Signal-Angriffs-Warnung: Zweite Frau im Staat wohl Auslöser

Julia Klöckner ist offenbar Opfer der Signal-Phishing-Angriffe geworden, vor denen BfV und BSI am Mittwoch erneut gewarnt haben.

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Signal-App auf einem Smartphone

(Bild: Primakov/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Am Mittwoch dieser Woche hatten der Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ihre Warnung aus dem Februar vor Phishing-Attacken auf den Signal-Messenger hochrangiger Persönlichkeiten wie Politiker, Militärs und Diplomaten sowie Investigativjournalisten aktualisiert und bekräftigt. Einem Medienbericht zufolge ist die zweite Frau im Staat, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Opfer eines solchen Spionageangriffs geworden.

Das haben dem Spiegel zufolge mehrere Quellen bestätigt. Die erneute Warnung der Sicherheitsbehörden ist offenbar auch darauf zurückzuführen. Klöckner hat nicht nur das zweithöchste Amt in Deutschland inne, sondern ist auch Teil des CDU-Präsidiums, das ebenfalls Signal-Chatgruppen nutzt – wo auch Bundeskanzler Friedrich Merz Teilnehmer ist. Merz wurde dem Bericht zufolge vom Bundesamt für Verfassungsschutz persönlich über den Vorgang unterrichtet. Die Untersuchung des Kanzler-Handys habe anders als bei Klöckner jedoch keine Auffälligkeiten ergeben.

Insgesamt sollen inzwischen mindestens 300 Betroffene in Deutschland bekannt sein. Der Verfassungsschutz hat demnach vor der öffentlich aktualisierten Warnung bereits am Dienstag die Fraktionsspitzen der Parteien im Bundestag sowie die Parteigeschäftsstellen vor der andauernden Messenger-Phishing-Kampagne in einem 20-seitigen Schreiben gewarnt.

Die Masche der Phishing-Kampagne fußt darauf, dass die Angreifer sich etwa als Signal-Support bei potenziellen Opfern ausgeben und die Eingabe von Zugangsdaten fordert. Damit können sie die Konten übernehmen – entweder weitere Geräte hinzufügen und heimlich die Konversationen mitlesen oder das Konto komplett kapern und die Besitzer aussperren. In letzterem Fall können die bösartigen Akteure möglicherweise weitere Opfer finden oder sich als das Opfer ausgeben und mit den Kontakten kommunizieren. Die Verortung der Angreifer weist Richtung Russland, es handelt sich mutmaßlich um russisch-staatliche Akteure.

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BfV und BSI haben gemeinsam einen Leitfaden veröffentlicht, der potenziellen Opfern rasch helfen soll, herauszufinden, ob sie erfolgreich attackiert wurden. Darin geben die Behörden auch Handlungsempfehlungen. Der Leitfaden scheint mit heißer Nadel gestrickt und enthält für einen Fall unlogische Tipps. Wenn das Konto übernommen und Besitzer ausgesperrt wurden, sollen diese etwa die PIN für den Zugriff aktualisieren – das kann aber nicht klappen. Der Kontakt des echten Signal-Supports ist da die korrekte Reaktion, die auch als weiterer Schritt genannt wird.

(dmk)