US-Tech-Riesen: 100 Milliarden Dollar Ersparnis durch Netzeffizienz

Eine Koalition um Google und Tesla will durch bessere Auslastung der Stromnetze Milliarden sparen – und erhofft sich rasche Netzanschlüsse für Rechenzentren.

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Pylon

(Bild: pan demin/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Eine Koalition aus US-amerikanischen Technologiekonzernen – darunter Google, Tesla und der Klimatechnikhersteller Carrier – will die steigenden Stromkosten in den USA durch eine bessere Auslastung des bestehenden Stromnetzes senken. Unter dem Namen „Utilize“ argumentiert die Koalition, dass das US-Netz im Schnitt nur auf 53 Prozent seiner Kapazität betrieben wird, während Milliarden an Infrastrukturkosten auf alle Verbraucher umgelegt werden.

Eine unabhängige Studie der Brattle Group, die „Utilize“ in Auftrag gegeben hat, soll demnächst belegen, dass sich durch höhere Auslastung über zehn Jahre mehr als 100 Milliarden US-Dollar an Stromkosten einsparen ließen – ein Ansatz, der angesichts explodierender Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren auch für die laufende Debatte um Netzausbau und Energiekosten in Deutschland und Europa relevant ist. In der Bundesrepublik wird bereits über netzunabhängige Energiekonzepte für Rechenzentren diskutiert, die jedoch vor regulatorischen Hürden stehen.

Vorhandene Studien deuten laut „Utilize“ darauf hin, dass im vorhandenen Stromnetz noch viel Potenzial schlummert. Die Duke University hat bei der Untersuchung von 22 US-Netzsystemen herausgefunden, dass 76 bis 215 Gigawatt zusätzliche Leistung ohne neue Infrastruktur bedienbar wären. Die Universität Stanford erklärte, dass im westlichen US-Stromnetz die Übertragungsleitungen selbst zu Spitzenzeiten nur zu 18 bis 52 Prozent ausgelastet seien.

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Die beteiligten Konzerne dürften ein hohes Eigeninteresse daran haben, dass das vorhandene Netz effizienter genutzt wird. Während Tesla mit seinen Autos und Batteriespeichern entsprechende Technologien verkauft, um Energie zu puffern, dürfte es Google vor allem darum gehen, schneller Netzanschlüsse für seine KI-Rechenzentren zu erhalten. Zuletzt hatten sich die großen Tech-Konzerne gegenüber der US-Regierung zur Selbstfinanzierung der Strominfrastruktur verpflichtet, um die allgemeine Versorgung nicht zu gefährden. Die Projektbetreiber haben weltweit mit langen Wartezeiten zu kämpfen, da die Energieversorger oftmals die Netzanschlüsse nicht schnell genug bereitstellen können. Pilotprojekte zeigen jedoch, dass ein flexibler Stromverbrauch der Rechenzentren den Netzanschluss beschleunigen könnte, da Spitzenlasten vermieden werden. Einige Projekte gehen schon dazu über, Insellösungen mit eigenen Kraftwerken zu bauen.

Die Initiative hat es sich zum Ziel gesetzt, Bundesstaat für Bundesstaat dazu zu bewegen, bei der Netzauslastung mehr Transparenz und Forschung zu betreiben. Im US-Bundesstaat Virginia ist es ihr bereits gelungen, erfolgreich für ein Gesetz zu werben, das Versorger zur Messung und Berichterstattung der Netzauslastungsdaten verpflichtet. Virginia gehört zu den Staaten, in denen Hyperscaler zunehmend auf regulatorischen Widerstand stoßen, wenn es um den ungebremsten Ausbau von Rechenkapazitäten geht.

(mki)