Donnerstag: Googles KI-Suche als Umsatztreiber, Speicherkrise belastet Microsoft

Cloud-Wachstum bei Alphabet & Microsoft + Anlagebetrug mit Deepfakes + Banken-Mitschuld nach Phishing + Nazi-Ermittlungen als bestes Computerspiel + #heiseshow

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Grüner Androide vor Google-Gebäude; Donnerstag: Google-Wachstum, Microsoft-Steigerungen, Deepfake-Betrüger, Phishing-Folgen, Computerspielpreis-Gewinner & #heiseshow

(Bild: Stefan Porteck)

Lesezeit: 8 Min.

Der KI-Bot in Googles Suchmaschine führt zu so vielen Eingaben wie noch nie. Das bringt Umsatz in Form zusätzlicher Werbeeinnahmen – 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stärker wächst das Cloud-Geschäft, nämlich um 63 Prozent. Insgesamt steigerte die Google-Mutter Alphabet den Betriebsgewinn Anfang dieses Jahres damit um 30 Prozent. Ähnliche Wachstumsraten verzeichnet auch Microsoft mit Geschäftszahlen, die eigene und externe Erwartungen übertreffen. Nur die Windows- und Xbox-Geschäfte stagnieren. Doch wie PC-Nutzer leidet auch der Windows-Konzern unter steigenden Speicherpreisen, denn diese erhöhen die Investitionskosten enorm. Derweil haben albanische Callcenter europäischen „Anlegern” über 50 Millionen Euro gestohlen. Deepfakes mit Promis liefen über Werbung in sozialen Netzen, die den Opfern hohe Renditen versprochen haben. Doch nach diversen Anzeigen konnten Ermittler kürzlich drei professionell aufgezogene Callcenter in Albanien ausheben – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.

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Der Google-Konzern Alphabet hat im ersten Quartal dieses Jahres 22 Prozent mehr umgesetzt als im Jahr zuvor. Der operative Cashflow hat um 27 Prozent zugelegt. Der Betriebsgewinn ist um 30 Prozent gewachsen, die Betriebsmarge um zwei Prozentpunkte auf 36 Prozent geklettert. „2026 hat einen tollen Start hingelegt“, freut sich Konzernchef Sundar Pichai. „Unsere KI-Investitionen und unser Full-Stack-Ansatz lassen jeden Bereich unserer Geschäfte aufleuchten.“ Besonders stark entwickelt sich derzeit die Suchmaschine. „KI verstärkt die Nutzung“, frohlockt Pichai. Es gab so viele Abfragen wie noch nie. Noch stärker gewachsen ist der Umsatz der Google Cloud, der um 63 Prozent zugelegt hat. Explodiert sind die Nettoausgaben für Investitionen, nämlich um fast das Vierfache: Alphabets Geschäft brummt, Investitionen auch.

Cloud-Wachstum erlebt auch Microsoft. Der Konzern konnte im vergangenen Quartal sowohl Einnahmen als auch Gewinne weiter steigern, wobei das Cloud-Geschäft wie gewohnt die höchsten Wachstumsraten verzeichnete. Das führt Microsoft-Chef Satya Nadella auf die steigende Nachfrage nach KI-Diensten zurück. Die Schattenseite: Speicherpreise sind aufgrund des KI-Booms zuletzt deutlich angestiegen, was auch Microsofts Rechenzentren trifft. Die Investitionen für das laufende Jahr sollen deutlich höher ausfallen als erwartet, wobei ein großer Teil auf steigende Komponentenpreise zurückgeführt wird. Das Geschäft mit PC- und Gaming-Produkten stagniert dagegen weiter, die Umsätze dieser Sparten gehen leicht zurück: Microsoft steigert Einnahmen weiter, aber Speicherkrise verteuert Rechenzentren.

Mehr als 50 Millionen Euro hat eine albanische Betrugsoperation europaweit und in Kanada hoffnungsfrohen Anlegern mit einer Masche abgeknöpft, bei der prominente Personen sichere Anlageformen mit hunderten Euro Rendite täglich versprechen. Alles erstunken und erlogen, mit Deepfake-Videos und erfundenen Medienberichten im Layout echter Medien. Aber für die Urheber höchst profitabel. Doch Mitte April wurden in Tirana drei professionell aufgezogene Callcenter ausgehoben. Fast 450 Desktopcomputer, sechs Laptops, 238 Handys und knapp 892.000 Euro in bar wurden sichergestellt. Zehn Personen wurden verhaftet, weitere auf freiem Fuß angezeigt. Weil zu weniger Opfer Anzeige erstatten, könnte die Schadenssumme deutlich höher sein, durch den großen Anlagebetrug mit Deepfakes: Callcenter in Tirana ausgehoben.

Nicht direkt im Kampf gegen Anlagebetrug, sondern gegen professionelles Phishing stärken Gerichte die Rechte von Bankkunden, allerdings in unterschiedlicher Weise. Während das Oberlandesgericht Koblenz in drei Fällen eine Sparkasse zu voller Erstattung verurteilt hat, gibt es beim oberösterreichischen Oberlandesgericht Linz nur die Hälfte. In allen Fällen klickten die Bankkunden auf irreführende Hyperlinks und fielen auf Anrufe angeblicher Bankmitarbeiter herein. Die Täter lösten Überweisungen in stattlicher Höhe aus. Dieses Geld wollten die Geschädigten von der Bank zurück, scheiterten aber in erster Instanz. In der Berufung waren sie erfolgreicher. Denn dass binnen eineinhalb Stunden 200.000 Euro ins Ausland flossen, hätte der Bank auffallen müssen: Bank muss Hälfte zahlen nach Phishing und falschen Anrufen.

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Das Berliner Studio Paintbucket Games hat mit „The Darkest Files“ den Hauptpreis beim Deutschen Computerspielpreis 2026 gewonnen. „The Darkest Files“ ist ein Detektiv-Spiel, in dem man als Anwältin Nazi-Verbrechen aufklärt. Als Vorlage der Geschichte diente die Arbeit von Staatsanwalt Fritz Bauer, der mit seinem Team unter anderem zur Ergreifung des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann beitrug. Im Spiel ist die Protagonistin Teil seines Teams. Spielerisch ähnelt das der „Ace Attorney“-Reihe: Spieler sammeln Beweise und befragen Zeugen, um dann vor Gericht Täter zu überführen. Neben dem Hauptpreis, der mit 100.000 Euro dotiert ist, gewann „The Darkest Files“ auch den Preis als bestes Serious Game mit einem Preisgeld von 40.000 Euro: „The Darkest Files“ ist das beste Spiel beim Deutschen Computerspielpreis.

In der heutigen Ausgabe der #heiseshow geht es unter anderem um die Phishing-Kampagne über den Messenger Signal, auf die zuletzt Politikerinnen und Politiker hereingefallen sind. Was sagt die Affäre über den Umgang der Volksvertreter mit digitaler Sicherheit aus? Zudem besprechen wir eine Studie, nach der 65 Prozent der 16- bis 39-Jährigen schon mit KI-Chatbots über seelische Belastungen gesprochen haben. Kann KI als niedrigschwelliger Einstieg in die psychische Gesundheitsversorgung sinnvoll sein? Derweil verzeichnete die Hannover Messe 2026 Rückgänge von Besucher- und Ausstellerzahlen. Die nächste Auflage wird auf vier Tage verkürzt. Hat die Hannover Messe als Industriemesse noch eine Zukunft oder wiederholt sich das Schicksal der CeBIT? Das sind die Themen heute um 17 Uhr live in der #heiseshow: Signal-Affäre, KI für die Psyche, Hannover Messe.

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(fds)