KI-Streit eskaliert: Pentagon setzt Anthropic auf die schwarze Liste
Wegen Einschränkungen bei der KI-Nutzung für Überwachung und Waffen stuft das US-Militär den Claude-Entwickler Anthropic nun als Sicherheitsrisiko ein.
(Bild: Michele Ursi/Shutterstock.com)
Das Pentagon hat seiner Drohung Taten folgen lassen: Der Anbieter des KI-Modells Claude, das US-Start-up Anthropic, gilt nun offiziell als „Supply-Chain-Risiko“. Nachdem das Pentagon ein Ultimatum zur uneingeschränkten KI-Freigabe gestellt hatte, lief am Freitag die Frist ab. Auf Grundlage der Section 3252 des US-Militärrechts wurde das US-Start-up damit als Gefährdung der Lieferkette des Militärs eingestuft. Bislang wurde dies nur auf ausländische Unternehmen angewendet. In einer offiziellen Mitteilung kündigte Anthropic indessen eine Klage gegen die Einstufung an, die der CEO als vergeltende Maßnahme bezeichnete. CEO Dario Amodei meldete Zweifel an, dass das Vorgehen des US-Verteidigungsministeriums, von der Trump-Administration Kriegsministerium genannt, rechtlich abgesichert ist.
In dem Streit geht es darum, dass Anthropic der Regierung bestimmte Verwendungszwecke beim Gebrauch seiner KI untersagen wollte. In den Verhandlungen wies Anthropic das Pentagon-Ultimatum zurück und beharrte auf ethischen Leitplanken. Massenüberwachung von US-Bürgern und der Einsatz in autonomen Waffensystemen sollten vertraglich ausgeschlossen werden. Das Pentagon lehnte dies ab und drohte Anthropic mit Gegenmaßnahmen, wenn es auf die Forderung beharren sollte. Andere Unternehmen, wie OpenAI und xAI, stimmten hingegen laut Medienberichten dem uneingeschränkten Einsatz ihrer KI-Modelle zu.
Nein kostet Anthropic Millionen
Unmittelbar geht es für Anthropic um einen 200-Millionen-US-Dollar-Vertrag mit dem Pentagon. Die Einstufung dürfte es aber dem Start-up zusätzlich erschweren oder gar unmöglich machen, mit weiteren staatlichen Stellen Geschäfte zu machen oder mit Rüstungsunternehmen, die für das Pentagon arbeiten. Anthropic-Chef Amodei erklärte hingegen, dass das Gesetz nur Pentagon-spezifische Verträge betreffe. Microsoft bestätigte, mit Anthropic weiterhin an zivilen Projekten arbeiten zu können.
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In einem ersten Schritt muss zum Beispiel der Einsatz in dem von Palantir entwickelten „Maven Smart System“ beendet werden. Die Software wurde im aktuellen US-Militäreinsatz gegen den Iran eingesetzt. Claude selbst wird allerdings laut einem Bericht der US-Nachrichtenagentur Bloomberg weiterhin vom Pentagon im Iran-Konflikt eingesetzt. Verteidigungsminister Pete Hegseth unterrichtete führende Abgeordnete im Kongress über die Einstufung Anthropics.
Wert des Unternehmens steigt
Dem Wert Anthropics hat der Konflikt laut Bloomberg nicht geschadet. Das Unternehmen wird mit 380 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Jahresumsatz wird dieses Jahr laut Prognosen bis zu 18 Milliarden US-Dollar erreichen.
(mki)