Bericht: 2,5 Millionen Tonnen CO2 durch D-Ticket eingespart – Kritik vom VDV
Ein Gutachten attestiert dem Deutschlandticket große Erfolge. Es hat jedoch Potenzial für mehr. Kritik zur Veröffentlichung kommt von den Verkehrsbetrieben.
(Bild: Firn / Shutterstock.com)
- Andreas Floemer
- mit Material der dpa
Das Deutschlandticket hat im Jahr 2024 Berechnungen zufolge zu CO₂-Einsparungen von rund 2,5 Millionen Tonnen im Verkehrssektor geführt. Das geht aus einem Zwischenbericht zur „Evaluation Deutschlandticket“ hervor, den mehrere Forschungsinstitute im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellt haben. Ausgewertet wurde dabei unter anderem auf Basis von Umfragen, wie viele Autokilometer seit Einführung des Tickets durch Bus und Bahn ersetzt wurden.
Etwa 12 bis 20 Prozent der mit dem Deutschland-Abo gemachten Fahrten wären demnach ohne das Ticket mit dem Auto zurückgelegt worden, haben die Institute ermittelt. Das entspricht etwa 2,5 Millionen Tonnen CO₂ beziehungsweise drei Prozent der durch den privaten Pkw-Verkehr entstandenen Gesamtemissionen in jenem Jahr, die auf diese Weise eingespart worden seien.
„Die sich in den laufenden Erhebungen abzeichnenden Werte für das gesamte Jahr 2025 liegen sehr nahe an den bisherigen Ergebnissen“, heißt es in dem Bericht mit Blick auf das vergangene Jahr. „Diese werden im nächsten Zwischenbericht dargestellt.“
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Rund 14,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer
Das Deutschlandticket wurde im Mai 2023 eingeführt und ermöglicht bundesweit Fahrten in Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs. Nach mehreren Preiserhöhungen kostet das Abo inzwischen 63 Euro pro Monat. Es kann jeweils zum Monatsende gekündigt werden.
Dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge gab es Anfang dieses Jahres rund 14,6 Millionen Abo-Inhaber. Dem Zwischenbericht zufolge nutzt rund jeder fünfte Einwohner in Deutschland das Deutschlandticket. Das waren demnach knapp eine Million Abonnentinnen und Abonnenten mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Um spürbarer zur Verkehrsverlagerung beizutragen, sind aus Sicht des Verbands aber rund 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer nötig.
Die Gutachter sprechen in ihrem Gutachten von zusätzlichem Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandticket-Nutzern. „Diese könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden“, heißt es.
„Das Deutschlandticket verbessert die Mobilität verschiedener Nutzergruppen, vor allem für Menschen mit geringerem Einkommen“, heißt es in dem Zwischenbericht. „Durch die einfache und trotz erfolgter Preiserhöhungen noch immer relativ kostengünstige Nutzung des ÖPNV wird eine etwas verbesserte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht.“
Kritik vom VDV
Kritik zur Veröffentlichung des Zwischenberichts zum Deutschlandticket kommt aus den Reihen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). So seien die Ergebnisse über ein halbes Jahr alt und werfen Fragen auf.
„Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver. Denn man hat zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden“, sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Zudem hält der VDV fest, dass die Ergebnisse der Evaluation mehr als sechs Monate alt und aus Sicht des Verbands an entscheidender Stelle unzutreffend seien. Denn das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschlandticket stelle man anhand der Verkaufszahlen nicht fest. „Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit schlechter wird. Deshalb gibt es seit Monaten kaum Zuwachs beim Deutschlandticket.“ Auf LinkedIn erweitert der VDV die Mitteilung mit dem Satz: „Ohne, dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreift, werden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben.“
Ferner sei der VDV überrascht, dass das Bundesverkehrsministerium „ein konsequentes Marketing für das Deutschlandticket ins Spiel“ bringe, jedoch sei der Bund, ebenso wie bei der gemeinsamen Marktforschung, schon vor über einem Jahr aktiv aus einer bundesweiten Kampagne ausgestiegen und habe diese damit „de facto beendet“.
(afl)