Apples Selbstreparatur: Lohnt sich nur, wenn man unbedingt will
Das Display des iPhone ist kaputt – da helfe ich mir doch selbst: Wer so denkt, gerät bei Apples Self Service Repair Program schnell ins Minus.
Display-Ersatzteil fĂĽr ein iPhone 17 Pro Max: Gleicher Preis wie die All-inclusive-Reparatur. Beim 16 Pro Max gibt es keinen Unterschied.
(Bild: Screenshot Apple)
Eigentlich hat Apple ja Lob verdient: Der Konzern bietet mittlerweile in diversen Ländern einen für jeden zugänglichen Laden mit Ersatzteilen an und für (fast) jedes Produkt wird inzwischen ein ausführliches Reparaturhandbuch im Web publiziert. Hinzu kommen Erleichterungen bei der Reparatur an sich, da Apple unter anderem weniger Klebstoff verwendet. Doch all diese Schritte hin zu einem – auch von der Politik vorgegebenen – „Right to Repair“ haken an einer zentralen Sache: Die Selbstreparatur lohnt sich finanziell schlicht nicht – immer noch.
Ersatzteil kostet so viel wie die ganze Reparatur
Denn: Wer Apples Originalteile haben will, wie sie auch der Konzern selbst verbaut, zahlt drauf: Nicht nur wegen der Kosten für die Komponenten selbst, sondern auch, weil Spezialwerkzeug sehr teuer angeschafft oder gemietet werden muss. Hinzu kommen die unbezahlten Arbeitsstunden. Kein Wunder, dass selbst Apple sein Self Service Repair Program (SSRP) freimütig als ein Projekt für „Hobbyisten und Bastler“ tituliert. Nur wozu führt der Konzern dann überhaupt diese Übung durch? Ist es mehr als Virtue Signaling?
Eine Beispielrechnung zeigt, wohin die Reise derzeit noch geht. Nehmen wir an, das Display eines iPhone 16 Pro Max habe einen Riss bekommen. Um diesen zu beheben, muss der gesamte Bildschirm samt Frontglass getauscht werden. Wer sich AppleCare nicht gegönnt hat, zahlt dafür außerhalb der Gewährleistung genau 488,99 Euro samt Montage. Das ist erstaunlicherweise bis auf den Cent der Preis, den man für ein frisches Display der Baureihe im SSRP-Ersatzteilladen bezahlt.
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Nur für „Hobbyisten und Bastler“
Doch dabei bleibt es nicht: Um das Display zu montieren, benötigt man zusätzliche Hardware. Die verkauft Apple einem natürlich gerne: Neben diversen Schraubendrehern etwa eine Displaypresse für schlappe 221,34 Euro oder eine „beheizte Ausbauvorrichtung für das Display“ für 261,42 Euro. Für die „einstellbare beheizte Displaytasche“ ist man gar mit 384,58 Euro dabei – alles nur, weil Apple seine Displays immer noch verklebt. Da Nutzer diese ganzen Vorrichtungen – Schraubendreher, Klebebandschneider und anderes Zubehör kommen noch hinzu – wohl selten regelmäßig benötigen, gibt es auch eine billigere Variante: Für 54,74 Euro kann man die notwendigen Reparaturkomponenten sieben Tage lang auch mieten (unbedingt Fristen einhalten, sonst wird es teuer).
Hinzu kommt die Arbeitszeit, die man in die Reparatur investieren muss. Das Fazit lautet dann auch: Nur die besagten „Hobbyisten und Bastler“ dürften sich dieser Aufgabe stellen, alle anderen bezahlen lieber für die Display-Reparatur bei Apple direkt. Die kostet nicht nur „nur“ so viel wie die Display-Komponente aus dem SSRP-Store, sondern wird auch mit Gewährleistung eingebaut. Alle anderen Nutzer können weiterhin das tun, was viele seit Jahren tun: Zu von Apple nicht autorisierten Reparateuren gehen, die nachgebaute oder gebrauchte Ersatzteile verbauen. Immerhin stehen denen jetzt die Reparaturhandbücher zur Verfügung, die früher Geheimwissenschaft waren.
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(bsc)