Mehr als 1,4 Gigawatt: Riesige Batteriespeicher am ehemaligen AKW Grohnde

Mindestens 1,4 Gigawatt Leistung und 6 GWh Kapazität: Der Energiecluster Emmerthal soll mehr leisten als einst das AKW Grohnde und liegt an großen Stromtrassen.

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Rendering des geplanten GESI-Batteriespeichers am ehemaligen Kernkraftwerk Grohnde.

Rendering des geplanten GESI-Batteriespeichers am ehemaligen Kernkraftwerk Grohnde.

(Bild: GESI)

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Inhaltsverzeichnis

2021 wurde das niedersächsische Kernkraftwerk Grohnde an der Weser stillgelegt. Nun wächst unmittelbar daneben der Energiecluster Emmerthal mit drei sehr großen Batteriespeichern, Freiflächen-Photovoltaikanlagen, einem neuen Umspannwerk für mehrere 380-Kilovolt-Hochspannungsleitungen und Anschluss an die geplante Stromtrasse RheinMainLink.

Die Orte Grohnde und Kirchohsen an der Weser gehören zur Gemeinde Emmerthal. Diese hat beschlossen, im „Energiecluster Emmerthal“ bis zu drei Batteriespeichersysteme (BESS) auf maximal 35 Hektar Fläche zu genehmigen.

Laut öffentlichen Unterlagen der Gemeinde haben drei BESS-Projekte der Betreiber Green Energy Storage Initiative (GESI), FRV und Elements Green bereits Zusagen für ihre jeweiligen Netzanschlüsse erhalten.

Der Anschluss an große Stromtrassen erfolgt über das neue Umspannwerk (UW) Emmerthal, das der Netzbetreiber TenneT baut. Es ersetzt das bisherige UW Grohnde, dessen Leistung nicht mehr ausreicht. Das UW Emmerthal koppelt zwei 380-kV-Stromtrassen, die auch noch verstärkt werden sollen, mit mehreren 110-kV-Leitungen sowie mit der zukünftigen Stromtrasse RheinMainLink.

Der RheinMainLink läuft in dieser Region parallel zum bereits im Bau befindlichen SüdLink, der ebenfalls als 525-kV-Erdkabel mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) ausgeführt wird. Die beiden Trassen liegen hier nur rund 19 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Offenbar hoffen die Betreiber von BESS in der Nähe der beiden neuen Nord-Süd-Stromtrassen darauf, Stromüberschüsse aus norddeutscher Windkraft billig einzukaufen und bei Bedarf bis nach Süddeutschland teurer verkaufen zu können.

Lageplan des Energieclusters Emmerthal, Stand 1. März 2025

(Bild: Gemeinde Emmerthal)

Die Betreiber GESI und FRV haben bereits relativ konkrete Pläne für ihre BESS im Energiecluster Emmerthal veröffentlicht. GESI will Container mit Lithium-Eisenphosphat-(LiFePo-)Akkus aufstellen, die zusammen 3,84 Gigawattstunden (GWh) Energie speichern und bis zu 870 Megawatt (MW) Leistung abgeben. Man spricht von einer sogenannten 4-Stunden-Anlage, weil die komplette Entladung so lange dauern würde.

FRV plant ebenfalls ein 4-Stunden-System: Das BESS „Grohnde III“ soll 2,4 GWh speichern und bis zu 600 MW abgeben. Es kooperiert mit einer 53 Hektar großen Freiflächen-PV-Anlage des Betreibers Solizer in direkter Nähe, die eine Spitzenleistung von 72 MW (MWp) leisten soll. Wegen Änderungen an den Ausschreibungsbedingungen werden große Solarstromprojekte und Batteriespeicher zunehmend gemeinsam geplant. Schon die beiden BESS von GESI und FRV leisten mit 1,47 GW mehr als das ehemalige AKW Grohnde mit 1,36 GW netto.

Der britische Projektentwickler Elements Green hingegen nennt noch keine Daten zu Emmerthal. Elements Green will in Deutschland jedoch zwei Milliarden Euro investieren und baut unter anderem ein 400-MW-BESS in Elsfleth. Falls Elements Green auch in Emmerthal 400 MW baut, wird der Standort insgesamt 1,87 GW leisten und 7,8 GWh speichern.

Wann konkret die Batteriespeichersysteme in Emmerthal den Betrieb aufnehmen, ist noch unklar. Die Betreiber nennen Jahreszahlen ab 2026. Das 25 Hektar große UW Emmerthal soll allerdings erst Ende 2030 fertig werden. RheinMainLink könnte ab 2033 eine Transportkapazität von etwa 8 GW bereitstellen. SüdLink (4 GW) hofft auf Abschluss der Bauarbeiten bis 2028.

Baustelle des Batteriespeichers von Kyon Energy bei Alfeld am 21. September 2025. Im Hintergrund das UW Godenau.

(Bild: Christof Windeck / heise medien)

Die jeweiligen Projektentwickler sind am Ende oft nicht die Betreiber eines BESS. So hat Allianz Global Investors (Allianz GI) kürzlich 51 Prozent von GESI gekauft. Das von Kyon Energy derzeit in Alfeld gebaute 137-MW-BESS wurde wiederum an den dänischen Investor Obton verkauft. Es liegt am UW Godenau, rund 27 Kilometer Luftlinie entfernt vom Energiecluster Emmerthal und nahe der SüdLink-Trasse. Es ist allerdings über das UW Lamspringe an die neue 380-kV-Leitung Wahle-Mecklar angebunden.

Ursprünglich hatten auch die Firmen Hansa Battery und Kyon Energy zwei weitere, kleinere BESS in Emmerthal geplant, aber diese Pläne aufgegeben.

Der Energiecluster Emmerthal sieht auch Gewerbeflächen vor, um Betriebe anzusiedeln. Dabei will die Gemeinde lokale und mittelständische Unternehmen bevorzugen, um nicht zu viel zusätzlichen Straßenverkehr zu provozieren. Der nächste Autobahnanschluss an der A2 ist mehr als 30 Kilometer entfernt.

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Der Netzbetreiber TenneT will die bestehenden 380-kV-Leitungen in der Region durch „Umbeseilung“ verstärken. Spezielle Aluminium-Stahl-Freileitungsseile vertragen nach Angaben des Anbieters Wiretec bis zu 150 Grad Celsius und dadurch auch höhere Ströme. Damit soll die Strombelastbarkeit der „heißen Seile“ bei gleichem Durchmesser und ähnlichem Gewicht pro Kilometer um bis zu 50 Prozent höher liegen als bei alten Seilen. Zusätzlich kann demnach eine schwarze Beschichtung die Wärmeabstrahlung verbessern.

Vom bisherigen UW Grohnde führt unter anderem eine 90 Kilometer lange 380-kV-Verbindung zum Umspannwerk am ehemaligen Kohlekraftwerk Mehrum, das derzeit abgerissen wird. Dort sind ein großes Rechenzentrum, ebenfalls ein BESS sowie möglicherweise ein neues Gaskraftwerk geplant.

(ciw)