KI-Chip-Start-ups: Die meisten verschwinden bis 2030

Von derzeit 99 auf nur noch 25 soll die Anzahl der Firmen schrumpfen, die spezialisierte KI-Prozessoren entwickeln, prognostiziert JPR.

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PCI-Express-Modul Raspberry PI AI HAT+ 2 mit KI-Prozessor Hailo-10H

PCI-Express-Modul Raspberry PI AI HAT+ 2 mit KI-Prozessor Hailo-10H

(Bild: Raspberry Pi)

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Die KI-Chip-Euphorie ist bereits ein wenig abgeflaut und mittelfristig drohen viele Enttäuschungen, meinen die Marktforscher von Jon Peddie Research. Nach Schätzmodellen steckten Investoren seit dem Jahr 2000 knapp 29 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von KI-Chips, oft bei Start-up-Firmen. Die meisten davon werden aber bald verschwinden, prognostiziert JPR.

Zum Vergleich verweisen die Marktforscher auf die historische Entwicklung bei 3D-Grafikchips, die heute nur noch sehr wenige Firmen entwickeln.

Im ersten Quartal 2026 zählte Jon Peddie Research (JPR) insgesamt 135 Firmen, die KI-Prozessoren entwickeln. 36 davon sind börsennotierte Unternehmen wie Nvidia, AMD, Google, Amazon AWS, Qualcomm, Tesla, Meta, Microsoft, Broadcom oder Marvell.

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Die große Mehrheit der KI-Chipentwickler, nämlich 99 Firmen, sind hingegen Start-ups. Die meisten arbeiten an spezialisierten KI-Beschleuniger für bestimmte Anwendungen oder Einsatzbereiche. Beispiele sind Tenstorrent, Cerebras, SambaNova, Groq, Esperanto, Mythic, Hailo, Q.Ant, Taalas.

Einige davon streben Börsengänge an, derzeit etwa Cerebras und Hailo. Mehrere wurden von anderen Unternehmen übernommen, etwa Groq von Nvidia und Graphcore von SoftBank.

JPR erwartet, dass 2030 – also in vier Jahren – nur noch etwa 25 Entwickler spezialisierter KI-Chips übrig sind. „Viele Start-ups und deren Geldgeber werden enttäuscht“, schätzt JPR-Chef Dr. Jon Peddie. Der gigantische Erfolg von Nvidia locke viele Firmen und Investoren an, aber es sei nicht leicht, vom KI-Markt zu profitieren.

Andere Experten verweisen darauf, dass viele KI-Entwicklerfirmen den Aufwand für die Bereitstellung konkurrenzfähiger Software unterschätzen, die das Potenzial der jeweiligen Chips überhaupt erst praktisch nutzbar macht.

JPR unterscheidet fünf wesentliche Marktsegmente für KI-Prozessoren: KI-Training, KI-Inferenz in der Cloud, KI auf Smartphones, Tablets, Notebooks und PCs, KI im Internet of Things (inklusive Spielzeuge, wohl auch „Edge AI“) und autonome Systeme wie Roboter und Autos.

Dafür bieten die von JPR erfassten Firmen nicht nur komplette Chips an, sondern auch KI-Rechenwerke in Form von IP-Kernen (Intellectual Property Cores) zur Integration in andere Chips.

JPR betont, dass sich der große chinesische Markt zunehmend abkoppele, weil dortige Firmen wie Alibaba, Baidu, Huawei, Cambricon oder Moore Threads jeweils eigene Chips entwickeln. Folglich könnten US-Firmen weniger Chips nach China verkaufen und gerieten in anderen Ländern unter Druck durch die chinesischen Konkurrenten.

(ciw)