Ghostty 1.3.0: Terminal-Emulator wird Non-Profit-Projekt

Der Terminal-Emulator Ghostty ist in Version 1.3.0 erschienen. Die Entwickler haben einige der am häufigsten gewünschten Features implementiert.

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Saxophon-Spieler mit Geistern, lila Hintergrund

(Bild: heise medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der Terminal-Emulator Ghostty ist in Version 1.3.0 erschienen und bringt unter anderem eine Scrollback-Suche, native Scrollbars sowie die Option, den Cursor durch Klick in Shell-Prompts zu positionieren. AuĂźerdem haben die Entwickler eine wichtige SicherheitslĂĽcke geschlossen.

Ghostty ist ein moderner Terminal-Emulator fĂĽr macOS und Linux, der auf GPU-Rendering setzt und in der Programmiersprache Zig geschrieben wurde. Entwickelt wird er vom HashiCorp-GrĂĽnder Mitchell Hashimoto. In die neue Version sind sechs Monate Arbeit geflossen, 180 Entwickler haben ĂĽber 2.858 Commits beigetragen. Die Release Notes umfassen hunderte Verbesserungen, Bugfixes und Performance-Optimierungen auf allen unterstĂĽtzten Plattformen.

Die neue Scrollback-Suche gehört zu den am häufigsten gewünschten Features. Sie lässt sich unter macOS mit Cmd+F, unter Linux mit Strg+Umschalt+F aufrufen. Die Implementierung hebt gefundene Treffer hervor und erlaubt die Navigation mit Pfeiltasten oder Cmd+G. Auf macOS lässt sich die Suchleiste zu einer der vier Ecken ziehen, falls sie wichtige Inhalte verdeckt. Die Suche integriert sich zudem in macOS-Komponenten wie der Menüleiste, den systemweiten Shortcuts für „Weitersuchen/Zurücksuchen“ und der System-Zwischenablage für Suchbegriffe. Technisch arbeitet die Suche mit einem dedizierten Thread, der nur kleine Lock-Zeit-Slices benötigt und sich bei Nichtnutzung selbst terminiert, um I/O und Rendering minimal zu beeinträchtigen.

Ebenfalls neu sind native Scrollbars im Overlay-Style, die sich systemkonform in macOS und GTK einfügen. Per Konfigurationsoption scrollbar lässt sich das Verhalten anpassen, standardmäßig übernimmt Ghostty die Systemeinstellung.

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Eine weitere Neuerung ist, dass man den Cursor per Klick in Shell-Prompts positionieren kann – wie in einem regulären Textfeld. Das Feature unterstützt hierzu die OSC-133-Extensions click-events und cl=line. Native Unterstützung bieten Fish ab Version 4 und Nushell ab 0.111, für andere Shells hängt der Support von Ghosttys eingebundener Shell-Integration ab. Die Entwickler haben ihre OSC-133-Implementierung überarbeitet und setzen nun auf eine region-basierte Erkennung, die genauer arbeitet als die row-basierte Variante mancher Konkurrenten. Ein Debug-Overlay für OSC-133-Bereiche hilft beim Troubleshooting.

Neu sind auch Benachrichtigungen über abgeschlossene Befehle. Nutzer können über drei Konfigurationsoptionen festlegen, wann und wie Ghostty Meldungen anzeigen soll: nie, nur bei nicht fokussiertem Fenster oder immer. Die Aktion lässt sich auf einen Klingelton (bell) oder eine Systembenachrichtigung einstellen, standardmäßig werden nur Befehle gemeldet, die länger als 5 Sekunden dauern. Auch dieses Feature benötigt OSC 133 oder die Shell-Integration.

Die Entwickler haben die I/O-Performance deutlich verbessert. Tests mit 4 GByte großen asciinema-Dateien zeigen, dass die Replay-Zeit von mehreren Minuten auf wenige Sekunden gesunken ist. Die Renderer-Lock-Zeit konnte um den Faktor zwei bis fünf reduziert werden, oft arbeitet das System dank Dirty-Tracking völlig lock-frei. Das führt zu glatterem Scrolling und weniger Jitter bei starker Ausgabe.

Ein kritisches Speicherleck wurde behoben, das durch bestimmte KI-Tools wie Claude Code ausgelöst wurde. Bei intensiver Nutzung konnte der Speicherverbrauch nach zehn Tagen auf bis zu 37 GByte anwachsen. Der Fehler existierte seit Version 1.0 und betraf die Recycling-Logik für non-standard Scrollback-Pages. Die Stabilität bei intensiver Nutzung mit Logs oder Build-Ausgaben ist nun deutlich höher.

Mit CVE-2026-26982 wurde eine Sicherheitslücke geschlossen, bei der Control-Characters wie 0x03 (Ctrl+C) in eingefügten Texten oder per Drag-&-Drop übertragenen Inhalten zur Ausführung beliebiger Befehle in manchen Shells führen konnten. Der Angriff erfordert zwar User-Interaktion, aber solche Paste-Exploits sind in Terminal-Emulatoren nicht ungewöhnlich. Ghostty ersetzt nun unsichere Control-Characters beim Einfügen durch Leerzeichen, analog zu xterm.

Ghostty ist nun offiziell ein Non-Profit-Projekt unter der Schirmherrschaft von Hack Club, einer 501(c)(3)-Organisation. Fast alle Spenden fließen direkt an Contributors, fünf davon haben bereits Verträge für insgesamt rund 300 Stunden Entwicklungsarbeit unterzeichnet. Die Umwandlung soll das Projekt langfristig vor Kommerzialisierung und Verkauf schützen.

Die Systemanforderungen haben sich geändert: Version 1.3.0 ist die letzte, die macOS 13 Ventura unterstützt. Ab Version 1.4 ist macOS 14 erforderlich, da Apple den Support für Ventura im Herbst 2025 eingestellt hat. Unter Linux benötigt Ghostty GTK 4.14 und libadwaita 1.5. Ältere Distributionen wie Debian Bookworm müssen auf Snaps oder Flatpaks ausweichen oder bei einer älteren Ghostty-Version bleiben.

Weitere Neuerungen umfassen erweiterte Keybind-Funktionen wie Key Tables und verkettete Keybinds, Unterstützung für das Kitty Keyboard Protocol sowie Unicode-17-Konformität. Unter macOS gibt es experimentelle AppleScript-Unterstützung zur Automatisierung sowie unaufdringliche Update-Mechanismen. Die eigenständige Bibliothek libghostty erlaubt es, den Terminal-Emulator in Drittanwendungen wie Neovim, Multiplexer oder PaaS-Lösungen zu integrieren.

Mehr Details zu Ghostty 1.3.0 finden sich in den Release Notes. Einen ausführlichen Test des Terminal-Emulators hat heise online im Februar 2025 veröffentlicht.

(fo)