Tricorder-Technik: Vodafone nutzt 5G-Antennen zur Objekterkennung
Nicht erst mit 6G: Vodafone und Tiami Networks zeigen auf dem MWC, wie 5G-Netze durch ISAC zu hochpräzisen Sensoren werden können.
(Bild: Kitawit Jitaton/Shutterstock.com)
Für Star-Trek-Fans klingt es verdächtig nach dem Tricorder: Integrated Sensing and Communication (ISAC) soll Mobilfunknetze zu hochpräzisen Sensoren machen. Das Smartphone wäre dann gewissermaßen das Wunder-Gerät aus der Science-Fiction-Serie, mit der sich allerhand detektieren lässt. Was als Zukunftsvision für den nächsten Mobilfunkstandard 6G bereits bei Experten Besorgnis auslöst, ist laut dem Mobilfunknetzbetreiber Vodafone schon in heutigen 5G-Netzen möglich. Zusammen mit dem US-amerikanischen Unternehmen Tiami Networks zeigt Vodafone aktuell auf dem Mobile World Congress in Barcelona die bisherigen Testergebnisse.
Die beiden Partner haben in Tests handelsübliche 5G-Antennen in großflächige Sensoren verwandelt, wie Vodafone in einer Pressemitteilung kundtut. Die Netz-Technologie ähnelt der Echoortung von fliegenden und jagenden Fledermäusen. Beim Mobilfunk werden Funkreflexionen genutzt, um Objekte, Entfernungen, Geschwindigkeiten und sogar menschliche Bewegungen in Echtzeit zu erfassen.
WofĂĽr ISAC nĂĽtzlich ist
Laut Michael Reinartz, Innovationschef bei Vodafone Deutschland, gibt es eine ganze Reihe vorstellbarer Einsatzzwecke für ISAC: Sie reichen vom Erkennen versteckter Wasserlecks in Gebäuden über das datenschutzfreundliche Messen von Besucherströmen über das Erkennen von Eindringlingen und Drohnen. Auch in der Landwirtschaft, der Lebensmittelkontrolle oder bei Augmented-Reality-Anwendungen ließe sich dieser Beifang des Mobilfunks praktisch verwenden.
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Die Idee ist übrigens nicht neu. Auch WLAN lässt sich als Radar nutzen – Wi-Fi Sensing genannt. Seit dem Jahr 2020 sammelt die Sensing-Arbeitsgruppe des IEEE Use Cases zur Definition technischer Lösungen.
Risiken und Nebenwirkungen
Mit der Einführung von 6G soll ISAC zur Massenanwendung werden. Experten der EU-Telekommunikationsnormungsbehörde ETSI sehen den Einsatz in einem Bericht aber kritisch. Denn so nützlich die Technik ist: Sie wirft natürlich auch allerhand Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit auf. Kriminelle könnten die Signale missbrauchen, um Gebäude auszukundschaften. Auch Personentracking oder Abhöraktionen seien möglich.
Der Vodafone-Versuch ist in diesem Kontext noch unkritisch, da er nur die Machbarkeit in vorhandenen 5G-Netzen untersucht hat. Dabei sei es gelungen, Gegenstände und sogar Personen zuverlässig zu erfassen, ohne laufende Anrufe oder Datenverbindungen zu beeinträchtigen. Eine Einführung von 6G-Netzen wird erst ab dem Jahr 2030 erwartet. Dann aber sei es so einfach wie das Aktivieren einer Softwareanwendung, um ISAC im Netz zu nutzen, heißt es. Vodafone speist die Erkenntnisse aus den Tests bereits in die 3GPP-Standardisierung ein, konkret in Release 19. Die gemeinsame Testreihe mit Tiami Networks soll noch 2026 fortgesetzt werden.
(mki)