Zahlen zur Nutzung von Windows & Co.: Der Bund bleibt primär proprietär

Von digitaler Souveränität sind die Bundesbehörden weiterhin weit entfernt – Alternativsoftware zu US-Anbietern bleibt eine Ausnahme.

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(Bild: Mica Stock/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Ist die Bundesverwaltung bei ihrer IT zu abhängig von US-Konzernen? Die Antwort darauf hängt von vielen Faktoren und politischen Perspektiven ab. Doch die Grundlage dafür sind harte Zahlen. Und genau die liefert jetzt eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag – zumindest teilweise. Über etwa 250.000 Microsoft-Arbeitsplätze, 30 macOS-Rechner und angeblich keinen einzigen ausschließlich mit alternativer Software ausgestatteten Arbeitsplatz verfügt etwa das Bundesverteidigungsministerium, zu dessen Geschäftsbereich die Bundeswehr gehört.

Immerhin 320 reine Linuxrechner gibt es in der Zuständigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums. Und satte 4 „ausschließlich mit alternativer Arbeitsplatzsoftware“ ausgestattete Endgeräte nennt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sein Eigen. Das Umweltministerium kommt auf fünf Ubuntu-Rechner und unter der Obhut des Verkehrsministeriums finden sich 310 reine Debian- oder RockyLinux-Rechner. Häufiger finden sich hingegen Rechner, die mit gemischter Software ausgestattet sind. Gemeint ist damit etwa die Kombination aus Windows als Betriebssystem und etwa OpenDesk oder LibreOffice im Verkehrs- oder einem zusätzlich installierten Ubuntu oder einer anderen Linuxdistribution im Umweltministerium, im Justiz- oder im Wirtschaftsministerium.

Streng nach Quote betrachtet bleibt ein Haus der Spitzenreiter: 16.714 Windowsrechnern standen 2025 12.030 Debian-Rechner im Auswärtigen Amt (AA) und seinen Auslandsvertretungen gegenüber – und LibreOffice ist im Außenministerium installierter Standard. Das „AA“ hat eine 25 Jahre lange Open-Source-Historie.

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Im Geschäftsbereich des Innenministeriums – unter anderem für die Bundespolizei verantwortlich – bleiben Alternativen zu US-Anbietern hingegen die Ausnahme, nur ein Siebtel aller Rechner verfügt über wenigstens teilweise Ersatzprodukte. Und während im Finanzministerium, zu dem der Zoll gehört, 63.588 Microsoft-Lizenzen werkelten, fanden sich im gleichen Bereich nur 660 Mal OpenDesk und LibreOffice.

Die vielen Worte der Bundesregierung zur Digitalen Souveränität trugen zu Ende des ersten Jahres nach Amtsantritt also bislang noch wenig konkrete Früchte. Denn 629 Millionen Euro gab die Bundesregierung 2025 den Antworten der Bundesregierung zufolge für Softwarelizenzen von US-Anbietern aus – plus die Kosten für das Bundeskanzleramt und den diesem unterstellten BND, die aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben werden. Und auch bei den Rahmenverträgen, einem maßgeblichen Posten, fällt ins Auge: Die vereinbarten Volumina sind enorm – die dem gegenüberstehenden Abrufe sind hingegen oft deutlich geringer. Und oft wird dasselbe Produkt, etwa Adobe-Lizenzen, von vielen unterschiedlichen Häusern vertraglich vereinbart oder bestellt. Hier dürften also noch einige Einsparpotenziale zu heben sein. Dass die Abhängigkeit teurer wird, zeigt die Kostenentwicklung: Die Microsoft-Ausgaben des Bundes stiegen laut Antwort von rund 74 Millionen Euro (2017) über 198 Millionen Euro (2023) auf 481 Millionen Euro (2025).

Für das Ziel der schwarz-roten Bundesregierung, den IT-Einkauf des Bundes „zentral strategisch steuern“ zu wollen, „um Abhängigkeiten von monopolistischen Anbietern zu reduzieren und den Digitalstandort Deutschland zu stärken“, wie es im Koalitionsvertrag von vor einem Jahr heißt, scheint die Bundesregierung also noch ein ordentliches Stück entfernt.

(mho)