Montag: Anthropic-Kampf gegen KI-Leaks, endgültig Schluss für Suchdienst ask.com
Folgen des Claude-Code-Leaks + Ende für „Ask Jeeves“ + NASA testet neuen Antrieb für Marsflüge + KI-Agent löscht Firmendaten + Apple entfernt kleinsten Mac mini
(Bild: amgun/ Shutterstock.com)
Ein menschlicher Fehler bei Anthropic enthüllt die Architektur autonomer KI-Agenten und löst eine hitzige Debatte über das Copyright an KI-generiertem Code aus. Nicht nur, dass die Konkurrenz auf Basis der Anthropic-Quelltexte eigene Systeme verbessern kann, auch Urheberrechtsansprüche auf KI-generierten Code könnten vor Gericht kaum erfolgreich sein. Wenig Erfolg hatte auch der als „Ask Jeeves" vor der Jahrtausendwende gestartete Dienst von ask.com, eine der ältesten Internet-Suchmaschinen. Am 1. Mai hat der Betreiber ask.com aufgegeben. Der Fokus liege auf anderen Plattformen dieses Unternehmens. Dabei nutzte ask.com schon vor 25 Jahren natürliche Sprache für Anfragen wie heutige KI-Suchdienste. Derweil hat die NASA einen magnetoplasmadynamischen Thruster mit Lithium-Antrieb erfolgreich getestet. Die Technologie gilt als ein Schlüssel für bemannte Marsflüge. Denn konventionelle Raketen benötigen sehr viel Treibstoff und sind weniger leistungsfähig als der jetzt getestete elektrische Antrieb – die wichtigsten Meldungen im kurzen Überblick.
Videos by heise
Ein Moment der Unachtsamkeit reichte aus, um die mühsam errichteten Mauern um eines der wertvollsten Geheimnisse der KI-Industrie einzureißen. Was als „menschliches Versagen“ bei Anthropic begann, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einem handfesten Skandal entwickelt, der die Grundfesten des digitalen Urheberrechts erschüttert. Im Zentrum steht der Quelltext von Claude Code, einem Werkzeug, das Programmierer bei der Softwareentwicklung unterstützt. Unlängst berichteten Beobachter über den vermeintlichen Diebstahl geistigen Eigentums durch einen Modell-Abgriff. Aufgrund einer versehentlich veröffentlichten Source-Map-Datei landete der originale Quellcode im Netz. Nun stellt sich die Frage der Urheberschaft bei KI-generiertem Quellcode: Anthropics aussichtsloser Kampf gegen den Leak von Claude Code.
Aussichtslos war wohl auch der Kampf von ask.com um Marktanteile, denn eine der ältesten Suchdienste im Internet nimmt keine Fragen mehr an. Der Inhaber hat ask.com nach über 25 Jahren aufgegeben. Die Webseite zeigt seit dem 1. Mai 2026 nur noch eine Meldung über die Einstellung des Dienstes und gibt den Nutzern keine Eingabemöglichkeit mehr. Der Betreiber begründet den Schritt mit der Verschärfung des eigenen Fokus. Das Suchgeschäft gehört offenbar nicht mehr dazu. Schon seit rund fünfzehneinhalb Jahren ist ask.com keine richtige Suchmaschine mehr. Seit Ende 2010 beschränkte sich die Plattform auf Antworten aus einem festen Frage-Antwort-Katalog. Zudem konnten Benutzer die Fragen anderer Benutzer beantworten. Doch auch damit ist jetzt Schluss: Suchmaschine ask.com endgültig abgeschaltet.
Kürzlich zündete ein Team am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Kalifornien erstmals einen sogenannten magnetoplasmadynamischen Thrusterruster, der mit Lithium-Metalldampf betrieben wird – bei Leistungsstufen, die nach Angaben der Behörde alle bisherigen US-Tests dieser Technologie übertreffen sollen. Die Anlage habe dabei Leistungen von bis zu 120 Kilowatt erreicht, mehr als das 25-Fache der Antriebsleistung der aktuell stärksten elektrischen Triebwerke, die die NASA im Weltraum betreibt. Elektrische Antriebe verbrauchen nach NASA-Angaben bis zu 90 Prozent weniger Treibstoff als chemische Raketen. Das wäre eine Lösung für das Antriebsproblem bei Reisen zum Mars, denn konventionelle Raketen benötigen enorme Mengen Treibstoff: NASA erreicht Rekordleistung bei neuem Antrieb für Marsmission.
Mars-Rover Opportunity (18 Bilder)

Es ist der Albtraum eines jeden Softwareunternehmens: Ein KI-Agent löscht nahezu jegliche Daten, auch aus der Produktionsumgebung. Als wäre das nicht schon genug, tut er es unter Missachtung seiner Safeguards – und liefert danach ein schriftliches Geständnis mit quasi minutiösem Protokoll. Genau das ist jetzt dem Unternehmen PocketOS passiert, Hersteller einer gleichnamigen Software für Autovermietungen. Der Übeltäter ist in diesem Fall eine KI-gestützte Entwicklungsumgebung, bei PocketOS mit Anthropics renommiertem Modell Claude Opus 4.6 betrieben. Allerdings mit Beihilfe der Systeme des Anbieters Railway. Denn fehlende Sicherheitsvorkehrungen des cloud-gestützten Tools für Software Deployment machten das Fiasko offenbar erst möglich, dass der KI-Agent Daten löscht: Katastrophe für PocketOS.
In den eigenen Online-Stores bietet Apple den bisher günstigsten Mac für den Schreibtisch nicht mehr an: Das Modell des Mac Mini mit M4-SoC, 16 GByte RAM und 256 GByte SSD-Kapazität kann nicht mehr bestellt werden. Das gilt auch für den deutschen Apple-Store, dort beginnen die Konfigurationen jetzt bei einer SSD mit 512 GByte. Schon seit Wochen sind die Preise für den bisher günstigsten Mac mini mit der kleinen SSD deutlich gestiegen. Konnte das Gerät im vergangenen Jahr häufig noch für rund 560 Euro gekauft werden, so kostet es nun um 650 Euro. Etliche Drittanbieter haben den kleinsten Mac noch vorrätig. Direkt bei Apple kostet das neue Einstiegsgerät mit 512-GByte-SSD jetzt 949 Euro. Das dürfte auf schon länger existierende Lieferprobleme zurückzuführen sein: Apple streicht kleinsten Mac mini aus dem Programm.
Auch noch wichtig:
- Die Steuer wurde gesenkt und Rohöl ist günstiger. Die Verbraucher zahlen somit laut ADAC zu viel für Benzin und Diesel: 12-Uhr-Regel frisst Tankrabatt fast ganz auf.
- Wer seinen Code mithilfe von Copilot geschrieben hat, muss sich mit dem KI-Assistenten jetzt die Commit Message teilen, was sich aber deaktivieren lässt: Microsoft erzwingt "Co-Authored-by Copilot" in Commits.
- Ein Jahr Digitalministerium – bisher betreibt Karsten Wildberger eine staatliche Produktagentur. Politische Gestaltung fehlt noch, heißt es im Missing Link: Die Bewährungsprobe kommt erst noch.
- In einer Telefonkonferenz machte Tesla-Chef Elon Musk das Problem offiziell. Unter Tesla-Besitzern regt sich Widerstand, nachdem Tesla zugibt: Hardware alter Modelle reicht nicht für vollautonomes Fahren.
- Ein Drohnenangriff im März legte zwei AWS-Regionen lahm. Bis der Betrieb regulär weiterläuft, könnte es noch lange dauern: Nach Drohnenangriff schwört AWS Nahost-Kunden auf lange Ausfallzeit ein.
- Mit einem ambitionierten Finanzplan für 2028 bis 2034 will das EU-Parlament Tech-Riesen zur Kasse bitten und den Haushalt aufstocken, um Investitionen zu sichern. Es hat die Digitalsteuer im Blick: EU-Parlament fordert Milliarden-Abgabe für Big Tech.
- Kämpfen wie in Star Wars? Das ist kein Nerd-Traum mehr, sondern geht wirklich – nämlich beim LudoSport. Wir haben den Verein in Hannover besucht und zeigen es im Video: Wir haben Lichtschwert-Training ausprobiert.
- Die EU und die USA haben sich im vergangenen Sommer auf ein Rahmenabkommen für Zölle geeinigt. Doch nun sorgt US-Präsident Trump für neuen Streit: Trump erhöht Auto-Zölle – worum es geht.
- Ein laufender Angriff auf die Canonical-Server beeinträchtigt den Snapstore und andere wichtige Komponenten: Massive Cyberattacke auf Canonical-Server.
- Statt Lamentos sollte der Medienbeauftragte der Bundesregierung den 3. Mai nutzen, um in Sachen Pressefreiheit vor der eigenen Türe zu kehren, meint Tim Gerber in seinem Kommentar zum Tag der Pressefreiheit: Die Sache mit der eigenen Nase.
(fds)