Für Webb sichtbar, für Hubble nicht: Stern vor Supernova könnte ein Rätsel lösen

Das Weltraumteleskop James Webb forscht erst seit dreieinhalb Jahren, trotzdem hat es dabei schon einen Riesenstern abgebildet, der inzwischen explodiert ist.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Bild einer Galaxie, daneben Vergrößerungen, die zeigen, dass der Stern für Webb zu sehen war, für Hubble nicht.

Aufnahme der Galaxie, rechts Vorherbilder der Weltraumteleskope James Webb und Hubble und eine Hubble-Aufnahme der Supernova

(Bild: NASA, ESA, CSA, STScI, C. Kilpatrick (Northwestern), A. Suresh (Northwestern); Image Processing: J. DePasquale (STScI))

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Erstmals ist es einer Forschungsgruppe gelungen, auf alten Aufnahmen des Weltraumteleskops James Webb einen Stern zu identifizieren, der später als Supernova explodiert ist. Es handelt sich um einen Roten Superriesen, der am Rand der nur etwa 40 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 1637 nachweisbar war, bis er am 29. Juni 2025 explodiert ist. Auf Archivaufnahmen des erst seit wenigen Jahren aktiven Weltraumteleskops wurde der Stern dann nachträglich identifiziert und hat sich als „überraschend rot“ herausgestellt, schreibt die Forschungsgruppe. Das deute darauf hin, dass er vor seinem Ende von Staub umgeben war, der die blauen Wellenlängen herausgefiltert hat. Dieser Fund könnte jetzt beim Lösen eines Rätsels der Astronomie helfen.

Entdeckt wurde der Vorgängerstern in Aufnahmen, die das Weltraumteleskop im Jahr 2024 gemacht hat, schreibt das Team. Und dass er darauf so unerwartet rot war, könnte den „Fall der fehlenden roten Superriesen“ klären helfen. Dabei gehe es darum, dass man eigentlich erwarten würde, dass die massereichsten Sterne vor ihrem Ende in einer Supernova auch am hellsten sein müssten. Deshalb sollte man sie nachträglich auf Archivaufnahmen leicht finden können. Der Stern, der jetzt in der Supernova 2025pht geendet hat, deute darauf hin, dass solche Himmelskörper in dieser Phase ihrer Entwicklung aber von dichtem Staub umgeben sind, der sie regelrecht versteckt. Auf einer Archivaufnahme des Weltraumteleskops Hubble, das in einem anderen Spektrum forscht, ist der Stern nicht auszumachen.

Videos by heise

Auch wegen dieser großen Frage habe man auf eine Supernova wie 2025pht gewartet, schreibt Studienleiter Charlie Kilpatrick von der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois. Besonders hilfreich war demnach, dass das Weltraumteleskop James Webb den Vorgängerstern auch im mittelinfraroten Spektrum beobachtet hat, weil man damit die Zusammensetzung des Staubs habe analysieren können. Dieser war demnach überraschend kohlenstoffreich, erwartet habe man mehr Silikate. Man könne nur spekulieren, aber der Kohlenstoff könnte kurz vor der Explosion aus dem Inneren des Sterns herausgeschleudert worden sein. Die Forschungsarbeit zu dem Fund ist im Fachmagazin „The Astrophysical Journal Letters“ erschienen.

Das Weltraumteleskop James Webb wurde am 25. Dezember 2021 gestartet, und zwar auf so ideale Weise, dass der eingesparte Treibstoff eine Verdoppelung der Missionsdauer auf 20 Jahre ermöglicht hat. Anfang Juli 2022 hat das Instrument dann die Forschungsarbeit aufgenommen und sorgt seitdem mit großer Regelmäßigkeit für wichtige und teils bahnbrechende Entdeckungen. Eine Reihe seiner Beobachtungen stellt unsere Annahmen zur Frühgeschichte auf die Probe. So wurden mit dem Gerät winzige, extrem helle und auffallend rote Lichtpunkte entdeckt, bei denen es sich womöglich nicht um überraschend reife Galaxien, sondern aktive Schwarze Löcher handelt. Vor zwei Jahren wurde außerdem eine unerwartet frühe Kollision zweier außergewöhnlich massereicher Galaxien gefunden.

(mho)