Fingerabdruck-Abgleich mittels Smartphone bei österreichischer Polizei

Mit normalen Smartphones erfassen österreichische Polizisten Papillarlinien verdächtiger Personen. Die Fahrt zur Dienststelle entfällt – meistens.

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Ein Polizist in Uniform, flankiert von zwei Herren in Anzügen, scannt mit seinem Handy die Hand eines dritten Herren in Anzug; im Hintergrund die rosafarbene Wand der Rossauer Kaserne in Wien-Alsergrund.

Biocapture-Präsentation vor der Rossauer Kaserne in Wien mit Bundeskriminalamtsdirektor Andreas Holzer (links hinten) und Innenminister Gerhard Karner (ÖVP; rechts vorne)

(Bild: BMI/Karl Schober)

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Zur Feststellung der Identität müssen Verdächtige in Österreich fortan ihre Hände unter ein Smartphone halten. Dessen Kamera erfasst die Hände und gleicht gleicht sie mit staatlichen Datenbanken voller Fingerabdrücke, Handabdrücke und Handflächenspuren ab. Das ermöglicht die in Österreich entwickelte Software Biocapture.

Eingesetzt wird Biocapture dann, wenn sich die Person nicht ausweisen kann und auch auf andere Weise nicht eindeutig identifiziert werden kann, sagt das österreichische Innenministerium. Die Fahrt zur Polizeidienststelle zwecks Abnahme von Fingerabdrücken entfällt, wenn nach der beamtshandelten Person doch nicht gefahndet wird. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach bei der Präsentation Biocaptures am Montag von einer "kleinen internationalen Sensation", weil Österreich das erste Land mit Technik zum berührungslosen Scannen von Fingerabdrücken mittels üblicher Smartphones sei.

Feldtests laufen seit August. Aktuell ist Biocapture auf zirka 600 Polizistenhandys installiert, bis Jahresende sollen es alle Beamte nutzen. "Bei 643 Kontrollen wurden 170 Treffer im AFIS-System erzielt und mehrere gesuchte Personen trotz falscher Angaben identifiziert", berichtete Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts. "Es konnte auch ein mutmaßlicher Drogendealer ausgeforscht und festgenommen werden."

AFIS steht für Automationsunterstütztes Fingerabdruck Identifizierungs-System. Es enthält Fingerabdrücke, Handabdrücke und Handflächenspuren Straffälliger, Verdächtiger, von Tatorten sowie aller Asylwerber. Österreich hat sein AFIS als eines der ersten Länder im Jahr 1991 in Betrieb genommen und ist seit 2019 an das internationale Schengen Information System AFIS angebunden. Schon seit 2017 gibt es eine direkte Verbindung mit dem FBI. Biocapture soll ab kommendem Jahr auf Datenbanken zahlreicher anderer europäischer Staaten zugreifen.

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Biocapture wird seit 2019 vom Austrian Institute of Technology (AIT) entwickelt, in Kooperation mit dem österreichischen Innenministerium, der Wiener T3K-Forensics GmbH, der Universität Salzburg, der Agentur für europäische Integration und wirtschaftliche Entwicklung (AEI), der deutschen Secunet Security Networks AG sowie der Eidgenössischen Zollverwaltung. Das Geld dafür kommt von der Europäischen Union sowie dem österreichischen Verkehrsministerium. Nun soll Biocapture international vermarktet werden; diverse Sicherheitsbehörden haben laut österreichischem Innenministerium bereits Interesse bekundet.

(ds)