RCS 4.0 rückt mit neuen Funktionen näher an WhatsApp & Co. heran
Der Branchenverband GSMA hat das RCS Universal Profile 4.0 finalisiert. Die neue Version verspricht native Videoanrufe, Rich-Text-Formatierung und mehr.
RCS wird besser – bald.
(Bild: Tada Images / Shutterstock.com)
Der Branchenverband GSMA hat die Spezifikation des nächsten Rich Communication Services (RCS) Universal Profile finalisiert. Das RCS Universal Profile 4.0, wird vom Verband als das bisher „umfassendste Update“ bezeichnet und bringt mehrere neue Funktionen für Nutzerinnen und Nutzer, die „Videos und ausdrucksstärkere Texte in den Mittelpunkt ihrer Unterhaltungen mit Freunden oder der Familie sowie ihrer Interaktionen mit Unternehmen rücken“. Mit dem Update rückt das Messaging-Protokoll hinsichtlich des Funktionsumfangs ein wenig näher an WhatsApp & Co. heran.
Laut der GSMA-Ankündigung bringt die neue RCS-Version mehrere Neuerungen, darunter native Videoanrufe in Chats, umfangreichere Textformatierungsmöglichkeiten und eine verbesserte Medienfreigabe.
Videoanrufe
In puncto Videoanrufen wird es künftig möglich sein, sogenannte „Messaging-Initiated Video Calls“ (MIVC) durchzuführen. Das heißt, dass Nutzer von RCS-Einzel- oder Gruppenchats direkt darin einen Videoanruf mit dem Gegenüber innerhalb der RCS-kompatiblen App ausführen können. Zurzeit müssen RCS-Nutzer für Videoanrufe auf eine andere App wie WhatsApp, Google Meet oder FaceTime wechseln. Weiter heißt es, dass RCS künftig auch Unterstützung für ein „spätes Beitreten“ bietet. Das heißt, dass Gruppenmitglieder auch später zu einem laufenden Anruf hinzustoßen können.
Mit RCS 4.0 hält außerdem Unterstützung für Rich-Text-Formatierungen Einzug, sodass sich in Nachrichten beispielsweise Fett- oder Kursivschrift verwenden lassen. Universal Profile 4.0 soll auch eine Abwärtskompatibilität durch klar definierte Ausweichlösungen gewährleisten. Unter anderem sollen sich Nachrichten unformatiert lesen lassen, wenn eine RCS-Nachricht auf SMS zurückgreifen muss.
Videos by heise
Höhere Medienqualität
Außerdem spricht die GSMA von einer verbesserten Übertragungsqualität von Fotos, Videos und Audiodateien. Die Geräte wählen unter RCS 4.0 das beste Format, das beide Seiten unterstützen, um eventuelle Komprimierungsprobleme zu vermeiden. Besonders für den Business-Einsatz sind weitere Neuerungen gedacht: Beispielsweise soll RCS 4.0 das Streamen von Videos in Nachrichtenkarten unterstützen, um nicht auf den Download warten zu müssen; auch soll RCS eine bessere Kontrolle darüber liefern, wie Links geöffnet werden.
Mit dieser Lösung soll sichergestellt werden, dass Nutzer für einfache Vorgänge wie das Anzeigen einer Speisekarte in der Messaging-App bleiben, während sie für komplexere Vorgänge wie Zahlungen zu einer speziellen App weitergeleitet werden können.
Dauert noch
Bis die neuen Funktionen des RCS Universal Profile 4.0 in Messaging-Apps wie Googles oder Apples Nachrichten-Apps bereitstehen, dürfte es noch eine ganze Weile dauern. Bislang ist noch nicht einmal Universal Profile 3.0 in vollem Umfang verfügbar. Das Universal Profile 3.0 wurde im März 2025 finalisiert und enthält unter anderem Unterstützung für native End-to-End-Verschlüsselung (E2EE). Dieses Feature befindet sich bei Apple und Google immer noch in der Testphase, seitens Apple heißt es, dass RCS mit E2EE „in einem späteren Softwareupdate“ erscheinen soll.
Überdies sind an der Umsetzung nicht nur die Entwickler der entsprechenden Apps und Betriebssysteme involviert, sondern auch die Netzbetreiber. Vor 2027 dürfte es mit RCS 4.0 also nichts werden.
(afl)