Mercedes C-Klasse EQ vorgestellt: Das Elektroauto fĂŒr die Langstrecke

Mercedes prÀsentiert die elektrische C-Klasse mit bis zu 760 km Reichweite, Allradantrieb und 360 kW Leistung. Ein starkes Paket.

vorlesen Druckansicht 169 Kommentare lesen
Mercedes C-Klasse EQ

(Bild: Mercedes)

Lesezeit: 5 Min.
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Nie war er unwichtiger als in einem Elektroauto, und dennoch holt Mercedes ausgerechnet einen riesigen KĂŒhlergrill aus der Kiste, um die neue Generation von Elektroautos in ein fĂŒr die Marke typisches Bild zu setzen. Wie das global von der jeweiligen Zielgruppe aufgenommen wird, muss sich zeigen. Technisch aber hat Mercedes keinen Stein auf dem anderen gelassen. Die elektrische C-Klasse verspricht ein hervorragendes Elektroauto zu werden.

Mercedes C-Klasse EQ außen (5 Bilder)

Mercedes fÀhrt in der Mittelklasse eine Doppelstrategie: Das Elektroauto steht auf einer eigenstÀndigen Basis, die bisherige Verbrenner-Plattform wird weiterhin genutzt. (Bild:

Mercedes

)

Die technischen Eckdaten sind aus dem GLC EQ schon bekannt. Zum Start gibt es zunĂ€chst nur ein Allradmodell mit 360 kW und 800 Nm. 4,1 Sekunden sollen genĂŒgen, um aus dem Stand 100 km/h zu erreichen. An der Hinterachse verbaut Mercedes ein Zweigang-Getriebe. Das soll einerseits die extreme Beschleunigung im unteren Geschwindigkeitsbereich sicherstellen, andererseits die Effizienz auf der Autobahn verbessern helfen. Im kleineren CLA EQ geht die Marke den gleichen Weg, konnte meinen Kollegen Clemens im Test allerdings nicht vollstĂ€ndig ĂŒberzeugen.

Im WLTP gibt Mercedes eine Reichweite von 760 km an. Mehr als 800 km sollen es mit einer C-Klasse sein, die nur hinten einen Motor hat und im kommenden Jahr das Angebot ergÀnzen wird. Ohnehin ist davon auszugehen, dass Mercedes sowohl bei den Antrieben als auch bei den Batterien nachlegen wird. Vorstellbar ist, dass es ein Basismodell mit rund 70-kWh-Batterie und ein Topmodell mit deutlich mehr als 400 kW Leistung geben könnte. Beides kommentieren die Verantwortlichen nicht.

Mercedes C-Klasse EQ innen (6 Bilder)

Der schöne alte Begriff Armaturenbrett bekommt langsam wieder eine Bedeutung: Mercedes verbaut eine beeindruckende - oder doch eher einschĂŒchternde? - Display-Landschaft. (Bild:

Mercedes

)

Das Startmodell C 400 4Matic bekommt eine Batterie mit 94,5 kWh netto mit auf den Weg. Der Verbrauch im Zyklus wird mit 14,1 bis 18,5 kWh angegeben. In der Spitze kann mit bis zu 330 kW geladen werden, nach 10 Minuten soll unter idealen Bedingungen Strom fĂŒr 320 km im kombinierten WLTP nachgeladen sein. Von 10 auf 80 Prozent Ladestand geht es in 22 Minuten, sofern die Batterie entsprechend vortemperiert ist und die Ladeinfrastruktur mithalten kann. LadesĂ€ulen mit mehr als 300 kW sind schließlich nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Aus den Angaben ergibt sich unter idealen Bedingungen zwischen 10 und 80 Prozent eine durchschnittliche Nettoladeleistung von rund 180 kW. Damit liegt Mercedes nicht an der Spitze, allerdings sollte man die aktuellen VerhĂ€ltnisse einmal in erwartbare Zahlen fĂŒr die Praxis gießen: Wer mit voller Batterie startet, bis 10 Prozent runterfĂ€hrt und dann auf 80 Prozent lĂ€dt, kann auf der Autobahn mit mehr als 700 km rechnen, sofern er nicht versucht, diese in 4 Stunden zu absolvieren und auf dieser Distanz eine Pause von 22 Minuten akzeptiert. Ich denke, damit sind VerhĂ€ltnisse geschaffen, die fĂŒr fast alle Nutzungsprofile ausreichend sind.

In CLA und GLC hat Mercedes fĂŒr die Entscheidung, Laden an DC-SĂ€ulen mit 400 Volt nur gegen Aufpreis zu ermöglichen, eine Menge Kritik auf sich gezogen. Vorerst scheint es auch bei der C-Klasse dabei zu bleiben. An Wechselstrom kann serienmĂ€ĂŸig mit 11 kW geladen werden, gegen Aufpreis auch mit 22 kW. In einigen Szenarien, etwas wĂ€hrend eines Schwimmbadbesuchs, ist das immer wieder ziemlich praktisch.

Mercedes C-Klasse EQ Technik (4 Bilder)

In vielen Elektroautos mit Allradantrieb sitzt vorn ein Asynchronmotor. Mercedes setzt dagegen auf zwei Synchronmotoren. Hinzu kommt ein Zweigang-Getriebe an der Hinterachse. (Bild:

Mercedes

)

SelbstverstĂ€ndlich belĂ€sst es Mercedes nicht bei einem weitreichenden, modernen Antrieb. Das Betriebssystem MB.OS bekommt eine leistungsstarke Hardware an die Seite gestellt, die fĂŒr etliche Jahre genug Power mitbringen soll, um auch kĂŒnftige Aufgaben abarbeiten zu können. Einige Assistenten werden sich nachtrĂ€glich buchen lassen, darunter ein proaktiver Spurwechsler, eine besondere Kameraperspektive zum Schutz der Felgen und ein Assistent, der Fahren im Stadtverkehr sicherer machen soll.

Videos by heise

Wie im CLA ist der hintere Kofferraum mit 470 Litern angesichts der Ă€ußeren Abmessungen nicht allzu ĂŒppig dimensioniert. DafĂŒr fasst das Fach unter der vorderen Haube immerhin 101 Liter. Ein Radstand von 2,96 m sollte ein vorzĂŒgliches Platzangebot im Innenraum ermöglichen, das jenes in der C-Klasse mit Verbrennungsmotor deutlich ĂŒbertrifft.

Die C-Klasse wird als Elektroauto keinen leichten Stand haben. Der darunter platzierte CLA EQ kann Ă€hnlich schnell laden und wird auch als Kombi angeboten. Das ist bei der C-Klasse nicht geplant. Ab 2027 ist mit einer elektrischen E-Klasse zu rechnen, die dann nochmals luxuriöser ausfallen muss – ohne den gerade ĂŒberarbeiteten EQS die letzten Kunden zu nehmen. Konkurrenz von außerhalb bekommt die C-Klasse unter anderem durch den neuen BMW i3 (Neue Klasse, Marktstart Herbst 2026), der mit bis zu 900 km Reichweite und bis zu 400 kW Ladeleistung punktet.

Mercedes hat sich vorab noch nicht zum Preis des C 400 EQ 4Matic geĂ€ußert. Mit rund 65.000 Euro darf aber wohl gerechnet werden.

(Bild: Mercedes)

Nicht vergessen werden darf außerdem, dass die C-Klasse mit Verbrennungsmotor ebenfalls eine Modellauffrischung bekommt. Mercedes fĂ€hrt in der Mittelklasse, wie BMW, ein paar Jahre doppelgleisig. Damit haben es auch die Kunden in der Hand, wie rasch sich der Wandel bei der Fahrenergie vollzieht. Die erste EinschĂ€tzung dieser Vorstellung: Mercedes hat mit der C-Klasse EQ ein Paket vorgelegt, das das Zeug hat, viele Skeptiker zu ĂŒberzeugen. Und das hĂ€tte vermutlich auch ohne riesigen KĂŒhlergrill geklappt.

(mfz)