Hormus-Blockade: Maersk und Hapag-Lloyd leiten Schiffe um

Reedereien meiden den Persischen Golf. 13,6 Prozent der globalen Luftfrachtkapazität fallen aus. Das könnte auch Technik-Lieferketten beeinträchtigen.

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Drohnenaufnahme eines Containerhafens bei Nacht

(Bild: Guitar photographer/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Nach der Eskalation des Nahost-Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran am Wochenende geraten globale Lieferketten unter Druck. Die Blockade der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden, geschlossene Lufträume über weiten Teilen der Golfregion und direkte Schäden an der Hafeninfrastruktur stellen Reedereien, Airlines und Tech-Unternehmen vor Probleme.

Wie Maersk in einem Update mitteilte, hat die Reederei sämtliche Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus ausgesetzt. Betroffen sind alle Buchungen zwischen dem Indischen Subkontinent und dem nördlichen Teil der Golfregion – also Häfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Katar, dem Irak und Kuwait sowie die saudi-arabischen Häfen Dammam und Jubail. Zwei wichtige Routen – die ME11 (Naher Osten-Indien in Richtung Mittelmeer) und die MECL (Naher Osten-Indien zur US-Ostküste) – leitet Maersk um das Kap der Guten Hoffnung um. Auch Durchfahrten durch die Bab-al-Mandab-Straße am Roten Meer hat die Reederei vorläufig eingestellt. Annahmen von Kühlcontainern und Gefahrgut für die gesamte Golfregion sind ebenfalls ausgesetzt.

Laut der Logistikplattform Flexport verlängern sich die Transitzeiten auf den Routen Asien-Europa und Asien-US-Ostküste durch die Umleitung um 10 bis 14 Tage. Mindestens 150 Schiffe sollen nach einer iranischen Warnung derzeit blockiert sein. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) meldete mindestens einen Todesfall und mehrere Verletzte bei Angriffen auf Handelsschiffe. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte, dass „kein Angriff auf unschuldige Seeleute oder zivile Schifffahrt jemals gerechtfertigt“ sei, und empfahl allen Schiffen, die Region bis auf Weiteres zu meiden.

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Auch Hapag-Lloyd hat einen Kriegsrisiko-Zuschlag (War Risk Surcharge) eingeführt. Seit dem 2. März 2026 fallen für Standardcontainer 1500 US-Dollar und für Kühlcontainer sowie Spezialausrüstung 3500 US-Dollar zusätzlich an. Der Zuschlag gilt für alle noch nicht versendeten Buchungen, bereits verschiffte, aber noch nicht entladene Fracht sowie Cargo in Transit – betroffen sind sämtliche Häfen im Persischen Golf vom Irak bis Saudi-Arabien.

Neben der Seeschifffahrt sind auch 13,6 Prozent der globalen Luftfrachtkapazität betroffen, da die Lufträume über den VAE, Katar, Bahrain, Kuwait, dem Irak und Iran geschlossen sind. FedEx hat Flüge zu und von zahlreichen Ländern der Region ausgesetzt. Auch Emirates Sky Cargo, Qatar Airways, Etihad Airways, Oman Air Cargo und die Cathay Group melden Ausfälle oder erhebliche Störungen. Der Ausfall trifft insbesondere sogenannte Sea-Air-Verbindungen, bei denen Frachtgut über Hubs wie Dubai kombiniert auf dem See- und Luftweg transportiert wird.

Direkte physische Schäden meldeten derweil der Hafen Jebel Ali in Dubai, wo Trümmer einer abgefangenen Rakete ein Feuer auslösten, sowie eine Schiffswerft in Bahrain, wo ein Hafenarbeiter durch Projektile getötet und zwei weitere verletzt wurden. Auch ein AWS-Rechenzentrum in den VAE wurde von Objekten getroffen – vermutlich durch Raketen- oder Drohnentrümmer aus dem iranischen Gegenangriff.

Analysten des Marktforschungsunternehmens IDC schätzen die unmittelbaren Auswirkungen auf die globale Tech-Branche als begrenzt ein. Die VAE seien zwar ein wichtiger regionaler Distributions-Hub für Tech-Produkte, doch global betrachtet stelle die Region „nur einen kleinen Teil des Marktes“ dar, so IDC-Analyst Jitesh Ubrani. Sollte sich der Konflikt – für den US-Präsident Trump eine Dauer von vier bis fünf Wochen prognostiziert – deutlich ausweiten, könnten allerdings auch Halbleiter- und Elektronikimporte aus Asien spürbar ins Stocken geraten, wenn Luftfracht- und Seewege gleichzeitig beeinträchtigt bleiben.

Die Sperrung der Straße von Hormus trifft derweil die Energiemärkte hart. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls passiert normalerweise die Meerenge. Die Ölpreise sind bereits deutlich gestiegen. Analysten halten bei einer längeren Blockade Preise von 100 US-Dollar für möglich, was laut Capital Economics die globale Teuerungsrate um 0,7 Prozentpunkte nach oben treiben könnte. Besonders China, Japan und Indien, die stark von Ölimporten durch den Golf abhängig sind, geraten unter Druck. Auch die europäischen Erdgaspreise explodieren. Goldman Sachs warnte, dass bereits eine einmonatige Unterbrechung die europäischen Gaspreise verdoppeln könnte – bei ohnehin ungewöhnlich niedrigen Brennstoffvorräten auf dem Kontinent.

(mki)