Von USK inspiriert: Alterseinstufungssystem PEGI straft Lootboxen ab

Das europäische Alterseinstufungssystem PEGI will Videospiele mit Lootboxen künftig erst ab 16 Jahren freigeben. Als Inspiration diente die USK.

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Screenshot aus EA Sports FC 26

Screenshot aus „EA Sports FC 26“. Das EA-Spiel generiert einen Großteil seiner Umsätze mit dem Verkauf von Lootboxen.

(Bild: EA)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Videospiele mit Lootboxen werden vom europäischen Alterseinstufungssystem PEGI künftig erst ab 16 Jahren freigegeben. Darüber informiert der für PEGI verantwortliche Verband in einer Pressemitteilung. Künftig sollen PEGI-Freigaben Spielaspekte berücksichtigen, die über traditionelle Prüfkriterien wie den Gewaltgrad hinausgehen.

PEGI steht für „Pan European Game Information“ – es ist das Alterseinstufungssystem für Videospiele, das in großen Teilen Europas zum Einsatz kommt. Eine Ausnahme ist Deutschland – hierzulande kümmert sich die USK für Altersfreigaben. Die USK hat nach Novellierung des Jugendschutzgesetzes aus dem Jahr 2021 bereits angefangen, Lootboxen und andere problematische Spielmechanismen in ihren Einstufungen zu berücksichtigen.

Damit war die USK ein Vorbild für PEGI, schreibt PEGI-Direktor Dirk Bosmans in der Pressemeldung. „Es war unglaublich hilfreich, von den Erfahrungen unserer Kollegen in Deutschland zu lernen.“ Man sei zuversichtlich, dass die neuen Prüfkriterien der PEGI Eltern und Spieler mit mehr Transparenz und nützlicheren Informationen über getestete Spiele ausrüsten.

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PEGI nennt mehrere konkrete Beispiele, wie sich Alterseinstufungen künftig ändern sollen: Spiele, die in Zeit oder Stückzahl limitierte In-Game-Items anbieten, sollen künftig mindestens eine Alterseinstufung ab 12 Jahren bekommen. Spielen NFTs eine Rolle, wird das Spiel erst ab 18 freigegeben. „Bezahlte zufällige Gegenstände“ in Videospielen sollen automatisch zu einer Einstufung ab 16 Jahren führen – und in manchen Fällen sogar erst ab 18 freigegeben sein. Das ist sogar noch etwas strenger als die USK, die Lootbox-lastige Spiele wie „EA Sports FC“ ab 12 Jahren freigibt. Bisher hat die PEGI die Fußball-Spiele von EA ab 3 Jahren freigegeben.

Auch Spiele, die Spieler mit täglichen Aufgaben oder Belohnungen zum regelmäßigen Spielen anregen, sollen kritischer betrachtet und mindestens ab 7 Jahren freigegeben werden. Werden Spieler sogar dafür bestraft, nicht regelmäßig zu spielen, sollen Titel ab 12 Jahren freigegeben werden. Sehr streng geht die PEGI mit Titeln um, die ihre Online-Kommunikation nicht ausreichend moderieren. Kann man andere Spieler nicht blockieren oder melden, soll ein Spiel automatisch ab 18 Jahren eingestuft werden.

Weil die USK in Deutschland für die Einstufung von Videospielen verantwortlich ist, haben die PEGI-Änderungen keinen unmittelbaren Einfluss auf den deutschen Markt. Die erweiterten Prüfkriterien sind aber ein weiteres Beispiel dafür, dass Regulatoren und Gesetzgeber sensibler für ausbeuterische Mechanismen in Videospielen werden. Kürzlich wurde etwa Steam-Betreiber Valve wegen Lootbox-Einsatz in seinen Videospielen in New York verklagt.

(dahe)