Drei Jahre Deutschlandticket: Forderungen nach Ă–PNV-Ausbau

Das Deutschlandticket wird drei Jahre alt – am Tag, an dem der neue Tankrabatt gilt. Umweltverbände kritisieren die Maßnahme. Was sie wollen.

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(Bild: Firn/Shutterstock.com)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Niklas Jan Engelking
  • mit Material der dpa
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Drei Jahre nach Einführung des Deutschlandtickets fordern Kommunen sowie Verbände einen Ausbau des Nah- und Regionalverkehrs in Deutschland. „Bund und Länder müssen den angekündigten Modernisierungspakt für den ÖPNV endlich umsetzen“, sagte Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, der Deutschen Presse-Agentur. „Es gilt, zusammen mit den Verkehrsverbünden und kommunalen Unternehmen den Fahrgästen ein Deutschlandangebot zu machen: mit mehr Linien, dichteren Takten und zusätzlichen Mobilitätsangeboten.“

BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg sagte, jetzt müsse weiteres Entwicklungspotenzial im ÖPNV gehoben werden. „Es braucht mehr Linien, engere Taktungen, längere Züge und elektrische Busse.“ Um die Mobilitätswende sozial gerechter zu gestalten, schlägt der BUND zudem die Einführung eines einkommensunabhängigen Mobilitätsgelds vor, das die bisherige Pendlerpauschale ablösen könnte. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen forderte Angebotsausweitungen und Taktverbesserungen, damit das Ticket flächendeckend wirke.

Auch aus Sicht der Allianz pro Schiene ist das Potenzial des Deutschlandtickets längst nicht ausgeschöpft. Geschäftsführer Dirk Flege sagte, Menschen in den Städten profitierten bislang oft stärker vom Deutschlandticket als in ländlichen Regionen, wo die Anschlüsse an Busse und Bahnen oft zu wünschen übrig ließen.

„Das Deutschlandticket ist ein Versprechen, dass der öffentliche Nahverkehr einfach und unkompliziert zu nutzen ist“, sagte Flege. „Dazu gehört neben einer fairen Preisstruktur natürlich auch, dass jede und jeder ein entsprechendes ÖPNV-Angebot vor der eigenen Haustür vorfindet.“

Das Deutschlandticket gibt es seit dem 1. Mai 2023 – damals zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat. Das monatlich kündbare Abo hat rund 14,5 Millionen Nutzer und ermöglicht bundesweit Fahrten im Regional- und Nahverkehr. Es hat zuvor bestehende Tarifstrukturen erheblich vereinfacht.

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Zum Jahresbeginn stieg der Preis auf 63 Euro im Monat – zuvor zahlten Nutzer für das Ticket 58 Euro im Monat. Von 2027 an soll der Preis nach einem Index errechnet werden, der Personal-, Energie- und allgemeine Kosten enthält. Was das Ticket dann kostet, ist noch unklar. Angesichts der Preisdebatte brachte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert zuletzt sogar befristete Rabatte auf das Deutschlandticket ins Gespräch, um Pendler bei den hohen Spritpreisen zu entlasten.

Weil das Ticket günstiger ist als bisherige regionale Abos, kommt es zu Einnahmeausfällen bei Verkehrsunternehmen. Deswegen geben Bund und Länder pro Jahr jeweils 1,5 Milliarden Euro. Die Verkehrsminister hatten sich geeinigt, diese Finanzierung bis 2030 zu verstetigen.

Schuchardt forderte, die Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen durch das vergünstigte Ticket müssten von Bund und Ländern vollständig ausgeglichen werden. „Sonst gibt es zwar ein erschwingliches Deutschlandticket, aber es fehlt das Geld für Betrieb, Qualität und Ausbau des Angebots an Bussen und Bahnen.“

Greenpeace-Mobilitätsexpertin Marissa Reiserer sagte, der Erfolg des Deutschlandtickets habe im vergangenen Jahr mindestens 500 Millionen Liter Sprit eingespart. „Die vielen Millionen ÖPNV-Abos ersetzen Autofahrten, entlasten Straßen und Geldbörsen, bringen den Klimaschutz voran – und machen Deutschland weniger abhängig von Ölimporten.“ Doch statt das Erfolgsmodell des 9-Euro-Tickets wieder aufleben zu lassen, kehre die Bundesregierung zum gescheiterten Tankrabatt zurück. Vom 1. Mai an bis Ende Juni soll ein Tankrabatt die nach dem Iran-Krieg stark gestiegenen Spritpreise drücken.

Mitte April hatte das Bundesverkehrsministerium einen Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets veröffentlicht. Demnach wurden durch das Ticket allein im Jahr 2024 rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂ eingespart. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte, die Nachfrage sei besonders in Metropolen hoch, zugleich spiele das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Einem Gutachten zufolge gebe es zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets. Dieses könne vor allem durch Reaktivierung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie konsequentes Marketing erschlossen werden.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen kommentierte: „Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschlandticket stellen wir in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit schlechter wird.“ Deshalb gebe es seit Monaten kaum Zuwachs beim Deutschlandticket.

Doch auch ein anderes Potenzial war beim Deutschlandticket zunächst hoch: Die Zahl der Betrugsversuche bewegte sich voriges Jahr noch schätzungsweise im Millionenbereich. Mangelhafte Sicherheitsmaßnahmen öffneten Betrügern Tür und Tor, bis zu 500 Millionen Euro Schaden könnte das verursacht haben. Viele Verkehrsunternehmen und -verbünde setzen inzwischen Sicherheitsmaßnahmen um, die das Problem eindämmen sollen.

(nen)