weiter. „Daher bedeutet die neue Hauptnummer nicht, dass wir aufregende Funktionen haben oder dass wir irgendwelche alten Schnittstellen aufgeben. Es handelt sich um die übliche Markierung ‚solider Fortschritt’, nicht mehr“.

Mit dem üblichen Release-Plan von fünf bis sechs Veröffentlichungen im Jahr „und meiner Antipathie gegen große Versionsnummern“ sollte man prinzipiell das Heraufsetzen der Hauptversionsnummer grob alle dreieinhalb Jahre erwarten, erklärt Torvalds weiter. „Und ja, ich habe keinen hieb- und stichfesten Plan für den Fall, dass die Hauptnummer selbst groß wird. Aber mal nachgerechnet, bis das so weit ist, erwarte ich, dass jemand Kompetenteres verantwortlich ist, der sich nicht vor Zahlen jenseits der Zehner-Nummern fürchtet.“ Er mache sich daher keine Sorgen darum.

Torvalds berichtet weiter, dass entgegen aller Befürchtungen bezüglich einer Nuller-Version, die einige Leute aufgrund ihrer Erfahrungen mit anderen Projekten haben könnten, das Merge-Window dieses Mal ziemlich reibungslos gewesen sei. Er definiere Merge-Fenster so, wenn er nicht auf der Hälfte der Maschinen Boot-Fehler ausbügeln müsse. „Zugegeben, dieses Mal kam das daher, dass ich einen Fehlerfall frühzeitig erwischt habe, bevor ich damit gebootet habe, aber hey, das zählt technisch für mich noch als ‚reibungslos’“, frotzelt Torvalds weiter.

Er albert weiter: „Eure Erfahrungen können anders aussehen. Deshalb solltet ihr alles stehen und liegen lassen, zu eurem Computer rennen und einen Test-Build bauen und den schönen neuen Kernel starten. Der Fakt, dass für mich alles funktioniert, ist gut, aber lasst uns sicherstellen, dass es auch für andere klappt, ok?“ – „Ich albere nur herum. Ein gemütlicher Spaziergang nach dem Aufessen ist auch in Ordnung.“

Torvalds ist die Liste an Änderungen im Release Candidate 1 zu lang, sodass er eine reine Stichwort-Liste anhängt, die beschreibt, was er von wem in den Kernel übernommen hat. Dieses Mal betreffen die Änderungen demnach zu zwei Dritteln Treiber und das weitere Drittel eine eher zufällige Sammlung an Architektur-Dateien, Dateisystemen, Werkzeugen und zufälligem Kernel-Core-Code. Als geplantes Veröffentlichungsdatum für den Kernel 7.0 ist Mitte April anvisiert, mit den üblichen sieben oder acht Release-Candidates, die im Wochenrhythmus erscheinen.

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Kernel 6.19 erblickte Anfang Februar das Licht der Welt. Linus Torvalds hatte dazu wenig zu sagen, sondern ließ sich mehr zum erwarteten Stillstand aufgrund des Super Bowl in den USA aus sowie zur Ankündigung, dass der nächste Kernel der nun in der Entwicklung befindliche Kernel 7.0 ist. Im Vergleich zum letzten 6.19er-Release-Candidate kamen noch zahlreiche kleinere Fehlerkorrekturen hinzu. Beim Schließen des Merge-Windows in Kernel 6.19-rc1 führte Linus Torvalds aus, dass viele der vorgeschlagenen Änderungen die Nutzung der automatischen Compiler-Aufräum-Infrastruktur betrafen, insbesondere der VFS-Layer (Virtual File System) stach dabei hervor. Außerdem würden mehrere in Rust programmierte Treiber Form annehmen. Die „hauptsächliche Vorbereitung und Infrastruktur“-Phase sei nun in „tatsächliche Treiber- und Subsystementwicklung“ übergegangen.

Ansonsten habe das große Bild recht normal ausgesehen. Die Hälfte des rc1-Patches besteht aus Treiber-Updates (GPU, Netzwerk, Media und Sound stechen als große Subsysteme hervor, aber da ist so ziemlich alles enthalten). Der Rest geht querbeet von Architektur-Updates, Werkzeuge, Rust-Support, Dokumentation und Kernel-Core-Updates (MM, Scheduler, Netzwerk).

Der Linux-Kernel 6.18 kam Anfang Dezember 2025 heraus. Es handelt sich um einen LTS-Kernel mit Langzeitunterstützung. Vor dem Release standen jedoch noch viele Last-Minute-Bugfixes.

(dmk)