Tohuwabohu um ungefragt heruntergeladene KI-Dateien in Chrome

Berichten zufolge lädt Google Chrome ungefragt 4 GByte KI-Dateien herunter. Dabei entstehe viel CO₂. Es ist jedoch komplizierter.

vorlesen Druckansicht 80 Kommentare lesen
Chrome-Logo 2023 vor Farbverlauf

(Bild: Google / heise online / dmk)

Lesezeit: 4 Min.
Von
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In den Medien macht gerade die Runde, dass Google Chrome einfach so Speicherplatz verschwendet, indem der Webbrowser ohne jede Rückfrage ein 4 GByte großes KI-Modell herunterlädt. Aufregung erzeugt auch der vermeintlich hemmungslos riesige CO₂-Fußabdruck, den das bei Milliarden betroffener Browser hinterlasse.

Die Aufregung geht offenbar auf einen Bericht eines Bloggers „ThatPrivacyGuy“ zurück. Der gibt an, dass im Benutzerprofil-Verzeichnis von Google Chrome ohne jede Rückfrage ein 4 GByte großes KI-Modell heruntergeladen wird, Dateiname „weights.bin“. Das Verzeichnis, in dem es liegt, soll demnach „OptGuideOnDeviceModel“ heißen. Dahinter verbirgt sich demnach Googles Gemini Nano als On-Device-LLM. ThatPrivacyGuy sieht darin einen Verstoß gegen die DSGVO, international als GDPR bezeichnet.

Die Suche nach der „weights.bin“-Datei bleibt auf allen greifbaren, getesteten Systemen mit Google Chrome 148 erfolglos. Ein allgemeiner, ungefragter Download lässt sich bislang nicht nachvollziehen. An dieser Stelle könnte man eventuell abwinken, „viel Lärm um Nichts“, aber ganz so einfach ist das dann doch nicht.

Denn die Beobachtung ist nicht aus dem luftleeren Raum gegriffen. Google dokumentiert diese Möglichkeit für Entwickler seit dem frisch veröffentlichten Chrome 148, der 127 Sicherheitslücken schließt, tatsächlich. Unter der Überschrift „Prompt API“ erklärt Google, dass „Webentwickler direkten Zugriff auf ein vom Browser bereitgestelltes KI-Sprachmodell auf dem Gerät“ erhalten. „Die erste Implementierung unterstützt Text-, Bild- und Audioeingaben“, führen die Entwickler aus und ergänzen, dass das „eine Vielzahl von Anwendungsfällen, von der Generierung von Bildunterschriften und der Durchführung visueller Suchen bis hin zur Transkription von Audio, der Klassifizierung von Soundereignissen, der Generierung von Text nach bestimmten Anweisungen und der Extraktion von Informationen oder Erkenntnissen aus multimodalem Quellmaterial“ unterstütze. Die Prompt-API selbst ist auf GitHub dokumentiert.

Der Chrome-Browser erhält eine integrierte Modellverwaltung. Google schreibt dazu, dass die integrierten KI-Funktionen auf Gemini Nano basieren, was die Annahme von ThatPrivacyGuy bestätigt. Außerdem dokumentieren Googles Programmierer, dass das Modell bei Bedarf heruntergeladen wird. Im vergangenen Oktober hatten sich die Entwickler überlegt, dass es gut wäre, Nutzerinnen und Nutzer über die für den Download nötige Zeit zu informieren. Der Download startet durch den Aufruf der KI-API-Funktion create(), wenn das Modell herunterladbar ist: „Der erste Download des Modells wird durch den ersten Aufruf einer *.create()-Funktion (z. B. Summarizer.create()) einer beliebigen integrierten KI-API ausgelöst, die von Gemini Nano abhängt.“

Google nennt einen weiteren Fall, in dem das lokale Gemini-Nano-Modell heruntergeladen wird: „Manchmal kann der Aufruf von availability() den Modelldownload auslösen. Das passiert, wenn der Anruf kurz nach dem Start eines neuen Nutzerprofils erfolgt und die Funktion Betrugserkennung mit Gemini Nano aktiv ist.“ Wer die für Chrome-Entwickler gedachten Debugging-Seiten aktiviert, kann durch den Aufruf von „chrome://on-device-internals/“ Einblick in die derzeitige Situation erhalten.

Die „On-Device Internals“ liefern Einblick in den aktuellen Status lokal installierter KI-Modelle.

(Bild: heise medien)

Videos by heise

Allerdings sollte sich Googles Dokumentation zufolge unter den „Einstellungen“ im Browser-Menü unter „System“ Einstellungen zur Verwaltung generativer KI-Modelle finden. Laut einer Google-Stellungnahme gegenüber Android Authority verteilt der Konzern seit Februar 2026 die Option, das Modell über die Chrome-Einstellungen zu deaktivieren und zu entfernen – zum Testzeitpunkt war sie auf den geprüften Systemen jedoch noch nicht sichtbar. Das dürfte womöglich daran liegen, dass die Funktion zunächst in den USA verteilt wird – hier bietet der Konzern bereits seit vergangenem Jahr den Chrome-Browser mit integriertem KI-Chatbot an.

Die Aufregung um den CO2-FuĂźabdruck durch die lokalen KI-Dateien scheint ebenfalls aufgebauscht. Jeder einzelne gestreamte Netflix-Film kommt auf diese Datenmengen.

(dmk)