Ben-Hur in 4K: Warum die UHD heute besser aussieht als das Kino damals
Die neue Restauration von Ben-Hur schärft nicht nur Bild und Ton, sondern auch den Blick auf Hollywoods Vergangenheit, wie unsere umfassende Analyse zeigt.
(Bild: MGM / Amazon)
- Timo Wolters
- Hartmut Gieselmann
Sandalenfilme sind vielleicht aus der Mode, aber sie geben einen Einblick in die goldenen Jahre der Hollywood-Studios. Weder zuvor noch danach wurde ein vergleichbarer Aufwand mit riesigen Sets, Arenen und Komparsen betrieben. Heute kehrt mit „Ben-Hur“ (im Deutschen ohne Bindestrich „Ben Hur“ geschrieben) der größte dieser Monumentalfilme in einer neuen 4K-Restauration zurück – und stellt die Frage, wie viel davon im Heimkino noch wirkt.
Die Nachfrage nach der neuen UHD von „Ben-Hur“ war so groß, dass die limitierte Erstauflage bereits durch die Vorbestellungen vergriffen war und man aktuell nur über inhaltsgleiche Import-Discs etwa aus Italien an sie herankommt. Im Test vergleichen wir die neue Version mit der älteren Ausgabe der Blu-ray Disc und der im Stream auf AppleTV/iTunes verfügbaren Version, die inzwischen ebenfalls auf 4K mit englischem Atmos-Ton aktualisiert wurde.
In unserer Analyse untersuchen wir sowohl die wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen das Studio MGM diesen Monumentalfilm Ende der 1950er Jahre drehte, als auch den Kontrast zu späteren Filmen wie „Spartacus“. Das berühmte Wagenrennen ist auch heute noch unerreicht. In der Kritik steht der Film jedoch durch seine aufgezwungen wirkende religiöse Auflösung. Unsere technische Untersuchung geht ab Seite 4 der Frage nach, wie und warum die neue Restauration auf UHD den Film im Heimkino in einer Qualität zeigt, die damals selbst in den großen Kinosälen nicht möglich gewesen wäre.
Alles auf eine Karte
Wer in den sandigen, von 70-mm-Zelluloid geprägten Archiven Hollywoods nach einer Definition des Monumentalfilms sucht, stößt schnell auf zwei Fixpunkte. Der eine ist Lawrence von Arabien. Der andere Ben-Hur – ein Film, der das Sandalen-Genre prägte und zugleich ein gigantisches Hollywood-Studio in letzter Sekunde vor dem Ruin bewahrte. Dass er am Ende mit elf Oscars ausgezeichnet wurde, unterstreicht den Ausnahmecharakter des Projekts.
(Bild:Â MGM)
Man muss sich die existenzbedrohende Ausgangslage von Metro-Goldwyn-Mayer vor Augen führen: Ende der 1950er stand das Studio massiv unter Druck. Das Fernsehen raubte den Kinos die Zuschauer, und nach kartellrechtlichen Entscheidungen mussten sich die großen Studios von ihren lukrativen Kinoketten trennen. MGM brauchte ein Alles-oder-nichts-Projekt – einen Befreiungsschlag, der das Publikum mit visueller Wucht zurück in die Kinos holen sollte.
Mit einem für die Zeit enormen Budget von 15 Millionen US-Dollar – inflationsbereinigt heute etwa 160 Millionen – stemmte das Studio ein logistisches Großprojekt.
Videos by heise
Wie nervös MGM bei diesem Millionenpoker war, zeigt der Umgang mit der Stummfilmversion von 1925. Aus Angst vor direkten Vergleichen versuchte das Studio systematisch, möglichst viele Kopien des Originals aufzukaufen und zu vernichten. Dass der Stummfilm heute dennoch vollständig existiert, gleicht rückblickend einem kleinen Wunder.