Elektroautos haben es im Meinungsbild immer noch schwer

Eine Umfrage des TÜV-Verbands lässt darauf schließen, welche Faktoren daran hindern, von Verbrenner-Autos auf den ÖPNV oder auf ein E-Auto umzusteigen.

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Autobahn

BAB27 in Bremen

(Bild: heise online / anw)

Lesezeit: 4 Min.

Was bringt die Menschen in Deutschland dazu, an ihrem mit fossiler Energie betriebenen Auto festzuhalten? Das ist eine der Fragen, die der TÜV-Verband mit einer Befragung von 1000 Personen zu beantworten suchte. Dabei zeigte sich, dass Autonutzer- und nutzerinnen andere Präferenzen haben als jene, die keine Autos nutzen. 61 Prozent der Autonutzer haben beispielsweise angegeben, möglichst flexibel und unabhängig unterwegs sein zu wollen; das war hingegen für 42 Prozent der Befragten ohne Autos besonders wichtig.

12 Prozent der Befragten haben angegeben, kein Auto zu besitzen. Dieser Anteil beträgt in Einpersonenhaushalten 29 Prozent. Je mehr erwachsene Personen sich in einem Haushalt befinden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass dort nicht nur ein Auto vorhanden ist.

45 Prozent der Autonutzer legen Wert darauf, möglichst schnell ihr Ziel zu erreichen, und 41 Prozent, verlässlich und planbar unterwegs sein zu können. Für die anderen, die kein Auto haben, ist das zu 38 beziehungsweise 32 Prozent wichtig, während 43 Prozent von ihnen den Kostenfaktor und 30 Prozent den Umweltschutz betonen; dies tun 20 beziehungsweise 15 Prozent der Autobesitzer, geht aus der " TÜV Mobility Studie 2022 " (PDF) hervor.

77 Prozent der Haushalte haben laut der Studie mindestens ein Fahrzeug mit Benzin-Antrieb, 27 Prozent haben Dieselautos. Einen Hybrid-Antrieb gibt es in 5 Prozent und ein rein batterieelektrisch angetriebenes Auto in 3 Prozent der Haushalte.

72 Prozent der Befragten haben angegeben, an einem gewöhnlichen Werktag mit dem Auto zu fahren. Die Zahl hat sich gegenüber der Befragung von vor zwei Jahren vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie um 7 Prozentpunkte erhöht, während 25 Prozent aktuell angaben, werktäglich den ÖPNV zu nutzen; vor zwei Jahren waren es 32 Prozent.

Dabei ist die Neigung, den ÖPNV zu nutzen, besonders in Ortschaften mit weniger als 20.000 Einwohnern besonders gering, unter anderem weil er nicht ausreichend verfügbar ist, wie 73 Prozent der Befragten angegeben haben. Der ÖPNV ist im Vergleich dazu für 41 Prozent der Befragten in Städten ab 500.000 Einwohnern keine Alternative. 82 Prozent der Befragten würden es als eine Maßnahme gegen die Klimabelastung begrüßen, wenn der ÖPNV kostenfrei wäre, 80 Prozent sind dafür, den ÖPNV in Stadt und Land auszubauen.

Ein weiterer Weg, die Klimabelastung zu verringern, wäre es, ein eigenes Elektroauto (BEV) anzuschaffen. Dies ist für 10 Prozent der Befragten "sehr wahrscheinlich", für 16 Prozent "eher wahrscheinlich". 50 Prozent haben angegeben, für sie wäre die Anschaffung eines E-Autos "eher" oder "sehr unwahrscheinlich", 22 Prozent wussten keine Antwort oder haben angegeben, dass sie sich kein Auto kaufen werden.

Das größte Hindernis für die Anschaffung eines BEV ist die Reichweite, die für 49 Prozent der Befragten zu gering ist. Für 46 Prozent sind die Anschaffungskosten zu hoch, für 44 Prozent gibt es zu wenig Lademöglichkeiten. 42 Prozent bezweifeln, ob BEV wirklich umweltfreundlicher sind als andere Autos.

Für diejenigen, die bereits ein E-Auto besitzen, sind hauptsächlich das Fahrerlebnis und die Technik eines BEV ein Hauptgrund, um aufs elektrische Fahren umzusteigen, hat der Mineralölkonzern Shell in seiner aktuellen " EV Driver Survey " (PDF) festgestellt. Dafür hat er E-Auto-Besitzer und -Besitzerinnen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Belgien befragen lassen.

Für die von Shell befragten E-Autofahrer ist der wichtigste Faktor für einen breiten Umstieg auf die E-Mobilität eine bessere Akkureichweite, gefolgt von geringeren Anschaffungskosten und einer besseren Verfügbarkeit an Ladepunkten. Ein Drittel der Befragten meinte, dass Ladepunkte an Autobahnen die nötigen Ladegeschwindigkeiten erreichen. Für Einzelhandels- und Gastronomiestandorte sinkt diese Zahl auf ein Fünftel der Studienteilnehmer.

(anw)