Umfrage: Deutsche Ministerien sind digital unsouverän
Deutsche Ministerien nutzen vornehmlich US-amerikanische Software und Plattformen im Netz. Das ist das Ergebnis einer Befragung der Suchmaschine Ecosia.
(Bild: artjazz / Shutterstock.com)
Deutsche Bundes- und Landesministerien nutzen vornehmlich US-amerikanische Software und Plattformen zum Surfen, für die Websuche und Social Media. Das ist das Ergebnis einer Erhebung der Suchmaschine Ecosia, die 147 Ministerien im Dezember 2025 per Informationsfreiheitsgesetz befragte. Rund zwei Drittel der Behörden antworteten inhaltlich, etwa 20 Prozent verweigerten die Auskunft (überwiegend unter Verweis auf Sicherheitsbedenken), rund 10 Prozent reagierten gar nicht.
Bei Browsern ist das Bild eindeutig: Microsoft Edge ist bei 98 Prozent der antwortenden Ministerien vorinstalliert, daneben gibt es häufig das zusätzliche Angebot von Google Chrome, Apple Safari oder Mozilla Firefox. Bei Suchmaschinen sieht es kaum besser aus – nur 24 Prozent der Antwortenden setzen eine europäische Suchmaschine ein, hauptsächlich in Brandenburg, Niedersachsen sowie einzelnen Ministerien in Berlin, Sachsen und Baden-Württemberg.
Beim Social-Media-Verhalten zeigt sich ein ähnliches Bild: 97 Prozent der untersuchten Ministerien sind auf Instagram vertreten, 77 Prozent auf Facebook, 58 Prozent noch auf X – aber nur 17 Prozent auf Mastodon. Positiver fällt der Befund bei KI-Anwendungen aus: Rund 40 Prozent der antwortenden Ministerien setzen auf europäische KI-Lösungen wie das Hamburger LLMoin oder das Freiburger Open-Source-Projekt F13, viele deaktivieren aktiv Microsofts Copilot im Browser.
Ecosia hat die Studie mit offensichtlichem Eigeninteresse erstellt. Das Unternehmen lädt nun alle Ministerien in Deutschland ein, „einen ersten Schritt zu digitaler Souveränität zu machen“ und bei der Suche auf Ecosia zu wechseln. Gemeinsam mit Mastodon schlägt Ecosia eine „Mastodon First“-Strategie vor, bei der Ministerien ihre Posts 24 Stunden exklusiv auf Mastodon veröffentlichen, bevor sie auf anderen Plattformen erscheinen.
Kommentar: Es ist noch viel schlimmer
Was die Ecosia-Erhebung nicht zeigt: Es gibt keine echte souveräne, europäische Alternative bei der Suche und den Browsern. Selbst wenn Ministerien zu einer Suchmaschine eines europäischen Betreibers wechseln würden, wären sie damit längst nicht aus der Abhängigkeit von US-Konzernen heraus. Denn fast alle alternativen Suchdienste – darunter auch Ecosia selbst – beziehen ihre Ergebnisse von US-Diensten.
Ecosia baut zwar in einem Joint Venture mit dem französischen Unternehmen Qwant einen eigenen Index auf, mit der Perspektive, sich von Google & Co. unabhängig zu machen. Der Index steckt aber noch in den Kinderschuhen und liefert bislang nur Ergebnisse für französischsprachige Inhalte.
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Microsoft Edge, der in 98 Prozent der Ministerien vorinstalliert ist, basiert wie Google Chrome auf Chromium – einem Google-Projekt. Und auch das norwegische Vivaldi, das gerne als europäische Alternative ins Feld geführt wird, baut auf Chromium auf, wie viele andere Browser.
Der ebenfalls weitverbreitete Browser Safari stammt von einem weiteren US-Konzern: Apple. Mozilla Firefox ist der einzige weitere relevante Browser. Aber auch Firefox ist keine europäische Lösung. Und die US-amerikanische Mozilla Foundation finanziert sich zu einem Großteil durch einen Lizenzvertrag mit Google, das dafür als Standardsuchmaschine eingesetzt wird. Kurz gesagt: Auf der Ebene der Browser-Engines gibt es weltweit drei relevante Projekte, und keines davon kommt aus Europa.
(jo)