Kommentar zum Wechsel an der Apple-Spitze: Danke, Tim Cook, hallo John Ternus
Es kam, wie erwartet: Tim Cook wird mit 65 zum Chef des Apple-Bords, Hardwareboss John Ternus wird CEO. Was das fĂĽr Apple und die Nutzer bedeutet.
Wechsel in voller Fahrt: Apples neuer Chef John Ternus.
(Bild: Apple)
Es ist vollbracht: Was die Spatzen im Silicon Valley seit vielen Monaten vom Dach pfiffen, hat Apple nun offiziell umgesetzt: Der langjährige Hardware-Manager John Ternus übernimmt den CEO-Job von Tim Cook. Zum 1. September wird der seit 2011 amtierende Apple-Chef Cook, der im vergangenen Jahr 65 geworden ist, an den Engineering-Boss übergeben und gleichzeitig auf das Amt des Executive Chairman, einer Art Aufsichtsratsvorsitzender im Board of Directors, wechseln. Es ist eine notwendige Verjüngung an der Konzernspitze des iPhone-Produzenten, denn Ternus ist mit 50 für Apples Managementverhältnisse geradezu ein Junior.
Geschickte Rochade
Die Rochade an der Spitze heißt, dass Apple Cooks Wissen – und Einsatz mit Außenwirkung – weiter nutzen kann, während Ternus seine eigene Vision umsetzt. Der Konzern betonte in seiner Ankündigung, dass Cook dem Unternehmen unter anderem bei der Beziehungspflege zu politischen Entscheidungsträgern erhalten bleibt. Er ist damit quasi Apples Chefdiplomat, was in den aktuellen Zeiten so wichtig ist wie selten, sei es aufgrund der Trump-Zölle oder dem Regulierungsdruck auf den App Store.
Auch die zweite Personalie vom Montag setzt ein bedeutsames Zeichen: John Srouji, der Apple als oberster Chipboss zur Technikführerschaft mit den A- und M-SoCs gebracht hat, übernimmt von Ternus als Hardware-Engineering-Leiter. Er bekommt dafür sogar einen neuen Titel, den es so bei Apple noch nicht gegeben hatte: Chief Hardware Officer. Damit sind die Ängste, dass Srouji Apple verloren gehen könnte, hoffentlich verflogen.
Was die Ära Ternus bedeutet
Nun also beginnt die Ära John Ternus. Doch was heißt das konkret? Zunächst einmal müssen sich Apple-Kunden keine Sorgen machen, dass jetzt alles umgeworfen wird, was gut läuft. Ternus ist seit 2001 bei Apple (sein erster Job war interessanterweise das Apple Cinema Display) und wurde von Cook in den vergangenen Jahren schrittweise in die hohe Kunst der Unternehmenslenkung eingearbeitet.
Da kommt also niemand, der den Laden nicht kennt und jetzt die Abrissbirne herausholt. Gleichzeitig durfte Ternus schon seit Jahren mehr und mehr eigene Zeichen setzen, was bereits daran zu sehen war, wie oft er zuletzt bei Apple-Präsentationen, den berühmten Keynotes, präsentierte. Als Senior Vice President for Hardware Engineering prägte er viel von dem, wofür Apple steht, ohnehin schon lange. Sei es das iPhone, der Mac mini oder das iPad, in allem steckt auch Ternus. Nur, dass er als CEO nun noch mehr bewirken kann.
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Die Tatsache, dass Ternus als Ingenieur ein Produktmensch ist, sollte Apple-Nutzer zudem erfreuen. Cook gilt zwar als Operations-Genie, der Apples Lieferkette zur Königin der IT-Herstellung gemacht hat. Der gelingt es jedes Jahr wie am Schnürchen, mehr als 100 Millionen iPhones in hochpräziser Qualität auf den Markt zu bringen. Doch den Posten als „Chefredakteur“, den Jobs dereinst als oberster Geschmackswärter innehatte, wollte er nie übernehmen.
Apple-Insider und frisches Blut in einem
Wie die Geräte innen (und zuletzt auch außen) aussahen, entschied prägend Ternus, zusammen mit anderen wichtigen Managern. Das wird er auch weiter machen, jetzt aber in oberster Instanz.
Das könnte auch ein Befreiungsschlag sein, Apple wieder innovativer zu machen. Und dabei hoffentlich dafür zu sorgen, dass einiges wieder schneller geht. Dass man etwa seit sechs Jahren auf den Nachfolger des HomePod mini warten muss, Verbesserungen bei HomeKit unterblieben sind oder die kontextsensitive KI-Siri weiterhin fehlt, dürfte auch mit Cooks recht konservativem und auf Konsens ausgelegtem Managementstil zu tun gehabt haben. Hoffen wir, dass Ternus hier eher auf den Tisch haut. Er könnte, wenn es gut geht, die ideale Mischung aus langjährigem Apple-Insider und frischem Blut sein. Das hat Cook schlau eingefädelt.
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(bsc)