Kommentar: Das MacBook Neo ist kein neues 12-Zoll-MacBook
Apple hat eine neue MacBook-Linie veröffentlicht. Letztlich ist es aber nur günstiger Wein in alten Schläuchen. Der Traum eines Ultraportablen bleibt unerfüllt.
MacBook Neo in der Farbe Zitrus: Ist es nicht eigentlich ein Air?
(Bild: Apple)
Zwischen 2015 und 2019 hatte Apple den quasi idealen portablen Mac im Programm: Das MacBook mit 12 Zoll war unglaublich kompakt, erlaubte die Arbeit selbst im Billigfieger oder engsten Zugabteil und wog fast nichts (konkret: weniger als ein iPad mit Magic Keyboard). Gut, die Tastatur war nervigerweise in der Jony-Ive-Höllentechnik Butterfly gefertigt. Und die verbauten Intel-Mobilchips ohne Lüfter luden keineswegs zu Filmschnittaufgaben oder 3D-Spielen ein. Doch als alltägliche Surf-, Videoguck- und Textmaschine war das 12-Zoll-MacBook nicht zu schlagen. Ich selbst verwendete die Maschine dafür und war lange erstaunlich zufrieden damit.
Die Renaissance blieb aus
Als Apple dann ab 2020 seine Apple-Silicon-Chips auf den Markt brachte, dachte ich sofort, dass eine Renaissance des Ultraportablen ansteht. Das wäre ja auch ideal: Die M-SoCs verbrauchen wenig und sind schnell, bleiben kühl und erlauben kompakteste Bauweisen, wie man etwa am iPad Pro sehen kann. Allein: Apple kam gar nicht auf die Idee, das MacBook mit 12 Zoll wiederzubeleben. Als es dann im Sommer 2025 die Meldung gab, Apple werkele erneut an einem Einsteiger-Notebook, dachten viele Fans des alten Intel-Kompakt-Macs, dass ihre Zeit jetzt endlich gekommen ist. Und nun, in dieser Woche, war es dann tatsächlich so weit: Apple bringt mit dem Neo ein neu konzipiertes Notebook heraus. Aber eben kein Ultraportables: Hier geht es eher um den Preis als um irgendetwas anderes. Denn Apple hat sich augenscheinlich vorgenommen, den Laptop-Markt von unten aufzurollen, etwas, was dem Konzern kaum jemand zugetraut hätte.
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Allein der Look ist trotz der Buntheit – Farbtöne: Silber, Zitrus, Rosa und Indigo – eigentlich nicht neu. Schaut man sich das Neo im Detail an, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass Apple hier das Design des MacBook Air mit 13 Zoll teilweise recycelt hat. Mit 1,23 Kilo ist das neue Gerät zufälligerweise genauso schwer, das MacBook mit 12 Zoll wog nur 920 Gramm. Der restliche Formfaktor ist auch ein wesentlich voluminöser: Im Hinblick auf Länge und Breite ist das Neo gegenüber dem Air nur minimal geschrumpft, in der Dicke legt es minimal zu, was wahrscheinlich mit den seitlich eingebauten Lautsprechern zusammenhängt. Dank des A18 Pro dürfte es jeden alten Intel-Mac im Staube zurücklassen – und vermutlich sogar M1-Macs. Das Display hat im Gegensatz zum MacBook Air keinen Notch (was ich für einen Vorteil halte), sonst könnte man beide Geräte leicht verwechseln.
Der Preis ist heiĂź
Beim Preis nicht: Mit zwei Tarifstufen, die sich durch die SSD-Größe und den Einbau eines Fingerabdrucksensors unterscheiden (256 vs. 512 GByte, kein Touch-ID vs. Touch-ID) war die Mac-Auswahl noch nie so einfach. In Europa ist Apple inklusive Umsatzsteuer bei 699 und 799 Euro gelandet, in der Heimat (ohne VAT) gar bei 599 und 699 US-Dollar. Wer ein MacBook Air M5 kaufen will, blecht mindestens 1199 Euro, der billigste Handelspreis für das alte MacBook Air M4 mit 256 GByte liegt derzeit bei rund 880 Euro.
Heißt: Mit dem MacBook Neo liefert Apple erstmals so etwas wie den ultimativen Einsteiger-Mac für Leute, die viele Daten in der Cloud haushalten und problemlos damit zurecht kommen, dass nur 8 GByte RAM verbaut wurden. Es ist gleichzeitig das kleinste Notebook im Portfolio (beim Gewicht – siehe oben – nicht). Der Traum vom flotten Ultraportablen mit ausreichend Ausstattung bleibt hingegen unerfüllt, obwohl er doch dank Apple Silicon und allen anderen Skills in Apples Hardware-Engineering scheinbar so einfach zu erfüllen wäre. Will Apple diese Zielgruppe eher beim iPad sehen? Das weiß man nur in Cupertino allein. Ich jedenfalls werde mich nun demnächst hinters Neo zwängen und es zumindest einmal im Alltag ausprobieren. Auf dass der Vordermann in der Economy-Class seinen Sitz nicht zu weit nach hinten schieben möge.
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(bsc)