Vorstellung BMW i3: Die Neuerfindung des 3ers

BMW schlägt mit dem i3 ein neues Kapitel seiner 3er-Reihe auf. Technisch ist vieles vom iX3 bekannt, deshalb aber kaum weniger beeindruckend.

vorlesen Druckansicht 89 Kommentare lesen
BMW i3

(Bild: BMW)

Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das Duell, das eigentlich schon lange keines mehr ist, geht in eine neue Runde: Seit 1982 belauern sich Mercedes und BMW in der Mittelklasse. Damals bekam der BMW 3er, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1966 zurückreichen, den Mercedes 190 als Konkurrenten hinzu. In diesem Jahr stellen beide batterieelektrische Ausführungen von 3er und C-Klasse vor. Den Anfang macht der BMW i3, doch dieser Vorsprung dürfte nicht lange währen.

Seine äußere Erscheinung hat nichts von der optischen Leichtigkeit, die frühere Dreier-Generationen auszeichnete. Bullig und massiv ist sein Auftreten, insbesondere im Heckbereich. Die Niere ist nur noch zart angedeutet. Hinten ragen die Rückleuchten weit in die Kofferraumklappe hinein. Auch BMW hat sich die ausfahrenden Türgriffe nicht sparen wollen. Der Aerodynamik ist auch ein kleiner Spoiler über dem Hinterrad geschuldet. Insgesamt misst das Auto 4,76 m, der Radstand 2,9 m. Das sollte wahrlich reichen, um ein großzügiges Platzangebot offerieren zu können. Anders als bei Mercedes ist auch ein Kombi in Arbeit.

BMW i3: auĂźen (8 Bilder)

Der i3 bekommt eine andere Form als momentan noch aktuelle 3er mit Verbrenner. Der wird in diesem Jahr auch in diese HĂĽlle verpackt. (Bild:

BMW

)

Der i3 ist ein komplett neues Auto und wirkt dennoch gerade im Innenraum fast vertraut. BMW übernimmt das Armaturenbrett praktisch nahezu komplett aus dem iX3. Die Verantwortlichen zeigen dabei einigen Mut, denn zahlreiche Details sind grundlegend anders aufgebaut als in anderen Autos. Das Lenkrad trägt seine Speichen oben und unten, ein Kombiinstrument dahinter gibt es nicht. Stattdessen verbaut BMW unter der Windschutzscheibe eine schmale Leiste, die in Teilen konfiguriert werden kann. Das 17,9-Zoll-Display in der Mitte ist ein zum Fahrer hin gekipptes Parallelogramm. Zweifelsohne bricht all das mit vielen Konventionen, und die Flut an iX3-Bestellungen muss die Designer in ihrer Kühnheit bestätigen. Derart reichlich vorgetragene Forschheit wird polarisieren, und BMW geht hier ins volle Risiko.

Ein Display vor dem Beifahrer ist auch optional nicht vorgesehen. Anders als im Dreier mit Verbrenner, der in diesem Jahr mit einer umfangreichen Modellpflege ebenfalls in diese Verpackung gesteckt werden soll, lässt sich das Glasdach im i3 nicht öffnen – ganz so, wie es BMW in 5er und 7er seit ein paar Jahren handhabt. Ausgewählte Smartphones oder -watches lassen sich als Fahrzeugschlüssel einrichten und der Zugang, auf Wunsch auch zeitlich begrenzt, auf diese Art digital weiterreichen. So kann das Auto aus der Ferne verliehen werden. Das ist nur ein winziger Ausschnitt einer riesigen digitalen Spielwiese, die BMW über den App-Store ausrollen wird.

BMW i3: innen (7 Bilder)

Deutlicher als außen fällt der Bruch mit dem Gewohnten ... (Bild:

BMW

)

Keine Überraschungen gibt es auch bei Antrieb und Batterie. Der i3 kommt zunächst als „50 xDrive“ auf den Markt. Mit seinen 345 kW wird er mittelfristig weder das Top- noch das Einstiegsmodell sein. Vorn verbaut BMW einen Asynchronmotor, der sich, wenn er nichts zu tun hat, verbrauchsarm mitschleppen lässt. Hinten sitzt mit einem Synchronmotor der primäre Antrieb. Es folgen noch mindestens ein Modell ohne Frontmotor und auch das elektrische Gegenstück zum BMW M3 mit nochmals deutlich mehr Leistung.

Die Batterie hat nutzbar knapp 109 kWh Energiegehalt. In der Spitze kann mit bis zu 400 kW geladen werden. Das Ladestandsfenster zwischen 10 und 80 Prozent, immerhin 76 kWh mächtig, wird sich wie im iX3 in 21 Minuten schließen lassen – sofern die Ladeinfrastruktur Schritthalten kann. Die durchschnittliche Netto-Ladeleistung in diesem Bereich liegt damit bei fast 220 kW. BMW verspricht, dass sich in 10 Minuten mehr als 370 km WLTP-Reichweite nachladen lassen. Die maximale Reichweite soll bei rund 900 km liegen, das kommende Modell mit Hinterradantrieb dürfte nochmals darüber liegen. In der Praxis dürften auf der Autobahn ziemlich zuverlässig stets 500 km am Stück möglich sein, sofern der Fahrer nicht versucht, diese in (unter) drei Stunden zurückzulegen. In einigen Fahrprofilen wird der optionale 22-kW-AC-Lader den Alltag angenehmer machen.

Videos by heise

BMW nennt noch keine Preise, aber für das Startmodell rechnen wir mit rund 65.000 Euro. Das kommende Basismodell rutscht vermutlich unter 60.000 Euro, und BMW hat sich mit Sicherheit die Option geschaffen, die Baureihe notfalls mit deutlich geringerem Energiegehalt in der Traktionsbatterie nach unten zu erweitern. Denn das bleibt auch hier ein momentan noch entscheidender Kostentreiber, auch wenn die Preise je Kilowattstunde auf der Zellebene immer weiter sinken. Ausgeliefert wird der i3 ab Herbst 2026, im nächsten Jahr wächst die Baureihe um weitere Antriebe und den Kombi.

Das Startmodell mit 345 kW wird im Laufe des nächsten Jahres Unterstützung bekommen. Es folgen ein Kombi und weitere Antriebe.

(Bild: BMW)

Im Rennen mit Mercedes beweist BMW wieder einmal mehr gestalterischen Mut. Mercedes hält mit einer bewusst konservativen Aufmachung dagegen, ergänzt um Details wie ein Display für den Beifahrer oder ein Luftfahrwerk. Beides gibt es für den i3 nicht. So oder so: Die Mittelklasse wächst in diesem Jahr um zwei interessante Vertreter mit E-Antrieb, die beide in zumindest ähnlicher Form auch mit Verbrennungsmotor zu haben sind. Nun haben es die Kunden in der Hand.

(mfz)