Universal-Nasenspray gegen Atemwegsinfekte: Meilenstein in Stanford erreicht

Forscher der Universität Stanford haben ein Nasenspray entwickelt, das im Laborversuch monatelangen Schutz gegen Covid-19 und Krankenhauskeime bietet.

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Junge Frau putzt ihre Nase

(Bild: illustrissima / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Zwei Sprühstöße aus einem Nasenspray – und schon finden Covid-19, bakterielle Infektionen oder andere Atemwegserkrankungen im Winter nicht mehr statt. Was wie Science-Fiction klingt, ist Forschern der Universität Stanford jetzt zumindest im Laborversuch mit Mäusen bereits gelungen. Sie wollen einen Universalimpfstoff gegen Atemwegsinfektionen entwickeln und haben hierbei einen wichtigen Meilenstein erreicht.

Möglich wird dies durch einen Paradigmenwechsel beim Verfahren. Der Impfstoff namens GLA-3M-052-LS+OVA ahmt keine Bestandteile eines Erregers nach, sondern imitiert die Signale, die Immunzellen untereinander während einer Infektion austauschen. Dadurch können sich Krankheitserreger der Abwehr nicht durch Mutation entziehen. Dies macht den Universalwirkstoff auch zum Hoffnungsträger bei der Bekämpfung von multiresistenten Krankenhauskeimen.

Dass das menschliche Immunsystem bereits auf optische Reize reagieren kann, bevor Erreger eindringen, zeigten jüngste VR-Studien. Die angeborene Immunantwort eines Menschen klingt normalerweise nach wenigen Tagen ab. Durch den Impfstoff werden T-Zellen in der Lunge über Monate hinweg aktiv gehalten. Dadurch entsteht ein sich selbst erhaltendes Schutznetzwerk im Organ. Laut der Vision der Forscher könnte es künftig dazu dienen, Erreger und Auslöser wie SARS-CoV-2, Grippe, RSV, Erkältungsviren, Lungenentzündungserreger und Frühjahrsallergene abzuwehren. Gegen die Bakterien Staphylococcus aureus und Acinetobacter baumannii, typische Krankenhauskeime, bot der Impfstoff rund 3 Monate Schutz. Auch die adaptive Immunabwehr mit virusspezifischen T-Zellen und Antikörpern wurde bei geimpften Mäusen verbessert: Statt nach normalerweise zwei Wochen startete sie bereits in nur drei Tagen.

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Im Laborversuch mit Mäusen wurde die Viruslast in der Lunge um den Faktor 700 gesenkt. Während ungeimpfte Mäuse dramatisch an Gewicht verloren und häufig starben, überlebten die geimpften Mäuse alle und zeigten kaum Viruslast in der Lunge. Der erregerneutrale Impfstoff hätte den Vorteil, dass er theoretisch auch bei neuen, unbekannten Pandemieviren greifen würde. Durch die Anwendung per Nasenspray wäre der Impfstoff leicht zu verabreichen, und es würden nach Ansicht der Forscher zwei Dosen genügen, um monatelang geschützt zu sein.

Bis zur Anwendung beim Menschen ist es allerdings noch ein langer Weg. Unter Idealbedingungen könnte ein solcher Impfstoff in fünf bis sieben Jahren verfügbar sein. Zunächst sind aber etliche Studien nötig. Unklar ist auch noch, ob sich die gewonnenen Erkenntnisse von Mäusen auf den Menschen übertragen lassen. Dabei ist auch zu klären, inwieweit Nebenwirkungen auftreten können. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

(mki)