Großer Anlage-Betrug mit Deepfakes: Callcenter in Tirana ausgehoben

Über 50 Millionen Euro haben albanische Callcenter europäischen „Anlegern” gestohlen. Deepfakes mit Promis liefen über Werbung in Sozialen Netzen.

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Schmuckloses Großraumbüro mit dutzenden schwarzen Bürostühlen und Computerarbeitsplätzen

Eines der ausgehobenen Callcenter in der Hauptstadt Albaniens

(Bild: Bundeskriminalamt Österreich)

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„Ich werde nicht behauptet, dass Sie über Nacht Millionär werden. Solche Versprechen geben Betrüger”, warnt der Bundespräsident in den Fernsehnachrichten und empfiehlt eine sichere Anlageform mit hunderten Euro Rendite täglich, ermöglicht durch Elon Musks Künstliche Intelligenz. Unterdessen verklagt die Nationalbank einen Prominenten, der das Volk über Machenschaften von Banken und viel bessere Investitionsmöglichkeiten aufklären möchte. Alles erstunken und erlogen, mit Deepfake-Videos und erfundenen Medienberichten im Layout echter Medien. Aber für die Urheber höchst profitabel.

Mehr als 50 Millionen Euro hat eine albanische Betrugsoperation europaweit und in Kanada hoffnungsfrohen Anlegern mit dieser Masche abgeknöpft. Am 17. April wurden in Tirana drei professionell aufgezogene Callcenter ausgehoben, wie die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am Mittwoch in Wien bekanntgegeben hat. Fast 450 Desktopcomputer, sechs Laptops, 238 Handys, weitere Datenträger und knapp 892.000 Euro in bar wurden sichergestellt. Zehn Personen verhaftet, weitere auf freiem Fuß angezeigt.

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In den albanischen Callcentern haben hunderte albanische Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren mit Fremdsprachenkenntnissen je 800 Euro monatlich verdient – plus Zulagen für abgeschlossene „Verträge”. Die Organisatoren haben jahrelang in Sozialen Netzen Reklame für angebliche Investitionen platziert. Dabei missbrauchten die Täter Journalisten, Politiker, Sportler und andere Prominente als Zugpferde. Ihnen wurden die Anlagenempfehlungen untergeschoben, durch gefälschte Artikel und Deepfake-Videos.

Interessierte durften sich online registrieren, woraufhin sie in passender Sprache angerufen wurden, darunter auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Griechisch oder Spanisch. „Wie bei Anlagebetrug üblich, wird die Sprachkenntnis genutzt, um Vertrauen aufzubauen”, sagt die WKStA. Manche „investierten” nur 250 Euro, andere ihre gesamten Ersparnisse bis in die Millionen Euro.

Wurde ein Opfer misstrauisch, setzte die zweite Betrugswelle ein (pig butchering): Nun gaben sich die Verbrecher als Behörden, Anwälte oder andere vertrauenswürdige Dienstleister aus, die gerade jenen Betrugsfall bearbeiten würden. Das verlorene Geld könne zurückgebracht werden, gegen eine in Kryptowährung zu entrichtende Gebühr, so der erneute Betrug.

Die Schadenssumme ist deutlich höher als 50 Millionen Euro, glauben die österreichischen Ermittler. Doch leider erstatteten zu wenige Opfer Anzeige. „Hinter jeder Anzeige steht ein Mensch, der oft sein Erspartes, sein Vertrauen und manchmal ein Stück Lebenssicherheit verloren hat. Diese Täter spielen skrupellos mit Hoffnung, Angst und Scham”, betonte Reinhard Nosofsky vom österreichischen Bundeskriminalamt. „Deshalb ist jede Anzeige so wichtig: Sie hilft uns bei den Ermittlungen und schützt andere davor, dass ihnen dasselbe passiert.“

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2023 häuften sich Anzeigen in Wien, woraufhin die österreichischen Behörden Ermittlungen einleiteten. Mit Unterstützung Eurojusts kooperierten sie mit der albanischen Staatsanwaltschaft, die für Ermittlungen vor Ort zuständig ist. Europol-Experten halfen schließlich bei der Sicherstellung von Daten.

26 Millionen Euro, also Gut die Hälfte der anzeigen Schäden, entfallen auf 150 österreichische Opfer. Ob die Täter dort besonders erfolgreich waren, oder Österreicher häufiger Anzeige erstatten, soll die Auswertung der Datenträger zeigen. In dem Land wurden beispielsweise Deepfake-Videos und Fotos des Bundespräsidenten Alexander van der Bellen, der ORF-Journalisten Armin Wolf und Nadja Bernhard, der (ehemaligen) Sportler David Alaba, Armin Assinger und Hermann Maier, des Künstlers Christoph Grissemann oder des Ex-Bundeskanzlers Karl Nehammer als Köder eingesetzt. Sie haben mit dem Betrug nichts zu schaffen.

(ds)