Attacke auf Charlie Hebdo: EU sanktioniert iranische Staatshacker

Die EU-Staaten frieren Vermögenswerte eines Unternehmens aus dem Iran ein. Auch chinesische Gruppen nehmen sie wegen Angriffe auf vernetzte Geräte ins Visier.

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Europakarte, ĂĽber die ein Mesh gelegt ist

(Bild: Anterovium / Shutterstock.com)

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Die EU setzt ein Zeichen gegen staatlich gestützte Cyberkriminalität: Sie hat am Montag weitreichende Sanktionen gegen drei Organisationen sowie zwei Einzelpersonen aus dem Iran und China verhängt.

Im Zentrum der Maßnahmen steht die iranische Gruppe Emennet Pasargad, die für eine Cyberattacke auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo verantwortlich sein soll. Nachdem die Zeitschrift Karikaturen des damaligen obersten Führers des Iran veröffentlicht hatte, drangen die Angreifer in die Abonnentendatenbank ein und boten sensible Daten im Dark Web zum Verkauf an.

Über diesen Racheakt hinaus war die Emennet Pasargad laut dem EU-Rat an der Manipulation digitaler Werbetafeln beteiligt, die während der Olympischen Spiele 2024 in Paris zur Verbreitung von Desinformation missbraucht wurden. Auch an einem Angriff auf einen schwedischen SMS-Dienst soll die Firma beteiligt gewesen sein, was weitreichende Auswirkungen auf EU-Bürger hatte.

Parallel nimmt die EU chinesische Akteure ins Visier, die im großen Stil digitale Infrastrukturen unterwandert haben sollen. Die Integrity Technology Group soll technische Mittel geliefert haben, mit denen zwischen 2022 und 2023 mehr als 65.000 Geräte in sechs EU-Mitgliedstaaten gehackt wurden. Die Tarnfirma wird zudem mit der Spionagegruppe Flax Typhoon in Verbindung gebracht.

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Zugleich sanktioniert die EU nach Großbritannien das Unternehmen Anxun Information Technology (i-Soon) sowie die Mitgründer Chen Cheng und Wu Haibo. Vorwurf: gezielte Angriffe auf kritische Infrastrukturen und staatliche Funktionen in Europa, der Verkauf gestohlener klassifizierter Informationen als „Hack-for-Hire“-Dienstleistung. Die US-Justiz hatte bereits im März 2025 Anklage gegen Beteiligte dieses Netzwerks erhoben, da es im Auftrag chinesischer Sicherheitsdienste agiert haben soll.

Sämtliche Vermögenswerte der Betroffenen innerhalb der EU werden eingefroren. Bürgern aus der Gemeinschaft sowie dort ansässigen Firmen ist es untersagt, ihnen Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Für die natürlichen Personen gelten ferner strikte Einreise- und Durchreiseverbote für das gesamte Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten. Mit diesem Schritt, der im Rahmen der „Cyber Diplomacy Toolbox“ erfolgt, umfasst die Sanktionsliste nun insgesamt 19 Personen und sieben Organisationen. Die EU unterstreicht damit ihre Entschlossenheit, böswillige Cyberaktivitäten nicht länger unbeantwortet zu lassen und die eigene Sicherheit sowie die Integrität ihrer Partner besser zu schützen.

(vbr)