Neue 5G-Frequenzen in Ă–sterreich versteigert
Frequenzen im Bereich 2600 MHz und erstmals 2300 MHz werden den österreichischen Mobilfunkern zugeteilt. Der Preis sinkt ordentlich.
(Bild: Daniel AJ Sokolov)
39,4 Millionen Euro hat eine Versteigerung von Funkfrequenzrechten für Mobilfunkdienste in Österreich eingebracht. Die 2010 versteigerten Nutzungsrechte im Bereich um 2600 MHz laufen zum Jahresende aus, was die Neuvergabe erforderlich macht. Zusätzlich hat die Regulierungsbehörde TKK (Telekom-Control-Kommission) erstmals den ungepaarten Frequenzblock von 2300 bis 2360 MHz zugeteilt.
Die erlöste Geldsumme ist fast exakt so hoch wie die 39,5 Millionen Euro des Jahres 2010 (Az. F4/08). Allerdings ist diesmal mehr Frequenzspektrum unter den Hammer gekommen, und das für wesentlich längere Laufzeiten, sodass der Preis pro Megahertz und Bandbreite und Jahr deutlich gefallen ist. Einerseits gibt es inzwischen nur mehr drei flächendeckende Mobilfunknetzbetreiber in Österreich, während 2010 noch vier geboten haben.
Andererseits war die Maximierung des Erlöses ausdrücklich kein Ziel des am Freitag zu Ende gegangenen Vergabeverfahrens (Az. F2/24). Stattdessen sollten dadurch Effizienz der Frequenznutzung, Wettbewerb, innovative Geschäftsmodelle, sowie Mobilfunkversorgung hinsichtlich Abdeckung und Qualität gefördert werden.
Das Ergebnis
Den erstmals vergebenen 2300-Mhz-Block hat sich Magenta (T-Mobile Austria) gesichert. Für die 60 MHz zahlt die Tochter der Deutschen Telekom 4,2 Millionen Euro. Denselben Preis bezahlt Drei (Hutchison Drei Austria) für 50 MHz ungepaartes Spektrum, wovon aber nur die 40 MHz von 2575 bis 2615 MHz frei nutzbar sind. Die Hälfte davon hat Drei bereits 2010 inne, die andere Hälfte muss A1 (Telekom Austria) zum Jahresende räumen. Der günstigere Preis könnte unter anderem daran liegen, dass mehrere Nachbarländer Österreich dieses Spektrum für Luftwaffenzwecke nutzen und so in Grenznähe Störungen auslösen könnten, Einfluss gehabt haben.
Videos by heise
Bei den gepaarten Frequenzen im Bereich von 2600 MHz gibt es nur eine kleine Defragmentierung der Nutzungsrechte, die zugeteilte Bandbreite bleibt gegenüber dem aktuellen Stand unverändert. A1 und Drei erhalten je 2x25 MHz zum Preis von je gut elf Millionen Euro, Magenta zahlt für seine 2x20 MHz knapp neun Millionen Euro. Die 2600-MHz-Rechte laufen mindestens bis 2046, vielleicht aber auch bis 2050 oder gar 2055. Letzteres wäre dann der Fall, wenn sich Funktechnik und regulatorische Vorgaben für Zeitduplex-Betrieb (TDD) bis Ende 2042 positiv entwickeln, sich die Netzbetreiber auf Umschichtung ihrer Frequenzrechte einigen und spätestens 2046 tatsächlich TDD in Betrieb nehmen.
2010 hat noch Orange Austria (vormals One) 2x10 MHz ergattert. Doch Anfang 2013 ĂĽbernahm Drei den Mobilfunk-Mitbewerber Orange. Noch am selben Tag reichte Drei die Orange-Diskonttochter Yesss an MarktfĂĽhrer A1 weiter. Die 2600-Mhz-Frequenzrechte Oranges wurden dabei zwischen A1 und Drei geteilt.
Versorgungsauflagen
Die gepaarten Frequenzblöcke muss jeder Netzbetreiber spätestens Ende 2029 an 1.400 Sendestandorten verwenden, ab Ende 2032 an 1.600 Standorten und ab Ende 2036 an 2.000 Standorten. Sowohl Drei als auch Magenta müssen die ungepaarten Frequenzen spätestens Ende 2029 an jeweils 250 Standorten nutzen, Ende 2032 an mindestens 600 Standorten und ab Ende 2036 an 1.000 Standorten. Die ungepaarten Blöcke werden in aller Regel für den Downlink (vom Mobilfunknetz zum Endgerät) eingesetzt.
Eine Reihe von TKK-Bescheiden zeigt, dass Österreichs Mobilfunker ihre Versorgungsauflagen nicht immer lückenlos einhalten. Im Multiband-Vergabeverfahren des Jahres 2020 (Az. F1/16) wählte jeder Betreiber bestimmte, unterversorgte Katastralgemeinden aus, die er bis 2022 abzudecken gelobte. Keiner der drei Mobilfunker hat das zur Gänze geschafft. Den größten Rückstand hat Marktführer A1, der laut Bescheiden aus dem heurigen Jahr 33 der 349 selbst gewählten Gemeinden nicht hinreichend versorgt (Az. F 4/23, F3/24, F3/25). Daher soll A1 1,32 Millionen Euro Pönale entrichten.
(ds)