Konkurrenz fĂĽr Deutsche Bahn: Italienischer Anbieter Italo plant Markteintritt
Der italienische Anbieter Italo will ab 2028 mit 30 HochgeschwindigkeitszĂĽgen in den deutschen Fernverkehr einsteigen. Flix kritisiert das geplante Vorhaben.
Italo will in Deutschland Konkurrenz zur Deutschen Bahn werden.
(Bild: pio3 / Shutterstock.com)
Der italienische Betreiber von Hochgeschwindigkeitszügen, Italo, will ab April 2028 in den deutschen Fernverkehr einsteigen und damit der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, will das Unternehmen zunächst 30 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro von Siemens einsetzen und investiert in das Projekt 3,6 Milliarden Euro. Dahinter steckt der ehemalige Ferrari-Chef und Italo-Gründer Luca Cordero di Montezemolo.
56 Verbindungen
Gegenüber der FAZ schildert der 78-jährige di Montezemolo, dass mit den 30 Zügen insgesamt 56 Verbindungen angeboten werden sollen: So plane man Fernverbindungen im Stundentakt zwischen München, Köln und Dortmund. Zudem sollen alle zwei Stunden Züge zwischen München, Berlin und Hamburg verkehren.
Der Betrieb der Züge soll über eine neu gegründete Firma Atrium SE organisiert werden. Geplant sei ein eigenständiges Unternehmen unter deutscher Führung. Bestandteil der Investition in Deutschland sei ein über 30 Jahre laufender Wartungsvertrag mit Siemens.
Durch die Neugründung stellt der Manager 2500 neue Arbeitsplätze in Service und Betrieb in Aussicht. Dazu gehöre außerdem die Beteiligung von mehr als 5000 Industriearbeitern an der Zugproduktion, die in erster Linie in Nordrhein-Westfalen erfolgen soll. Die ersten Einstellungen könnten bereits im Juni 2026 erfolgen, heißt es.
Videos by heise
Erfahrungen aus Italien
Das 2006 gegründete private Verkehrsunternehmen Italo, das 2012 den Betrieb aufnahm, hat sich einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge als Konkurrenz zum Monopolisten der italienischen Staatsbahn positioniert. Das Resultat der Liberalisierung: die Zahl der Fahrgäste sei seit 2008 um 500 Prozent gestiegen; seit dem Markteintritt von Italo seien die Ticketpreise im Schnitt um etwa 40 Prozent gesunken. „Heute ähnelt der deutsche Markt stark dem italienischen Markt vor dem Wettbewerb. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir erheblich zur Verbesserung des Bahnverkehrs beitragen könnten“, sagte di Montezemolo der FAZ.
HĂĽrde InfraGO, Kritik von Flix
Das Gelingen des Vorhabens hängt maßgeblich von langfristigen Trassenzugängen ab, die von der DB InfraGO AG vergeben werden, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Die Trassen werden normalerweise jährlich vergeben, Italo fordert mit Verweis auf die hohen Investitionen eine langfristige Perspektive – konkret Rahmenverträge mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren.
Derweil stellt sich der Fernbus- und Zugbetreiber Flix gegen den Markteintritt des italienischen Unternehmens, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Flix gilt derzeit als einer der größten Konkurrenten der Deutschen Bahn im Personenverkehr auf der Schiene. Gründer André Schwämmlein sagte gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass er zwei Anbieter im deutschen Fernverkehr für ausreichend halte.
Derzeit bietet FlixTrain eine kleine Flotte gebrauchter Fernzüge in Deutschland an. Im Mai 2025 kündigte das Unternehmen aber einen milliardenschweren Rahmenvertrag über bis zu 65 neue Fernzüge mit dem spanischen Hersteller Talgo an. Die ersten Züge sollen 2028 starten. Weitere Konkurrenz zur Deutschen Bahn hatte sich schon im November vergangenen Jahres angedeutet: Die italienische Staatsbahn denkt auch über den Einstieg ins Fernverkehrsgeschäft in Deutschland nach.
(afl)