Mercedes C EQ: Wie fährt sich die elektrische C-Klasse?
Komfort und Dynamik gelingen der elektrischen C-Klasse ausgezeichnet. Mit hoher Ladeleistung und Reichweite addieren sie sich zu einem konkurrenzfähigen E-Auto.
Mercedes-Benz C-Klasse EQ
(Bild: Mercedes-Benz)
- Stefan Grundhoff
Mit hoher Ladeleistung und üppiger Reichweite wird die kommende C-Klasse als EQ kaum mehr Angriffspunkte für Kritik am Elektroauto übrig lassen. Noch nicht mal im Preis soll die Elektroversion noch ihr thermodynamisch angetriebenes Pendant überragen. Antrieb und Fahrwerk bieten den von der Marke erwarteten Komfort und lassen die Fahrdynamik nicht zu kurz kommen. Probefahrten mit zwei Vorserienmodellen bestätigten das überzeugend.
Die Mercedes C-EQ-Modelle werden im Sommer anlässlich der fälligen Überarbeitung als erste C-Klasse-Modelle vorgestellt. Mercedes nutzt dafür die komplette Antriebstechnik des elektrischen SUV-Modells Mercedes GLC EQ. Mit diesem Gegenangebot zum BMW i3, auch einer möglichen Antwort auf den kommenden Volvo ES60, wird die Modellpalette von Mercedes ein Stück elektrischer.
Gediegener als ein CLA
Wir waren mit dem Entwicklungsteam der neuen C-Klasse unterwegs. Bereits auf öffentlichen Straßen fährt die überarbeitete C-Klasse in einer gänzlich anderen Liga als der im vergangenen Jahr von Mercedes als elektrischer Hoffnungsträger gefeierte, kleinere Mercedes CLA. Mehr Radstand, dazu eine gelungene Dämmung und vor allem ein geschickt abgestimmtes Fahrwerk lassen einen so ruhig über die Landstraßen im Schwarzwald schweben, dass man sich eher wie in einem E- oder S-Klasse-Modell wähnen könnte.
(Bild:Â Mercedes-Benz)
Neben dem Basismodell Mercedes CÂ 300Â EQ soll als zweite Motorvariante der CÂ 400Â EQÂ 4matic jene Kunden ansprechen, die mehr Leistung und insbesondere einen Allradantrieb wĂĽnschen. In beiden Versionen verfĂĽgt der hintere Motor ĂĽber ein Zweiganggetriebe, im Allrad-Modell kann die vordere PSM-Maschine mechanisch ausgekuppelt werden, um Schleppverluste zu vermeiden. Die beiden Elektromotoren des CÂ 400Â EQ dĂĽrften wie im Mercedes GLC gemeinsam 360Â kW leisten und von einer 94Â kWh fassenden Unterflur-Batterie mit Energie versorgt werden.
Damit sollten laut Mercedes deutlich mehr als 800 Kilometer Reichweite möglich sein. Mit der 800-Volt-Spannungslage des Speichers, der dank NMC-Zellchemie weniger kälteempfindlich ist, als die inzwischen weitverbreiteten LFP-Akkus, ist im Mercedes GLC EQ eine Ladeleistung von bis 330 kW möglich. Das entspricht über 300 km Reichweitengewinn innerhalb von zehn Minuten. Die elektrische C-Klasse könnte in diesem Punkt sogar noch etwas besser sein. Sie wird zwar voraussichtlich nicht schneller laden können, aber pro Kilowattstunde vermutlich etwas weiter fahren können als das SUV.
Mercedes verspricht in der zwischenzeitlich herausgegebenen Pressemitteilung einen sehr wahrscheinlich höheren Preis von „unter 70.000 Euro“ und eine Reichweite von „über 750 Kilometer“.
Luftfederung und Allradlenkung
Das beeindruckende Komfortniveau erreicht Mercedes nicht allein mit der umfangreichen Schalldämmung. Auch die auf der Probefahrt spürbare optionale Luftfederung trägt dazu bei. Sie passt sich je nach Tempo und angewähltem Fahrprogramm Gegebenheiten und Fahrer an. Besonders in engen Kurven wird zudem die Hinterachslenkung spürbar. Das Auto fühlt sich damit handlicher und sogar leichter an, als es tatsächlich ist. Laut Mercedes ist die Zusatzlenkung zudem in der Lage, den Wendekreis um nahezu einen Meter zu reduzieren und erleichtert damit das Rangieren in beengten Verhältnissen, etwa im Stadtverkehr.
Zwar sind alle diese Goodies aufpreispflichtig, doch ist Mercedes mit dieser Ausstattungsfülle den meisten Konkurrenten in der Mittelklasse überlegen. Im Innenraum ist die Limousine auf dem Niveau des GLC, mit den bekannten Großdisplays, bequemen Sitzen sowie einem Panoramadach, das sich gegen Aufpreis elektrochromatisch verschatten lässt. Bislang ließ es sich in der C-Klasse auch öffnen.
(Bild:Â Mercedes-Benz)
Noch eindrücklicher zeigen sich die Errungenschaften im Fahrverhalten, als es mit dem zweiten Vorserien-C auf den Handlingkurs geht. Auch bei ambitioniertem Tempo in der Nähe des Grenzbereichs bewegt sich die C-Klasse zumindest gefühlt ruhiger und souveräner als der kleinere CLA. Größere Räder, mehr Radstand und eine breitere Spur machen sich ebenso bemerkbar wie die Fahrwerksabstimmung und die breiteren Sportreifen. Sie lassen fast vergessen, dass die elektrische C-Klasse ein schweres Auto ist: Wie flott der elektrische C 400 4matic zu bewegen ist, dürften wohl nur wenige Kunden wirklich ausprobieren.
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Wie schon der Mercedes CLA befindet sich die elektrische C-Klasse auf Augenhöhe mit den entsprechenden Verbrennerversionen – oder ist sogar besser. Zu den Preisen äußert sich Mercedes etliche Monate vor dem Verkaufsbeginn noch nicht. Wir rechnen damit, dass sie etwas unterhalb des GLC EQ liegen werden. Wer für das vorläufige Basismodell mit 60.000 bis 65.000 Euro kalkuliert, kommt der Wahrheit vermutlich bereits recht nahe. Einen genaueren Verkaufstermin als „Mitte 2026“ haben wir noch nicht genannt bekommen.
(fpi)