USB-C im iPhone per Dekret: Apple hält EU-Vorhaben für innovationsfeindlich

Eine per Regulierung vorgegebene Ladebuchse werde für zusätzlichen Elektroschrott sorgen und Nutzern "auf der ganzen Welt" schaden, heißt es bei Apple.

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iPhone-Ladekabel

Lightning hat bei iPhones noch nicht ausgedient.

(Bild: dpa, Silas Stein/dpa)

Lesezeit: 3 Min.

Apple möchte sich keine Ladebuchse per Gesetz vorschreiben lassen: Das Unternehmen hat sich gegen einen Gesetzesentwurf der EU-Kommission ausgesprochen, der mit USB-C eine einheitliche Ladebuchse festschreiben soll. Man sei "noch immer besorgt", dass eine derartige Regulierung "Innovation eher behindert als fördert – und damit den Verbraucher:innen in Europa und auf der ganzen Welt schadet", wie Apple am Donnerstag auf Nachfrage mitteilte.

Apple ist der letzte große Smartphone-Hersteller, der mit Lightning auf eine eigene Buchse setzt – seit nun neun Jahren. Eine erzwungene Umstellung auf USB-C würde auch das bestehende riesige Lightning-Angebot rund um Kabel, Ladestationen und Accessoires obsolet machen und so letztlich für zusätzlichen Elektroschrott und Verärgerung bei den Kunden sorgen, heißt es bei Apple. Der Hersteller fürchtet zudem, dass eine solche Vorgabe das lukrative Geschäft mit generalüberholten iPhones aus zweiter Hand stören könnte.

Aus Sicht des Konzerns hat die einstige Selbstverpflichtung der Branche dafür gesorgt, dass sich die Zahl der Ladebuchsen von rund 30 letztlich auf drei (Lightning, Micro-USB und USB-C) und inzwischen auf zwei (Lightning und USB-C) reduziert hat. Hätte die EU-Kommission damals einen Ladestecker vorgeschrieben, wären Lightning und USB-C so nicht entstanden, argumentiert Apple.

Handy-Hersteller, darunter Apple, hatten sich 2009 auf Micro-USB als gemeinsame Ladelösung in Europa geeinigt. Für das iPhone gibt es seitdem einen Micro-USB-Adapter, zuerst für Apples alten 30-Pin-Dock-Connector, seit 2012 für den bis heute im iPhone verwendeten Lightning-Anschluss. Eine Selbstverpflichtung mehrerer Hersteller im Jahr 2018 setzt bereits auf USB-C als einheitlichen Standard, aber nur auf Seite des Netzteils. Adapterlösungen wie ein USB-C-auf-Lightning-Kabel sind hier vorgesehen.

Apple hat MacBooks, iPads und seine Netzteile inzwischen fast komplett auf USB-C umgestellt, iPhones – bis hin zum iPhone 13 –, AirPods und Eingabegeräte verharren bei Lightning. Seit vergangenem Jahr liegt iPhones kein Netzteil mehr bei.

Zugleich stellte Apple am Donnerstag eine Zusammenarbeit mit der EU-Kommission in Aussicht, man wolle "gemeinsam eine Lösung finden", die "die Innovationsfähigkeit der Branche erhält". Die EU-Kommission betonte zuvor, man ziele darauf ab, eine "offene und interoperable Lösung zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig technologische Innovationen zu ermöglichen". EU-Parlament und der Ministerrat müssen der Initiative noch zustimmen, zudem ist eine Übergangszeit von zwei Jahren vorgesehen – bis zu einer verpflichtenden Vorgabe könnte es also auch 2024 werden.

Schon länger wird erwartet, dass Apple langfristig alle physischen Anschlüsse aus dem iPhone streichen und rein auf drahtlose Techniken für Laden und Datenübertragung setzen will. Für drahtlose Ladetechniken ist vorerst keine Regulierung vorgesehen, die EU-Kommission behält sich dies aber vor, sollte der Markt zu stark fragmentieren. Apple bastelt hier mit MagSafe bereits sein eigenes Ding, das ebenso wie Lightning nur im Rahmen des Made-for-iPhone-Programms (MFi) an Dritthersteller lizenziert wird.

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(lbe)