Amazon baut Satellitennetzwerk durch Globalstar-Übernahme aus
Amazon übernimmt den Satellitenkommunikationsanbieter Globalstar, der zu 20 Prozent Apple gehört. Damit beschleunigt Amazon seine Leo-Satellitenpläne.
Amazon Leo verleibt sich Globalstar ein.
(Bild: Amazon)
Amazon und Globalstar haben am heutigen Dienstag bekanntgegeben, eine endgültige Fusionsvereinbarung geschlossen zu haben. Danach will Amazon den Satellitenkommunikationsanbieter Globalstar für bis zu 11 Milliarden US-Dollar übernehmen. Mit dieser Übernahme könne Amazon sein Leo-Satellitennetzwerk in der erdnahen Umlaufbahn um Direct-to-Device-Dienste (D2D) erweitern und die Mobilfunkabdeckung auf Kunden ausweiten, die sich außerhalb der Reichweite terrestrischer Netze befinden, erklärt Amazon.
Überdies wird Amazon den zu übernehmenden Satellitendienst, der zu 20 Prozent Apple gehört, künftig weiterhin für iPhones ab iPhone 14 und die Apple Watch Ultra 3 bereitstellen, darunter auch „Emergency SOS“ über Satellit. Entsprechende Übernahmegerüchte kursieren seit Anfang April.
Direct-to-Device
Laut Amazons Pressemitteilung übernimmt der Konzern damit die bestehenden Satelliten, die Infrastruktur und die Vermögenswerte von Globalstar, einschließlich der Mobile-Satellite-Services-Frequenzlizenzen (MSS) mit weltweiten Genehmigungen. „Durch die Kombination der Frequenzen und der etablierten MSS-Kapazitäten von Globalstar mit der Größe, Leistungsfähigkeit und Reichweite von Amazon Leo wird Amazon in der Lage sein, Verbrauchern, Unternehmen und Behörden weltweit eine lückenlose Konnektivität zu bieten – ganz gleich, ob diese in abgelegenen Gebieten leben oder arbeiten oder sich einfach nur innerhalb und außerhalb herkömmlicher Mobilfunknetze bewegen“, erklärt Amazon.
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Ab 2028 plant Amazon Leo sein eigenes Direct-to-Device-Satellitensystem (D2D) in Betrieb zu nehmen, mit dem Amazon eigene Sprach-, Daten- und Messaging-Dienste für Mobiltelefone und andere Mobilfunkgeräte bereitstellen möchte. Laut Amazon soll das Leo-D2D-System „eine deutlich höhere Frequenznutzung und Effizienz bieten als herkömmliche Direct-to-Cell-Systeme“, dies soll für Kundinnen und Kunden höhere Geschwindigkeiten und bessere Leistung bedeuten.
Das System soll sich zudem nahtlos in Amazons Leo-Systeme der ersten und zweiten Generation integrieren und so ein leistungsstarkes, einheitliches Netzwerk bilden, das feste und mobile Satellitendienste kombiniert, um eine breite Palette von Kunden und Anwendungsfällen zu unterstützen. Langfristig soll das Amazon-Leo-Netzwerk aus Tausenden Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn bestehen und „über genügend Kapazität verfügen, um Hunderte Millionen von Kundenendpunkten weltweit zu versorgen“.
Konkurrenz zu Starlink
Im Vergleich zu Musks Starlink ist Amazons Leo zusammen mit dem Globalstar-Satellitennetzwerk immer noch vergleichsweise überschaubar: Globalstar verfügt über etwa 50 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn, Amazon hat rund 200 Satelliten ins All geschossen, in den kommenden Jahren soll die Konstellation auf mehrere tausend anwachsen. Starlink hat seit 2019 mehr als 10.000 Satelliten ins All geschossen, davon aber nur 650 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn.
Hinsichtlich der Übernahmemodalitäten können Globalstar-Aktionäre vor Abschluss der Transaktion für jede von ihnen gehaltene Globalstar-Stammaktie wählen, ob sie entweder 90 US-Dollar in bar oder 0,3210 Amazon-Stammaktien mit einem Wert von höchstens 90 US-Dollar pro Aktie erhalten möchten. Dabei besteht ein Limit bei der Barwahl auf maximal 40 Prozent der gesamten Globalstar-Aktien; überschüssige Barzahlungen werden automatisch anteilig in Aktien umgewandelt. Falls Globalstar bestimmte operative Meilensteine nicht erreicht, könnte der Übernahmepreis um 110 Millionen US-Dollar sinken.
Amazon zufolge haben Globalstar-Aktionäre, die etwa 58 Prozent der gesamten Stimmrechte halten, der Transaktion schriftlich zugestimmt. Der Abschluss der Transaktion wird für 2027 erwartet.
(afl)