Pro & Contra: Hat Apple iWork zerstört?
Apples Office-Suite war lange die sorgenfreie Grundausstattung auf Macs & Co. Jetzt sind die Apps Freemium statt einfach kostenlos. Geht das zu weit?
Seit Jahren bietet Apple das iWork-Paket – Pages, Keynote und Numbers – den eigenen Kunden gratis an. Mit dem Start von „Apple Creator Studio“ wurden die Textbearbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware jetzt zu Freemium-Apps. Neue Funktionen und Zusatzelemente gibt es nur für zahlende Nutzer. Zudem weisen die Apps prominent auf das Abo-Paket hin. Torpediert Apple damit die eigene Office-Software?
PRO
Pages, Keynote und Numbers sind eigentlich richtig gute Anwendungen. Mit der Einführung des Abo-Bundles Creator Studio hat Apple diese über Nacht jedoch zu „Nagware“ degradiert – Nerv-Software, die auf dem Papier kostenlos bleibt, Nutzern aber bei jeder Gelegenheit ein Abonnement andrehen will.
Das ist ein Jammer: Für viele Jahre wertete die iWork-Gratisbeigabe nämlich jedes Apple-Gerät auf, und das ganz ohne Fallstricke. Etliche Neukunden dürfte es erfreut haben, dass sie eine zugeschickte Office-Datei einfach öffnen können, ohne erst Software kaufen und installieren zu müssen. Das penetrante Upselling zerschmettert den bisher so positiven Ersteindruck: Die Apps verweisen auffällig auf vermeintliche Premium-Inhalte und schrecken sogar vor farblich ins Auge stechenden Buttons für KI-Funktionen nicht zurück, die erst das Abo freischaltet. Ob es in Zukunft überhaupt noch kostenlose Neuerungen für die iWork-Suite geben wird, bleibt unklar.
Das Pro & Contra stammt aus Mac & i Heft 2/2026, das ab dem 27. März 2026 verfügbar ist. Die neue Ausgabe lässt sich ab Donnerstag im heise shop kaufen – als Print-Magazin oder als PDF.
Dabei hat Apple sich nicht einmal die Mühe gemacht, ein attraktives Zusatzangebot für iWork-Nutzer zu schnüren. Für ein paar durchschnittliche Stockfotos und Vorlagen sowie stark limitierte KI-Funktionen veranschlagt der Konzern 13 Euro pro Monat. Das ist ein guter Abo-Preis für die im Creator Studio enthaltenen Profitools Final Cut und Logic Pro, aber vollkommen absurd für all jene, die einfach nur Pages, Keynote und Numbers ungestört weiterverwenden wollen.
Apple propagiert gerne, den Kunden das „bestmögliche Computing-Erlebnis“ bieten zu wollen. Bei der Software verabschiedet sich der Hersteller zusehends von diesem hehren Ziel. Und das allein für einen Tick mehr Umsatz mit Abo-Diensten. (lbe)
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CONTRA
Doppelte Apps! Hässlich! Abo-Falle! Als sich plötzlich zwei Versionen von Pages, Numbers und Keynote auf dem Mac fanden, waren viele Nutzer irritiert. Das Chaos hat aber praktische, technische Gründe: Mit den neuen Versionen hat Apple Universal-Apps eingeführt, die auf mehreren Plattformen funktionieren. Dadurch muss Apple künftig nur eine Version für iOS, iPadOS und macOS pflegen.
Den Vorwurf der „Zerstörung von Apples Office-Programmen“ halte ich für übertrieben. Ja, wer kein Creator Studio abonniert, bekommt ein wenig Werbung eingeblendet. Da bin ich aber Schlimmeres wie nervige Pop-up-Fenster oder täglichen E-Mail-Terror gewohnt. Apples Hinweise sind im Vergleich zur Konkurrenz dezent, sodass ich sie leicht ignorieren kann. Lila Buttons für Bildgenerator, Auflösungsverbesserung oder die kuratierte Mediathek, die nur Abonnenten nutzen können, lassen sich leicht aus der Symbolleiste verbannen. Alte Vorlagen funktionieren weiterhin. Und wer ohnehin stets mit den gleichen Dokumenten arbeitet, greift darauf zurück und lässt die mit Abo-Sternchen links liegen.
Immerhin muss sich der Nutzer nur entscheiden, ob er Geld fĂĽr ein paar Templates und ein wenig mehr KI-Funktionen ausgibt. Wer den KI-Krempel nicht braucht, muss ihn nicht bezahlen und verpasst derzeit nichts. Selbst wenn Apple die Abo-Funktionen in Zukunft ausbauen wird, decken Numbers, Pages und Keynote den Office-Grundbedarf fĂĽr die meisten Privatnutzer ab. AuĂźerdem lassen sich selbst mit einem kostenlosen iCloud-Account Dokumente im Browser bearbeiten oder mit anderen teilen.
Bei der Konkurrenz sieht das anders aus: Wenn man in Word nur ein Dokument speichern will, wird man schon in ein Microsoft-365-Abo genötigt. Die Apple-Apps bleiben hingegen auch ohne das Apple-Abo benutzbar – und das immerhin seit 2017! (hze)
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(lbe)